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Filmvorträge und Musik





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Foto: Volker Sattel

Musik: Michael Freerix

Freitag | 23. November 2018 | 19 Uhr

James Edmonds

Inside/outside: constructs and the space within

Mittwoch | 28. November 2018 | 19 Uhr

Volker Sattel

unternehmen paradies

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Wohnmaschienen





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Foto: Sãkums / The Beginning (Lettland 1961, Regie: Uldis Brauns); Rechte: Nacionalãis kino centrs (National Film Centre of Latvia)

 

Wohnmaschinen: Zwischen Metapher und sozialer Typologie

Kuratiert von Nele Saß

Do, 15. November 2018, 19 Uhr

#5

Sãkums / The Beginning

Lettland 1961, 10 min, OmeU, Dokumentarfilm, Regie: Uldis Brauns

‚Sãkums‘ ist der erste Teil einer Kurzfilm-Trilogie des Regisseurs, die sein Debut darstellten und sich Grossbaustellen in Lettland widmen: auf „Sãkums/The Beginning“ folgten „Celtne/Construction“, 1962 und „Strādnieks/The Worker“, 1963. In diesem Film wird der Aufbauprozess einer hydroelektrischen Station über den größten Fluss des Landes gezeigt. Die Beobachtung der Bauarbeiter, Fahrer und Ingenieure fokussiert beim Industriebau auf den menschlichen Aspekt. Eine Bildeinstellung, die Landschaften durch die Fenster eines noch offenen Rohbaus rahmt, gilt als Hinweis für Uldis Brauns‘ spätere poetisch-metaphorische Bildsprache.
Der Film markiert daher auch den ‚Beginn‘ der neuen Rigaer Dokumentarfilmschule, die in Erinnerung an Ansätze Dziga Vertovs in den 20er Jahren Dokumentarfilm vor allem als (visuelle) Kunst versteht und sich in der Ära des Tauwetters unter Chruschtschow vom ‚propagandistischen‘ Stil der Wochenschauen und den Dokumentarfilmern einer älteren Generation in Lettland absetzt.

Uldis Brauns (1932-2017), einer der ersten Dokumentarfilmer einer jüngeren Generation im Baltikum, der die VGIK (Staatliches sowjetisches Institut für Kinematographie, Moskau) in der Abteilung für Kameraleute (1959) und der Höheren Kurse für Drehbuch und Regie (1968) absolviert hatte, begann ab 1961 für das neu gegründete Rigaer Filmstudio tätig zu werden. Er wird zu einem der wichtigsten Vertreter der Rigaer Schule des poetischen Dokumentarfilms. Seine erste Arbeit als Kameramann: „Baltie zvani/White Bells“ (1961) in der Regie von Ivars Kraulitis, verwies bereits auf das Credo seiner Kunst, die für das poetische Kino der Zeit prägend werdenden langen metaphorischen Einstellungen und eine bestimmte Form des Schnitts. Der Film stellt die Beziehung eines Mädchens zu ihrer Umgebung dar, indem über tiefenscharfe Kameralinsen und kontrastierende Lichter und Schatten einer dynamischen Stadt auch die Spannung der künstlerischen Erzählung aufgebaut wird. Seine späteren langen Filme – wie der komplexe, unter großem organisatorischem Aufwand zum 50. Jahrestag der Revolution gemeinsam mit Herz Frank realisierte „Panorama“-Film „235000000“ (1967, Arbeitstitel ‚UdSSR 1966‘), der an vielen Orten der SU live aufgenommen und improvisiert wurde, folgen ebenfalls diesem Stil. „235 000 000“ wertet in einem Rundumblick über die Sowjetunion und ihre Errungenschaften das Individuelle und das Globale/Kollektive gleich hoch, weshalb der Film Probleme mit der Zensur bekam. Zu nennen sind auch seine aus Archivmaterialien erstellten Filme „Celojums uz Zemi/Journey to Earth“ (1977), „Mana zeme, manas mīlestības pasaule/My country, my love“ (1977) und „Ardievu, XX gadsimt!/Farewell, XX Century!“ (2006). Brauns „Motociklu vasara/Motorcycle Summer“ (1975) ist außerdem ein nach dokumentarischen Prinzipien gedrehter Spielfilm. (Quelle: National Film Centre of Latvia u.a.)

Filmographie (Auswahl): Sãkums/The Beginning (1961); Celtne/Building (1962); Strādnieks/The Worker (1963); 235000000 (1967); Motociklu vasara/Motorcycle Summer (1975); Celojums uz Zemi/Journey to Earth (1977); Ardievu, XX gadsimt!/Farewell, XX Century! (2006)

 

Le mani sulla città / Hands over the city

Italien 1963, 101 min, Ome; Regie: Francesco Rosi, Buch: Francesco Rosi, Raffaele La Capria

Neapel 1963. In den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Krieg ist die Stadt ein Schachbrett für die Spiele korrupter Politik und verschiedener Machtinteressen. Der Bauunternehmer Edoardo Nottola spekuliert mit dem Projekt zur Stadterweiterung. Bei Bauarbeiten seiner Firma stürzt in einem Armenviertel Neapels ein Wohnhaus zusammen. Nach Protesten der Opposition wird im Stadtrat eine Untersuchungskommission geschaffen, doch deren Arbeit versandet. Nottora weiß sich Verbündete zu schaffen. Er lässt das gesamte Viertel wegen Baufälligkeit räumen, um dort zu bauen, und wird zum Assessor gewählt. – Der Film thematisiert die unheilvolle Verflechtung von ökonomischer und politischer Macht im Italien der 60er Jahre und wird zu einer Parabel über Politik als Kunst der Machtergreifung. Le mani sulla cittá gewann bei den Filmfestspielen Venedig 1963 den Goldenen Löwen und steht auf der Liste der „100 Film italiani da salvare“. (Quelle: Istituto Italiano di Cultura/Italienisches Kulturinstitut, Berlin zur Retrospektive 2015)

Francesco Rosi, geb. 15. November 1922 in Neapel, gestorben am 10.Januar 2015 in Rom, war Filmregisseur und Drehbuchautor. Zwischen den 1950er und 1990er Jahren drehte er 20 Spiel- und Dokumentarfilme. Zu Beginn der 1960er erwarb sich Rosi durch seine neorealistischen Werke „Wer erschoss Salvatore G.?“ und „Hände über der Stadt“ den Ruf eines Spezialisten für Mafiafilme, ehe er Ende der 1970er Jahre mit seinem Filmstil brach und die poetische Literaturverfilmung „Christus kam nur bis Eboli“ und andere Filme vorlegte. Erst mit „Palermo vergessen“, 1990, kehrte er wieder zum Mafia-Genre zurück. In seiner Karriere wurde Rosi mit mehr als 30 internationalen Film- und Festivalpreisen ausgezeichnet, darunter die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes, der Goldene Löwe des Filmfestivals Venedig sowie ein British Academy Award.

Filmografie (Auswahl): La Sfida/Die Herausforderung (1958), I magliari/Auf St.Pauli ist der Teufel los (1959), Salvatore Giuliano/Wer erschoss Salvatore G.? (1962), Le mani sulla città/Hände über der Stadt (1963), Il momento della veritá/Der Augenblick der Wahrheit (1965), C’era una volta/Schöne Isabella (1967), U omini contro/Bataillion der Verlorenen (1970), Il caso Mattei/Der Fall Mattei (1972), Lucky Luciano (1973), Cadaveri eccellenti/Die Macht und ihr Preis (1976), Cristi si e formati a Eboli/Christus kam nur bis Eboli (1979), Carmen (1983), Cronica di una morte annunziata/Chronik eines angekündigten Todes (1987)

 

Nächtse Termine:

Do, 29. November 19 Uhr
Banoptic / Panoptic
Libanon/Vereinigte Arabische Emirate 2017, 71 min, OmeU, Dokumentarfilm
Regie: Rana Eid

Vortrag von Irit Neidhardt: “Der Bürgerkrieg im aktuellen libanesischen Kino”

Do, 13. Dezember 19 Uhr
Superjednostka
Polen 2014, 20 min, OmeU, Dokumentarfilm
Regie/Buch: Teresa Czepiec

High-Rise
Grossbritannien 2015, 112 min, OmdU
Regie: Ben Wheatley
mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Mille

 

Wohnmaschienen #4
Kuratiert von Nele Saß

Pallasseum

Deutschland 2016, 25 min, Dokumentarfilm

Regie/Buch: Manuel Inacker

Produktion/Vertrieb: Filmuniversität Potsdam-Babelsberg Konrad Wolf

In Anwesenheit des Regisseurs Manuel Inacker

Spielerisch-kombinatorische Bestandsaufnahme des Gebäudekomplexes Pallasseum in Berlin-Schöneberg, das die Vision eines unaufgeregten Nebeneinanders urbaner Lebenswelten

entwirft. In dem zwölfgeschossigen Betonriegel, 1977 nach einem Entwurf von Jürgen Sawade erbaut, befinden sich 514 Wohnungen, fast 2000 Menschen unterschiedlicher Nationalität wohnen hier. Im Berliner Volksmund wurde das Gebäude von Anbeginn als „Sozialpalast“ diffamiert. PALLASSEUM – UNSICHTBARE STADT ist der Versuch, dem räumlichen und sozialen Ensemble unbelastet näherzukommen. Die Bildfläche ist horizontal in drei Felder geteilt, die Leinwand erscheint wie ein Triptychon. Räumliche Trennungen werden überwunden und fügen sich zu einer eigenen Kinoästhetik. Einerseits entsteht so ein konzentriertes Geflecht aus Nachbarschaften und Echos, andererseits formen sich Skizzen tatsächlicher und möglicher Erzählungen. Wenn Geschichten das tragende Fundament eines jeden Ortes bilden, dann stellen Orte wiederum Möglichkeitsräume für Geschichten dar. Wie werden Biografien, die darin verwickelt sind, von baulich-urbanen Kräften geformt, und wie wirken sie umgekehrt auf diese zurück? (Quelle: 66. Internationale Filmfestspiele Berlin, Perspektive Deutsches Kino, 2016)

Manuel Inacker, geboren 1989 in Siegen, ist ein deutsch-kroatischer Regisseur. Er absolvierte ein Bachelorstudium in Politik, Soziologie und Philosophie an der Universität Erfurt sowie an der Bosporus-Universität in Istanbul. Nach längeren Aufenthalten in verschiedenen Ländern, u. a. in China, Australien und der Türkei wohnt er derzeit in Berlin. Seit 2014 studiert er Spiel- und Dokumentarfilmregie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.

PALLASSEUM – UNSICHTBARE STADT ist sein erster dokumentarischer Kurzfilm.

Festivals: Internationale Filmfestspiele Berlin – Perspektive Deutsches Kino (2016), Sehsüchte – Internationales Studentenfilmfestival, Potsdam (2016) u.v.a.

Filmografie:

2018 – La Bestia – Train of the Unknowns (Festivals: Dokfest München 2018, IDFA Amsterdam 2018)

2016 – Pallasseum – Unsichtbare Stadt (Festivals: Berlinale 2016)

2015 – Cocoon (Festivals: San Diego Film Festival 2015)

Africa Shafted: under one roof

South Africa 2011, 54 min, eUT

Regie/Produktion/Kamera/Schnitt: Ingrid Martens

So wie Südafrika das ökonomische Zentrum des Kontinents ist, ist folglich Johannesburg sein Tresorraum – und daher ein Magnet für Migranten aus allen Ländern Afrikas, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind. Im Herzen Johannesburgs steht Afrikas höchstes Apartmenthaus, das Hochhaus Ponte City, das über alle Turbulenzen hinauszuragen scheint, eine Rotunde, die berüchtigt und von den meisten Johannesburgern gefürchtet wird. Ein Turm mit 54 Etagen, der 4400 Männer, Frauen und Kinder beherbergt, von denen einige Südafrikaner sind, viele aber auch aus allen anderen Ländern Afrikas stammen – das ‚Ponte‘ ist Klein-Afrika.

Der Film von Ingrid Martens folgt einem einfachen Konzept. Alle Aufnahmen wurden im engen Raum eines Aufzugs gedreht, die Kamera liefert daher kurze Momentaufnahmen aus dem Leben der Mitfahrenden, die gerade ihre Wohnung verließen oder in diese zurückkehren. Entsprechend wird das Zeitgefühl des Films von der kurzen Anwesenheit der Mitreisenden bestimmt, die den Aufzug bald wieder verlassen. Wie sie sich der Kamera und den anderen Mitreisenden gegenüber verhalten, variiert. Neben Situationen mit überraschenden, witzigen und auch tragischen Geständnissen, auch schockierenden Aussagen über die Nachbarn aus den anderen Etagen, entwickeln einige der Bewohner mit der Zeit eine Beziehung zur lange Zeit im Aufzug anzutreffenden Kamera. Andere schweigen, abgesehen von ihrer Körpersprache, beständig. Auch der Lift selbst erzeugt dabei diesen Effekt: Menschen aus den unterschiedlichsten Gegenden und Kulturen Afrikas lernen im Aufzug des Ponte, miteinander zu interagieren. Manchmal können Vorurteile plötzlich weichen, so deuten das die (von der Kamera) beobachteteten Geschehnisse an, es gibt persönlichen Zuspruch bei Problemen, auch politische Stellungnahmen – etwa zur deutlich wachsenden Xenophobie gegenüber den ‚Nigerianern‘ (wobei diese Bezeichnung eine ganze Reihe von Ländern einschliesst). Der Zuschauer wird im kommunalen wie klaustrophobisch engen Raum des Lifts in die Atmosphäre der Gespräche einbezogen und auch mit den dahinter liegenden Spannungen konfrontiert. Den Vibe eines ganzen Kontinents, den der Film im Ponte-Gebäude sieht, unterstützt auch die mit Bedacht ausgesuchte Musik von bekannten und unbekannten Musikern, die einem Rhythmus der Befreiung folgen. Der über 5 Jahre gedrehte Film von Ingrid Martens gibt den im Ponte Tower lebenden Afrikanern, welche nach der Apartheid in Südafrika häufig als Krimimelle gebrandmarkt wurden, eine Stimme und ein Gesicht. Er entdeckt es hinter den Fenstern des siloartigen Betonturms.

Der Film ist jenen gewidmet, die bei den xenophoben Attacken im Jahr 2008 verstarben, sowie Jackson Kaujeua und Timothy Boyd, die 2010 starben.

(Quelle: http://africahsafted.co.za)

Preis der Jury des Cinema Planeta Filmfestival, Mexiko 2012 für den originellsten kinematografischen Ansatz, in der offiziellen Auswahl für das Africa in Motion Edinburgh Filmfestival, Schottland, das New York African Film Festival und das Doc Watchers New York, das Tri-Continental Festival und das International Durban Film Festival, Südafrika, das Africa World Documentary Festival, das Lesotho Film Festival und viele andere

Ingrid Martens, Master in Kultur und Medienwissenschaften, Abschlussarbeit über die Anfänge des regionalen Fernsehens in Südafrika. Aus ihrer Zusammenarbeit mit vielen Journalisten während dieser Forschung folgt die Teilnahme am Professional Programme for Journalists in Atlanta. Im Anschluss Produktionsleiterin des ersten südafrikanischen Büros des bekannten Produktionshauses Camarapix in Kenia. Ingrid Martens produzierte und assistierte bei der Produktion von Nachrichten und Filmen in Ländern wie Kenia, Simbabwe, Liberia, Guinea, Ruanda, Mozambique und Angola, für Sendungen der CNN, BBC, SABC und e-TV. Sie arbeitet für die South African Broadcasting Corporation, Multimesh, Can TV, Al Jazeera English. Sie produzierte außerdem Werbevideos für die Planned Parenthood Federation und die United Nations University for Peace.

Als Journalistin und Filmemacherin erhielt sie den CNN African Journalist Award für ihre Geschichte über die Tests von Jungfräulichkeit, die von bestimmten afrikanischen Gemeinschaften als Mittel im Kampf gegen HIV angesehen werden. Ihr Dokumentarfilm „Africa Shafted: under one rood“ wird zu vielen Festivals und Vorführungen in Kunstzusammenhängen eingeladen, da er Debatten über die afrikanische Identität stimuliert.

 

Do, 4. Oktober 19 Uhr

#2

12 y Malecón, Habana

Deutschland/Kuba 2012, 52 min, OmdU, Dokumentarfilm

Regie/Produktion/Kamera: Elí Roland Sachs

Co-Regie/Ton: Maria Kindling

(34. Internationales Festival des neuen lateinamerikanischen Kinos, Havanna 2012; Kino Latino, Köln 2012; 26. Filmfestival Cottbus 2016)

Vor dem Film berichtet Maria Kindling in einem kurzen Vortrag über das geplante Gesetz 349, das die kubanische Regierung verabschieden will, und dessen weitgehende Folgen für das gesamte Kunstschaffen Kubas.

Bildung für alle war von Anfang an ein wichtiges Aushängeschild des tropischen Sozialismus. Durch die jahrzehntelange Krise ist auch hier manches aus den Fugen geraten. Der Regisseur Elí Roland Sachs gibt Einblick in den Alltag von kubanischen Studierenden rund um das größte kubanische Studentenwohnheim direkt an der Uferpromenade in Havanna: Das Essen in der Mensa und Studierende beim Reinigen der Flure. Gespräche in den Sechsbettzimmern über alltägliche Probleme: Gab es Wasser am Wochenende? Ist der Strom ausgefallen? Ein kubanischer Student liest Wladimir Kaminer im Original und diskutiert über den deutschen Konjunktiv. Im Flur ein Wandgemälde: Fidel Castro schaut ernst, aber gütig in die Ferne, darunter steht: „Hier wurde ich zum Revolutionär.“ (Katalog, Filmfestival Cottbus 2016, WMH)

Das Haus in bester Lage, das mit blass-roten Balkonen auf weißem Stein an der Kreuzung 12 y Malecón, Havanna, direkt an der Meerpromenade stolz in die Höhe ragt, beherbergte früher Luxusapartments und ist jetzt das größte Studentenwohnheim Kubas. Der Vorspann benennt das nationale Stipendienprogramm, das 12 Monate freien Studierens und Wohnens beinhaltet und somit ein noch gültiger Bestandteil des (ehemals) sozialistischen Anspruchs auf Bildung für alle ist. Viele, die dort lernen und leben, ziehen nach dieser Zeit weiter, was eines der mehrsprachig diskutierten Gesprächsthemen im Film ist. Elí Roland Sachs und Maria Kindling gehen bei ihren Aufnahmen ganz vom Alltag der Studierenden mit all seinen Verrichtungen in dem von außen meist sonnendurchfluteten Haus aus, gezeigt wird das Aufwachen in den Sechs-Bett-Zimmern, die Arrangements um die Badezimmernutzung, gemeinsames Essen oder Tischtennisspielen und auch das Lernen. Essentielle Probleme wie die zeitweilig aussetzende Wasserversorgung bringen die Studierenden-Gemeinschaft dabei noch stärker zusammen. Gelegentlich fällt der Blick der subjektiv wirkenden Kamera auch nach draußen, was die aufgefangenen Stimmungen unter den Bewohner*innen noch unterstreicht, wo aus dem Fenster geschaut oder beiläufig von der lange zurückliegenden Ausreise der Schwester über eine Lotterie in die USA erzählt wird. Von kubanischer Geschichte und Gegenwart zeugt auch der gelegentliche Blick der Kamera auf alte Plakate Fidel Castros oder Che Guevaras, oder auch die beinahe gespielt wirkende ‚amtliche‘ Beflissenheit der Pförtner des Haues. Das lebendige Bild vermitteln jedoch ausschließlich die Protagonisten und Bewohner*Innen des Hauses selbst.

Im Anschluss an den Film Gespräch mit Maria Kindling.

Elí Roland Sachs

Geboren 1985 in Göttingen / Aufgewachsen in verschiedenen Ländern Afrikas (Senegal, Ruanda, Botswana, Kamerun) / 2005-2007 Arbeit als Kameraassistent und Beleuchter bei Werbe- und Kurzfilmdrehs / 2007-2013 Student an der Kunsthochschule für Medien Köln mit Spezialisierung auf Dokumentarfilmregie und Kamera / 2010 Sechsmonatiger Auslandsaufenthalt in Senegal / 2011 Auslandssemester an der Escuela Internacional de Cine y TV in Kuba / 2014 Gründung Dokomotive Filmkollektiv / 2015 Mediengründerstipendium NRW / Seit 2013 freischaffend tätig als Regisseur, Kameramann und Produzent.

Filmografie (Regie): Schminknovelle (Kurzfilm 2006), Vogelfrei (Kurzfilm 2007), Vogelperspektive (Kurzfilm 2009), Kölner Verfahren (Kurz-Dokumentarfilm 2010), Le Charretier de Yoff (Kurz-Dokumentarfilm 2010), La tailleuse de pierres (Kurzfilm 2010), Autour d’une vision (Kurz-Dokumentarfilm 2010), Inspektionen (Kurz-Dokumentarfilm 2012), Atemwege (Dokumentarfilm 2013), Bruder Jakob (Dokumentarfilm 2016) – Bester Dokumentarfilm, Dokfest München 2017

Maria Kindling

Geb. und aufgewachsen in Halle, nach dem Abitur eineinhalbjähriger Aufenthalt in Nicaragua und Mitarbeit an einem Dokumentarfilmprojekt. Studium der Ethnologie und Sozialwissenschaften in Berlin, gesellschaftliches Engagement und Filmassistenzen, Auslandsjahr in Kuba und Mitarbeit an diversen Dokumentarfilmprojekten.

 

Nächtse Termine:

Do, 18.Oktober 19 Uhr
………………….
Frankreich 1973, 104 min, themrockistische OF
Regie/Buch: Claude Faraldo
mit Michel Piccoli, Beatrice Remond, Marilù Tolo, Miou-Miou

Do, 1. November 19 Uhr
Pallasseum
Deutschland 2016, 25 min, Dokumentarfilm
Regie/Buch: Manuel Inacker
In Anwesenheit des Regisseurs Manuel Inacker (angefragt)

Africa Shafted – under one roof
Südafrika 2011, 54 min, OmeU, Dokumentarfilm
Regie/Produktion/Kamera/Schnitt: Ingrid Martens

Do, 15. November 19 Uhr
Sãkums / The Beginning
Lettland 1961, 10 min, Dokumentarfilm

Le mani sulla città / Hands over the city
Italien 1963, 101 min, OmeU
Regie: Francesco Rosi
mit Rod Steiger, Salvo Randone

Do, 22. November 19 Uhr
Vortrag von Annette Erlenwein: „The city is no trading floor. Stadtentwicklung in Beirut unter kapitalistischem Vorzeichen“

Do, 29. November 19 Uhr
Banoptic / Panoptic
Libanon/Vereinigte Arabische Emirate 2017, 71 min, OmeU, Dokumentarfilm
Regie: Rana Eid

Vortrag von Irit Neidhardt: “Der Bürgerkrieg im aktuellen libanesischen Kino”

Do, 13. Dezember 19 Uhr
Superjednostka
Polen 2014, 20 min, OmeU, Dokumentarfilm
Regie/Buch: Teresa Czepiec

High-Rise
Grossbritannien 2015, 112 min, OmdU
Regie: Ben Wheatley
mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Mille

 

 

Do, 13. September 2018, 19 Uhr

#1

Das Programm startet mit drei zur Volkserziehung intendierten Kulturfilmen aus den 50er Jahren der ČSSR, die sich im weitesten Sinne mit Fragen des Wohnens und gesunden Lebens befassen.
Kuratiert mit Unterstützung von Lena Serov.

Ovocné štávy / Fruit Juices, 1959, Regie: Ludvík Hájek, 2 min
Domy z panelů / Blocks of Flats, 1959, Regie: Jiří Menzel; 6 min
Údoli zdraví a klidu / Valley of peace and health, 1949, Regie: Kurt Goldberger, 7 min
Alle Filme OmeU

Im Anschluss:

Zablácené Město / Muddy Town (dt. Die Schlammstadt)
ČSSR 1963, 8 min, Dokumentarfilm
Regie/Buch: Václav Táborský

Panelstory aneb jak se rodí sídliště / Prefab Story
(dt. Geschichte der Wände oder Wie eine Siedlung entsteht)
ČSSR 1979/1981, 100 min, OmeU
Regie/Buch: Věra Chytilová

Unter der weit gefassten Überschrift „Wohnmaschinen“ werden von September bis Dezember internationale Dokumentar- und Spielfilme vorgestellt. Der von Le Corbusier 1921 eingeführte Begriff, der ursprünglich das Haus als eine ‘Maschine zum Wohnen’ bezeichnete, bezieht sich später u.a. auf einen komplexen Gebäudeentwurf wie seine Unité d’Habitation. Die Inszenierung eines (Hoch-)Hauses als einer Welt in sich wird im Film von einem ganzen Genre vertreten. Während sich dort Gesellschaftsutopien oder -dystopien entfalten, eröffnen die Dokumentarfilme über ‘Wohnmaschinen’ direkte und ungewöhnliche Einblicke in die Realität. Das Filmprogramm führt sowohl in ein Studentenwohnheim in Kuba, als auch in den berüchtigten Ponte Tower in Südafrika. Die soziale ‘Randsiedlung’, der in den Filmen des italienischen Neorealismo eine wichtige Rolle zukommt, wird anhand eines höchst aktuell wirkenden Spielfilms um Bauspekulation in Neapel aus dem Jahr 1963 verhandelt. An Fragen der Stadtentwicklung und ihrer Politik knüpft weiter ein libanesischer Spielfilm an. Im Anschluss führt ein neuer Dokumentarfilm in den Beiruter Untergrund, der als Ort unbewältigter kollektiver Erinnerungen an den Bürgerkrieg lokalisiert wird. Das Finale der Filmreihe bilden schliesslich ein Dokumentarfilm aus Polen über eine Wohnmaschine in Kattowice und ein phantastischer Spielfilm nach einem Roman von J.G. Ballard zum Thema.

Das Programm wird ergänzt von Kurzfilmen und Vorträgen zu Architektur, Gesellschaft und nationaler Filmkultur

Nächtse Termine:

Do, 4. Oktober 19 Uhr
12 y Malecón, Habana
Deutschland/Cuba 2012, 52 min, OmdU, Dokumentarfilm
Regie/Produktion/Kamera: Elí Roland Sachs

Vortrag von Maria Kindling: „Die aktuelle Kulturpolitik Kubas: Das Gesetz 349 und die Folgen für Kunstschaffende“

Do, 18.Oktober 19 Uhr
Aprili (dt. April)
SU (Georgische SSR) 1961, 46 min
Regie: Otar Iosseliani
mit Tanja Chanturia, Gia Tschirakadze, Akakij Chikvaidze

Themroc
Frankreich 1973, 104 min, themrockistische OF
Regie/Buch: Claude Faraldo
mit Michel Piccoli, Beatrice Remond, Marilù Tolo, Miou-Miou

Do, 1. November 19 Uhr
Pallasseum
Deutschland 2016, 25 min, Dokumentarfilm
Regie/Buch: Manuel Inacker
In Anwesenheit des Regisseurs Manuel Inacker (angefragt)

Africa Shafted – under one roof
Südafrika 2011, 54 min, OmeU, Dokumentarfilm
Regie/Produktion/Kamera/Schnitt: Ingrid Martens

Do, 15. November 19 Uhr
Sãkums / The Beginning
Lettland 1961, 10 min, Dokumentarfilm

Le mani sulla città / Hands over the city
Italien 1963, 101 min, OmeU
Regie: Francesco Rosi
mit Rod Steiger, Salvo Randone

Do, 22. November 19 Uhr
Al bayt al Zahr / Around the pink house
Frankreich/Canada/Libanon 1999, 92 min, OmeU
Regie: Joana Hadjithomas, Khalil Joreige
mit Hanana Abboud, Fabi Abi Samra, Asma-Maria Andraos

Vortrag von Annette Erlenwein: „The city is no trading floor. Stadtentwicklung in Beirut unter kapitalistischem Vorzeichen“

Do, 29. November 19 Uhr
Banoptic / Panoptic
Libanon/Vereinigte Arabische Emirate 2017, 71 min, OmeU, Dokumentarfilm
Regie: Rana Eid

Vortrag von Irit Neidhardt: “Der Bürgerkrieg im aktuellen libanesischen Kino”

Do, 13. Dezember 19 Uhr
Superjednostka
Polen 2014, 20 min, OmeU, Dokumentarfilm
Regie/Buch: Teresa Czepiec

High-Rise
Grossbritannien 2015, 112 min, OmdU
Regie: Ben Wheatley
mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller

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poetry\\\sound

Februar bis Oktober 2018





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Sonntag, 14. Oktober 2018 | Beginn 16:00 Uhr

poetry\\\sound #5

Zeitgenössische Lyrik und Elektronische Musik

im Wohnzimmerformat

 

Lesung:

Tobias Roth – aus „Grabungsplan“ (Gedichte, 2018)

https://verlagshaus-berlin.de/programm/grabungsplan/

Lesen & Hören: https://www.lyrikline.org/de/gedichte/verschieden-purpur-11179

 

Konzert:

Stefan Roigk – „Sprachmusik“

http://www.stefan-roigk.com/

https://soundcloud.com/tochnit-aleph/sprachmusik

 

Stefan Roigks Stück „Sprachmusik“, das er heute in einer Live-Version vorstellt, folgt dem Konzept, über das Hören zu lesen: verbale Umschreibungen abstrakter Sounds und Geräuschatmosphären werden vorgetragen, parallel eingesprochene Stimmimprovisationen per Software live strukturiert. Vortrag und Improvisation verbinden sich zu einer hörspielartigen Klangcollage.

Roigk (*1974) lebt als Bildender Künstler in Berlin und arbeitet interdisziplinär zwischen abstrakter Klangcollage, Skulptur, Installation, Performance und grafischer Partitur. Sein künstlerischer Fokus ist die dynamische und intermediale Inszenierung von Alltagsfragmenten sowie eine außergewöhnlich entwickelte visuelle Formensprache als transformatorisches Prinzip von Klang- und Geräuschwelten.

Seine Arbeiten wurden in zahleichen Einzel- wie auch Gruppenausstellungen in Deutschland, europaweit und in Amerika gezeigt. Platten von ihm erschienen auf den Labels Tochnit Aleph, Fragment Factory, Senufo Editions, Recordings for the Summer, Twisted Knister und Public Eyesore.

Tobias Roth wurde 1985 in München geboren, nach Studien in Freiburg und Berlin lebt er wieder in seiner Heimatstadt. Er debütierte 2013 mit dem Gedichtband Aus Waben (Verlagshaus Berlin) und legte seither zahlreiche eigene Titel, Herausgaben sowie Übersetzungen aus dem Italienischen, Lateinischen und Französischen vor. 2017 erschienen u.a. die von Roth herausgegebene Anthologie Lob der mechanischen Ente (SuKuLTuR Berlin), der gemeinsam mit Asmus Trautsch und Melanie Möller gestaltete Kommentar zu Ovids Liebeskunst (Galiani Berlin), sowie die Neuübersetzung von Voltaires Der Fanatismus oder Mohammed im Verlag Das Kulturelle Gedächtnis, zu dessen Gründungsgesellschaftern Roth zählt. 2018 erschienen u.a. Roths zweiter Gedichtband Grabungsplan (Verlagshaus Berlin), das Langgedicht Grotesken von Sabbioneta (hirundo press Hamburg), sowie die gemeinsam mit Moritz Rauchhaus herausgegebene Sammlung Wohl bekam’s. In 100 Menus durch die Weltgeschichte (Das Kulturelle Gedächtnis Berlin).

„poetry\\\sound“ ist eine Veranstaltungsreihe des studio im HOCHHAUS

– Programmgestaltung: Lyrik im ausland / Tobias Herold

 

Sonntag, 12. August 2018 | Beginn 16:00 Uhr

poetry\\\sound #4

Zeitgenössische Lyrik und Elektronische Musik

im Wohnzimmerformat

Lesung:

Orsolya Kalász

https://www.lyrikline.org/de/gedichte/wer-haette-das-gedacht-280

Konzert:

HATAM

https://soundcloud.com/hatam

Orsolya Kalász, *1964 in Dunaújváros, ist eine ungarische Lyrikerin und Literaturübersetzerin und lebt in Berlin. Ihre Lyrik verfasst sie mal in ungarischer, mal in deutscher Sprache und übersetzt sie anschließend selbst. Ihr erster zweisprachiger Gedichtband „Babymonster und die Gärtner“ erschien 1997 in der Lyrikreihe Poetische Boegen. Es folgte der Gedichtband „alles was wird, will seinen strauch: Ami volt, még bokor akar lenni“, ersch. 2007 im Gutleut-Verlag. Ihr letzter Gedichtband „Das Eine.“ ist 2016 bei Brueterich Press erschienen. Sie übersetzt neue Lyrik aus Ungarn, seit 2000 häufig in Zusammenarbeit mit Monika Rinck, so z.B.István Kemény: „Guter Traum mit Tieren“, erschienen 2016.

HATAM aka Farahnaz Hatam lebt als Muskerin, Klangkünstlerin und Komponistin in Berlin, wo sie vielfältig im Bereich experimenteller Musik tätig ist. Sie arbeitet hauptsächlich mit der Software SuperCollider und Modular-Synthesizern und tritt solo sowie mit den Projekten „LABOUR“, „Hacklander\Hatam“ oder als DJ auf. Darüber hinaus macht sie Musik für Theater, ist Mitbegründerin des Produktions- und Veranstaltungsortes N.K. (in Berlin-Neukölln) und wirkt regelmäßig an musikalischen und interdisziplinären Produktionen und Formaten in Berlin und andernorts als Künstlerin und Kuratorin mit.

***

Immer sonntagnachmittags bringt die Reihe poetry\\\sound Dichter und Musiker für eine Doppelmatinee zusammen.

In den Durchgangsräumen des studio im HOCHHAUS in Lichtenberg, wo Künstler und Publikum fast wie zu Hause beieinandersitzen können, begeben wir uns zunächst auf verschlungene literarische Pfade und hören die eingeladenen Autoren aus ihren Gedichten lesen: Fünf ganz unterschiedliche Schreibweisen der Gegenwartslyrik.

Nach einer kurzen Pause folgt jeweils ein schlicht arrangiertes elektronisches solo-Konzert, in Zimmerlautstärke und mit kompaktem Aufbau. Wir lauschen entlegenen musikalischen Passionen aus der Berliner Szene: Electronica, Klangkunst und echtzeitmusik. Der anschließende gemeinsame Austausch über die gehörten Texte und Sounds ergibt sich im intimen Rahmen der Matinee ganz von selbst.

 

Sonntag, 10. Juni 2018 | Beginn 16:00 Uhr

poetry\\\sound #3
Zeitgenössische Lyrik und Elektronische Musik
im Wohnzimmerformat

Lesung
Daniela Seel
neue Gedichte und aus „was weißt du schon von prärie“
https://issuu.com/kobo_berlin/docs/leseprobe_daniela_seel_was_weisst_d

https://www.youtube.com/watch?v=kJqDmxgCxFM

Konzert
Andrea Ermke solo-Konzert
Hörprobe – Andrea Ermke mit ihrer Band
„Tree“
https://soundcloud.com/musica-moderna/tree-s-t-mm008-excerpt

Daniela Seel, geboren 1974 in Frankfurt/M., lebt als Dichterin und Verlegerin von kookbooks in Berlin und Frankfurt/M. Daneben arbeitet sie u.a. als freie Lektorin und übersetzt, zuletzt Lisa Robertson und Rozalie Hirs, und ist aktiv beim gemeinnützigen KOOK e.V. und im Netzwerk freie Literaturszene Berlin. Zahlreiche internationale Auftritte und Kollaborationen, u.a. mit dem Illustrator Andreas Töpfer, dem Tänzer David Bloom und den Musiker*innen Roland Dahinden und Hildegard Keeb. Daniela Seel veröffentlichte die Gedichtbände „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“ (kookbooks 2011) und „was weißt du schon von prärie“ (kookbooks 2015), sowie gemeinsam mit Frank Kaspar das Radiofeature „was weißt du schon von prärie“ (SWR/DLF 2015). Für ihre Arbeiten erhielt sie u.a. den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis, den Kunstpreis Literatur von Lotto Brandenburg und den Mondseer Lyrikpreis.

Andrea Ermke, *1971 in der Schweiz, ist als Musikerin im Kontext der Berliner Echtzeitmusikszene aktiv.
Als Autodidaktin arbeitet sie seit 1997 mit einem kompakten Setup: Drei MiniDisc-Playern und einem Mixer. Auf den MiniDiscs archiviert Ermke – oft abstrakt anmutende, schwer identifizierbare – Sounds, die sie mit marginalen Alltagsobjekten erzeugt hat oder, seltener, die bestimmte Umgebungen oder Situationen klanglich festhalten („field recordings“). Aus diesen Quellen schafft sie in ihren Live-Auftritten improvisierte, hochmusikalische Sets, die sich zwischen nuancenreicher Präzision und intensiv-rohen Texturen entfalten und dabei voll überraschender Wendungen sind.
Ermke spielt auch in langjährig bestehenden festen Gruppen wie „Sink“ (m. Arthur Rother, Chris Abrahams, Marcello Busato),“Tree“ (mit Burkhard Beins u. Chris Abrahams), ihrem Duo mit der Pianistin Anaïs Tuerlinckx oder „Cox Orange“ (m. Ignaz Schick, Burkhard Beins und Jim Denley).

Sonntag, 15. April 2018 | Beginn: 16:00 Uhr

poetry\\\sound #2
Zeitgenössische Lyrik und Elektronische Musik im Wohnzimmerformat

Programmgestaltung: Lyrik im ausland / Tobias Herold

Lesung

Sonja vom Brocke – Gedichte

 

Konzert

Christof Kurzmann (Wien) – Elektronik solo

 

Immer sonntagnachmittags bringt die Reihe poetry\\\sound Dichter und Musiker für eine Doppelmatinee zusammen.

In den Durchgangsräumen des studio im HOCHHAUS, wo Künstler und Publikum fast wie zu Hause beieinandersitzen können, begeben wir uns zunächst auf verschlungene literarische Pfade und hören die eingeladenen Autoren aus ihren Gedichten lesen: Fünf ganz unterschiedliche Schreibweisen der Gegenwartslyrik.

Nach einer kurzen Pause folgt jeweils ein schlicht arrangiertes elektronisches solo-Konzert, in Zimmerlautstärke und mit kompaktem Aufbau. Wir lauschen entlegenen musikalischen Passionen aus der Berliner Szene: Electronica, Klangkunst und echtzeitmusik. Der anschließende gemeinsame Austausch über die gehörten Texte und Sounds ergibt sich im intimen Rahmen der Matinee ganz von selbst.

 

 

Sonntag, 11. Februar | Beginn 16:00 Uhr

poetry\\\sound #1
Zeitgenössische Lyrik und Elektronische Musik im Wohnzimmerformat

Programmgestaltung: Lyrik im ausland / Tobias Herold

Lesung: Ulf Stolterfoht – Musikgedichte
Konzert: Hanno Leichtmann – Class of 2016 (a plunderphonic deathtrip)

Wir laden Sie und Euch herzlich ein zur Premiere der neuen kleinen Reihe „poetry\\\sound“, veranstaltet vom und im studio im HOCHHAUS in Neu-Hohenschönhausen, für die Lyrik im ausland das Programm gestaltet.
Immer sonntagnachmittas um 16:00 Uhr gibt es dort zuerst eine Lyriklesung und nach einer kleinen Pause ein elektronisches solo-Konzert – abseits der innerstädtischen Kulturkieze, dafür mit genug Zeit und Raum für Gespräche, einen Spaziergang…
Den Anfang machen am 11. Februar Ulf Stolterfoht, der als Auswahl aus seinem Schaffen Gedichte mit Musikbezug lesen wird, und Hanno Leichtmann mit seiner Komposition „Class of 2016 (a plunderphonic deathtrip)“.
Ulf Stolterfoht und Hanno Leichtmann verbindet ihr Interesse an Verfahren der Collage.
Stolterfoht kann als ein Vertreter der neueren experimentellen Lyrik gelten. Der Experimentcharakter seines Schreibens liegt dabei fernab der Innerlichkeit eines formalistisch-selbstreferenziellen Spiels, sondern betrifft den Entstehungsprozess seiner thematisch ganz unterschiedlich ausgerichteten Bücher. Von wilden, weitschweifenden und abseitigen Lektüren und Recherchen her rückt die dichterische Gestaltung – stets mit einem Augenzwinkern – den Welt- und Materialzusammenhang, dem sie sich widmet, empathisch in den Vordergrund. Nicht zuletzt, und vielleicht: ganz besonders ein Musik-Enthusiast, liest Stolterfoht heute als Querschnitt aus seinem Werk verstreut erschienene Gedichte, die von Musik und Musikern handeln.
In seiner Komposition „CLASS OF 2016 (a plunderphonic deathtrip)“ versammelt Hanno Leichtmann die Geister von Musikern aus aller Welt, die im vorletzten Jahr ihr Schaffen einstweilen unterbrechen mussten. Nachdem er zunächst Anfang der 90er-Jahre als (Freejazz-)Schlagzeuger in Erscheinung getreten war, wurde sehr bald die elektronisch produzierte Musik zu Leichtmanns künstlerischem Fokus. Als „Static“ veröffentlichte er bezaubernd-schräge Popmusik, später auch House als „The Vulva String Quartett“ und aktuell elektroiden Techno als „Gesetz der Oktaven“. Unter eigenem Namen erschienen Arbeiten auf Grundlage von (Klang-)Archiven in Form von Mehrkanal-Klanginstallationen sowie Arbeiten für Radio, Film und Werbung. Seine jüngsten Platten „Minimal Studies“ und „Unfinished Portrait of Youth Today“ begeistern durch ihre leichtfüßige Melancholie und kühl-betörenden Sound als zwei Juwelen zeitgenössischer Sample/Collage-Ästhetik.

Weiter Veranstaltungen:

15. April: Lesung: Sonja vom Brock; Konzert: Christof Kurzmann

10. Juni: Lesung: Daniela Seel; Konzert: Andrea Ermke

12. August: Lesung: Orsolya Kalász; Konzert: HATAM

14. Oktober: Lesung: Tobias Roth; Konzert: Stefan Roigk

– 16:00 Uhr –

 

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Ute Aurand und Lilli Kuschel

Donnerstag 23. November, 19 Uhr





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Donnerstag 23. November, 19 Uhr

Filmabend
mit Filmen von Ute Aurand und Lilli Kuschel

dj mfx (reboot fm) gestaltet dazu neue Tonspuren mit Vinyl aus dem Klangarchiv

Ute Aurand

„(…) Throughout the film, Aurand develops a beautiful rhythmic pattern with her in-camera edits and intuitive use of the variable shutter. There is a musical quality to the way brief clusters of shots, complete with flash frames, lead into gestural pans. The manual fades that she employs—often in the same shot—invoke a series of revelations, a feeling further amplified by her cuts to color footage. Aurand shares her process of discovery: as the building unfolds before her, the film is constantly re-energized by new explorations of the architectural space. The museum alone is a stunning example of design, but Aurand’s ability to find new visual surprises in the myriad details of the building—using holes in the walls as frames, considering the shadows of a slatted stairwell, compressing the perspective on a series of latticed walls—moves this well beyond a document of a building into a passionate call to look.(…)” (Chris Kennedy)

IN DIE ERDE GEBAUT (2008, 42 Minuten, 16mm,Idee, Kamera, Schnitt: Ute Aurand)

Vom Spatenstich im Mai 2004 bis zur Eröffnung im Februar 2007 verfolgt der Film den Erweiterungsbau des Museums Rietberg, einer Sammlung außereuropäischer Kunst in Zürich. Im Laufe der Bauarbeiten verändert sich die Art der Arbeit von der schweren körperlichen Arbeit wie Erde ausheben, Beton gießen, Stahlverbindungen verlegen, über Wände glätten und Fußboden verlegen, bis zum Aufstellen der Exponate in den neuen Räumen. Die unterschiedlichen Tätigkeiten der Arbeiter bestimmen den Rhythmus des Films. IN DIE ERDE GEBAUT ist ohne Ton.

 

Lilli Kuschels Bilder städtischer Ensembles und gezeichneter Landschaften, von Verkehrsanlagen, menschlichen Konstellationen und kommunikativen Akten sprechen eine eigenwillig genaue Sprache. Das Entrückte, wie auch das Verrückte der Normalität werden in der Komposition der Dinge und Personen auf ihren Bildflächen sofort sichtbar. Kaum ein Wort wird gesagt, aber der gestaltende Blick hat begriffen, erzählt ohne Worte.

ATLAS CINEMA | Marokko  | 22 min

SONNENALLEE | Deutschland  | 37 min

STYK |Tschechische Republik | 18 min
Atlas Cinema – Auf den weiten Flächen einer marokkanischen Wüste konkurrieren die imposanten Kulissenbauten eines Filmsets mit den spektakulären Landschaften des Atlas Gebirges. Was anfängt wie eine exzellent fotografierte Reportage über Tourismus an ungewöhnlichen Orten vermengt sich fast unmerklich mit dem diffusen Widerhall vergangener medialer Anstrengungen. Die Soundtracks hier gedrehter Sequenzen einer Bibelverfilmung oder Großfilme wie Lawrence of Arabia setzen ein, und Kuschels Film geht in seiner Schnittfolge über in den exakten Nachvollzug der Einstellungen dieser Filme. Die heilige Kaaba ist ein Bretterverschlag, durchs Bild laufende Touristen übernehmen unfreiwillig Rollen, und muslimische Extras verharren in Wartepositionen, bevor sie Christen spielen müssen.
Sonnenallee – Die Kamera fährt eine Straße in Berlin-Neukölln ab und richtet den Blick auf Fassaden, Läden und Schaufenster. Manchmal hält sie inne, der Filmschnitt durchsticht die Fassaden, und wir befinden uns im Inneren der Häuser: in einem arabischen Reisebüro, einer Schneiderei, einem  Nagelstudio, einem Restaurant, einer Arztpraxis, einem Kosmetiksalon, einem Friseurgeschäft und einem Hundesalon. Was dort an Kultur zu sehen ist, ist mehr als sensationell.
Styk – Prag 2009, Nahverkehr und öffentliche Räume, die Komik des Alltäglichen und der Anblicke, die es gewährt. Mitten im angeblichen Chaos wird die Kameraarbeit zu einer bewahrenden Kraft, die die Dinge ebenso auseinanderhält, wie sie sie zusammenbringt.“ (Text: Heinz Emigholz)

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Vortrags- und Filmreihen

September bis Dezember





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Dienstag 11. Januar, 19 Uhr

Die Platte hat Zukunft!

Urs Kohlbrenner

Audiomitschnitt
Weichenstellung bei der städtebaulichen Entwicklung von Großsiedlungen nach der Wende am Beispiel von Hohenschönhausen Die Großsiedlung Hohenschönhausen war nach der Wende weniger in der öffentlichen Diskussion als Marzahn oder Hellersdorf. Aber die gegebenen Rahmenbedingungen und Diskussionen fanden auch hier ihren Niederschlag.
Es ging nach der Wende zunächst um ganz elementare Fragen wie z. B. die Klärung der Eigentumsverhältnisse und die Zuständigkeiten zwischen Wohnungsunternehmen, Bezirk und dem Land Berlin, aber auch um die Zukunftsperspektiven der Großsiedlungen. In Diskussionen wurde deren Erhalt auch von Fachleuten grundsätzlich in Frage gestellt.
Nach einer ersten Phase mit überzogenen Wachstumserwartungen für Berlin erfolgte die Ernüchterung aufgrund sinkender Bevölkerungszahlen. Damit gewannen auch Überlegungen über Abriss und Neubau erneut Nahrung.
Mit der damals mutigen Entscheidung zum grundsätzlichen Erhalt begann die im Grunde bis heute andauernde Phase der Weiterentwicklung mit Themen wie Adressbildung/ Profilierung, Verbesserung des Wohnumfeldes und Anpassung der sozialen Infrastruktur aufgrund des demografischen Wandels als städtebauliche Herausforderung.
Trotz des oft kaum nachvollziehbaren Prozesses ist aus einem Wohnort ein Stadtteil mit durchaus eigenem Profil entstanden. So gesehen hat die Platte ihre Zukunftsfähigkeit bewiesen.

Urs Kohlbrenner: Nach einer Lehre als Bauzeichner in Basel Studium und Abschlüsse als Architekt an der HdK (heute UDK) und der TU Berlin.Neben der Bürotätigkeit Lehraufträge und Gastprofessuren an der GH Kassel, UDK und während 12 Jahren am Institut für Stadt-und Regionalplanung der TU Berlin.

 

Mittwoch 13. Dezember, 19 Uhr

Vortragsreihe „Großsiedlungen im Spiegel der Zeit“

Jean-Baptist Schöneberger

Audiomitschnitt

Großsiedlungen West (Gropiusstadt, Märkisches Viertel) Anfang der 1960er Jahre entstanden in West-Berlin die Großsiedlungen Märkisches Viertel und Gropiusstadt.
Schnell schlug das Bild von der fortschrittlichen Siedlungsform zu einem negativen Bild anonymer Betonwüsten um. Bücher wie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und unzählige Sozialstudien trugen dazu bei. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Entste-hungsgeschichte und dem Umgang mit den beiden Großsiedlungen Westberlins.

Jean-Baptiste Schöneberger: Studium der Architektur an der FH-Mainz mit Vertiefungsrichtungen Städtebau und Altbau sowie Studium der Denkmalpflege an der TU-Berlin Abschluß M.Sc. Derzeit freiberuflicher wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Berliner Unterwelten und Gedenkstätte Hohenschönhausen und als selbstständiger Stadtführer tätig.

Donnerstag, 14. Dezember, 19 Uhr

„B-52“ (1999, 110 min)

Nach dem zweiten Weltkrieg ging es darum, ein Flugzeug zu erfinden, das unabhängig von Stützpunkten in fremden Ländern vom Boden der USA aus operieren konnte. Die B-52 wurde entwickelt, um aus möglichst großer Höhe eine möglichst große Bombenlast, vor allem auch Atombomben, zielgerichtet abwerfen zu können. Bis heute ist diese Flugmaschine, immer wieder modifiziert, im Einsatz. 744 Maschinen wurden bisher gebaut und sind seit Generationen eine Art Sinnbild des Luftkrieges. Und Beispiel für ein industrielles Produkt, das sich immer wieder an den Markt hat anpassen können, angepasst wurde.

 

Mittwoch 15. November, 19 Uhr

Vortragsreihe „Großsiedlungen im Spiegel der Zeit“

Dr. phil. Ulrich Hartung

Audiomitschnitt

Neu-Hohenschönhausen – Planung und Bau eines Ostberliner Stadtbezirks
Personen, Konzepte, Perspektiven

Der Vortrag wird die Vorgeschichte und Geschichte des heutigen Wohngebiets Neu-Hohenschönhausen, von der Niles-Siedlung bis zur „komplexen“ Neubebauung eines ganzen Stadtteils und den Einzelbauwerken nach 1990 umreißen. Dabei werden Namen und Konzepte der verschiedenen Entwerfer (Otto Rauter, Wolf Eisentraut, Hans Kollhoff  u. A.) ebenso herausgestellt wie die mit ihnen verbundenen Einzel- und Typenbauten in ihrer Farb- und Freiflächengestaltung, denn sie geben die Grundlagen für die Planungen der Zukunft.

Dr. phil. Ulrich Hartung: Studium der Kunstgeschichte und klassischen Archäologie an der Humboldt-Universität Berlin. Dort Dissertation zu Kulturhausbauten der DDR in den fünfziger Jahren, 1997 als Buch „Arbeiter- und Bauerntempel“.

 

Filmreihe 2017
Hartmut Bitomsky
Kuratiert von Michael Freerix

Donnerstag, 16. November, 19 Uhr:
„Reichsautobahn“ (1987, 91 min)

Die Reichsautobahn war ein Netz von Schnellstraßen, dessen Aufbau bereits 1921 in der Weimarer Republik begann. Nach 1933 wurde ihr Ausbau beschleunigt, weil die NS-Propaganda eine hochmobile „Volksgemeinschaft“ propagierte. Die Wehr-macht unterstützte diesen Ausbau, weil eine wachsende Zahl an zivilen Kraftfahrern mehr motorisierte Truppenteile bei Kriegsausbruch bedeutete. So unterstützte die Reichsautobahn eher indirekt die Kriegsvorbereitungen, ist aber ästhetisch ein Bindeglied zwischen der Weimarer Republik und der Gegenwartsgesellschaft.
Der Film wurde 1987 mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet.

 

Mittwoch 11. Oktober, 19 Uhr
Vortragsreihe „Großsiedlungen im Spiegel der Zeit“
Dr. Harald Engler

Audiomitschnitt

Das industrielle Bauen in der DDR – Die „Platte“ und die Folgen

Die strategische Entscheidung in der DDR, den Wohnungsbau seit Mitte der fünfziger Jahre in gro-ßem Umfang in industrieller Bauweise zu bewerkstelligen, zeigte erhebliche Folgen. Die einseitige Dominanz der „Platte“ sorgte dafür, dass die DDR sich in ein Land mit einer extrem hohen Dichte an Plattenbauten verwandelte. Gleichzeitig nahmen die bautechnologische Qualität und der Gehalt der mit den Bauten ursprünglich verbundenen utopischen gesellschaftlichen Visionen deutlich ab. Diese Entwicklung hatte weitreichende Konsequenzen für die Baukultur, die Ästhetik und das Aussehen der Städte und der Landschaft, für das Berufsbild der Architekten und Planer, vor allem aber für die Menschen als Bewohner selbst. Letztlich sorgte die mangelhafte Urbanität der Plattenbausiedlungen zusammen mit dem gleichzeitig zugelassenen Zerfall der Altbausubstanz der Städte vor allem seit den achtziger Jahren für eine allmähliche Delegitimation des Staates insgesamt.
Gleichzeitig wurde innerhalb des Systems „Platte“ teilweise sehr innovative Architektur geschaffen und mit den Großwohnsiedlungen in Plattenbauweise die modernsten Wohnungen jener Zeit errichtet, parallel zu den Entwicklungen in anderen Ländern der Moderne in Ost und West. So bilden die Plattenbauten mit ihren Wohnungen heute inzwischen soziale Erinnerungsorte von großer Bedeutung für viele (ostdeutsche) Bewohner und ein übergreifend wichtiges Zeugnis der deutschen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, das es zu erhalten und zu ertüchtigen gilt.

Dr. Harald Engler: Historiker, stellvertretender Abteilungsleiter der Historischen Forschungsstelle/Wissenschaftliche Sammlungen zur Bau- und Planungsgeschichte der DDR beim Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner; Studium der Geschichtswissenschaften und Germanistik an der FU Berlin.

Filmreihe 2017
Hartmut Bitomsky
Kuratiert von Michael Freerix

19. Oktober, 19 Uhr:
„Der VW Komplex“ (1989, 90 min)

Bei der Eröffnung der 24. Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung forderte Adolf Hitler am 08. März 1934 ein „autobahnfestes“ Fahrzeug mit vier Sitzen, sparsam im Verbrauch und für unter 1000 Reichsmark zu erwerben. Ferdinand Porsche machte sich sogleich daran, einen Prototypen zu entwickeln. Eher zufällig wurde eine Fläche bei Fallersleben, später in Wolfsburg umbenannt, zum Ort für das Werk bestimmt. Emil Rudolf Mewes und Karl Kohlbecker planten und errichteten 1938 die Werkshallen, in denen allerdings mit Kriegsbeginn nur Rüstungsgüter hergestellt wurden. Noch 1945 ging der erste Käfer vom Band und wurde zum Motor für die industrielle Entwicklung West-Deutschlands, und zum Sinnbild für die Mobilität des modernen Lebens.

 

 

 

Weitere Termine: 11. Oktober, Dr. Harald Engler; 15. November, Dr. phil. Ulrich Hartung; 13. Dezember, Jean-Baptist Schöneberger

 

Donnerstag 21. September, 19 Uhr:
„Imaginäre Architektur – Der Baumeister Hans
Scharoun“ (1993, 60 min)

Hans Scharoun, der die Philharmonie, den Kammermusiksaal und die Staatsbibliothek am Potsdamer Platz gebaut hat, prägte mit seinen Bauten das Stadtbild von Berlin. Scharoun gestaltete seine Häuser von innen nach außen, von einem „Raum der Mitte“ ausgehend. Ihre
Ästhetik sollte von ihrer Funktion bestimmt sein und von den Menschen, die in diesen Gebäuden lebten oder diese nutzten. Weil ihr Sinn von innen nach außen gedacht war,
also äußerlich organisch sichtbar sein sollte, bezeichnete er sein Konzept als „imaginäre Architektur“. An dieser Idee arbeitete er bereits während der Nazizeit, als er, „aus
Selbsterhaltungstrieb,“ sich in Aquarellen und Zeichnungen „mit der Frage der kommenden Gestalt“ auseinandersetzte, während er vor allem Bombenschäden reparierte.

Weitere Termine: 19. Oktober; 2./16./30. November; 14. Dezember

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Ursula Blickle Video Archiv im HOCHHAUS

13. bis 15. September 2017





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Ursula Blickle Video zu Gast im studio im HOCHHAUS

13. September ab 19 Uhr

15. September ab 18 Uhr mit dj mfx (reboot fm)

Eine Stadt ist ein Geflecht: bebautes und unbebautes Gebiet, Verkehrsadern, Transportlinien, belebt durch soziale Interaktion. Die Geschichte des bewegten Bildes ist mit jener des modernen wie auch post-modernen Stadtraumes aufs engste verbunden: Keine Raumerfahrung ohne Bewegung ohne Blick ohne „Kino“ im weitesten Sinne.

Die Arbeiten aus dem Ursula Blickle Video Archiv – einem virtuellen Videokunst-Archiv, das im Belvedere und 21er Haus in Wien beheimatet ist – widmen sich besonders dem Aspekt der Beschreibung und Repräsentation von urbanem Raum. Durch die unterschiedlichen künstlerischen Strategien changiert dieser zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, wird zum formbaren Material, öffnet sich Ein- wie Überschreibungen und trägt letztendlich Geschichte(n) weiter. (Claudia Slanar, Kuratorin UBVA)

Programm

Gesamtlänge ca. 60 min

Claudia Larcher, INTER, 2014

Axel Stockburger, Brilliant City, 2004

Devis Venturelli, Loop, 2008

Maia Gusberti, Fragments of a city without a map, 2012

Siegmund Skalar, Gün ve Gece, 2013

Karl-Heinz Klopf, Tesvikiye, 2004

Carlos Vasconcelos, Asphalt, 2013

Konzert mit Videos, neu vertont von Gerhard Schultz (Care Of Editions)

Felix Malnig, D (Detroit), 2007

Marianne Maderna, Negacity, 2004

http://ursulablicklevideoarchiv.com/

 

Claudia Larcher, INTER, 2014, 14 min 10 sek

Die Idee zur Installation INTER entstand während eines zweimonatigen Auslandsaufenthaltes in Tokio, der der Analyse der urbanen Struktur Tokios und der Erforschung des japanischen Begriffs des „MA“ diente. Der Begriff des „MA“ kann ungefähr als „Intervall“ oder „Pause“ übersetzt werden, beschreibt aber eher das nicht fassbare Erleben eines physischen oder psychischen Zwischenraums. (…) INTER bietet am Beispiel T okios einen Blick in eine dystopische Zukunft möglicher Städteplanung und Energiewirtschaft, wobei die Natur sich immer mehr der Architektur unterordnen muss. (Claudia Larcher)

Axel Stockburger, Brilliant City, 2004, 19 min 2 sek

Der Titel bezieht sich auf den Namen des Drehorts, einen Wohnkomplex im Norden von Shanghai. Gänzlich vom 34. Stockwerk des Gebäudes gefilmt, liefert das Video einen voyeuristischen Blick auf die umliegende Stadt und fängt dabei alltägliche Aktivitäten, die von diesem Aussichtspunkt aus zu sehen sind. Der Film agiert im Rahmen eines bestimmten visuellen Bezugssystems, welches von Strategie- und Simulationsspielen (Sim City, The Sims) bekannt ist. Diesen distanzierten Blick nehmen gewöhnlich Städteplaner, Spieler von Videospielen oder Politiker ein. (Axel Stockburger)

Devis Venturelli, Loop, 2008, 3 min 6 sek

Der italienische Architekt und Künstler widmet sich der Erforschung urbaner Zonen. Er interveniert mit Hilfe von Skulpturen und Performances, die die Materialität und Formbarkeit des Stadtraumes wiederspiegeln. (Claudia Slanar)

Stoffe und Isoliermaterialien mit ihrer unterschiedlichen Textur und ihrer Tragbarkeit stehen meist zu Beginn eines künstlerischen Experimentierprozesses: Devis Venturelli hinterfragt das Verhältnis zwischen rigider, permanenter Architektur und deren Nachhaltigkeit und den nomadischen, ephemeren und biegsamen Formen, die gerade durch ihre Leichtigkeit denselben Effekt erzielen. (Fabio Carnaghi)

Maia Gusberti, Fragments of a city without a map, 2012, 8 min 45 sek

Das während eines Künstler_innen-Residency in Amman/Jordanien gesammelte, fragmentarische Material, das im Video zu sehen ist, wurde von mir noch mehr fragmentiert und dekonstruiert. Als nächsten Schritt versuchte ich, mich zu erinnern, die Teile neu zusammenzusetzen, und durch das Material zu einem neuen Ergebnis zu kommen, das auch mich nur überraschen konnte. Schließlich entstand daraus eine imaginäre Landschaft; im Video mit einer Stimme hinterlegt, die von Stadterfahrungen und persönlichen Erinnerungen berichtet. (Maia Gusberti, Claudia Slanar)

Siegmund Skalar, Gün ve Gece, 2013, 8 min

Farb- und leidenschaftslos hängt der Himmel über Istanbul. Zum inneren Monolog einer türkischen Frau weiten sich Aufnahmen aus dem privaten in den öffentlichen Raum. Der Blick aus dem Fenster eines fahrenden Autos lässt eine Stadt im Transit erkennen. Während die Metropole jedoch den Alltag abspult, vermittelt sich im Off ein Begehren, das darin keinen Platz findet; Die Arbeit basiert auf dem gleichnamigen Text der türkischen Autorin Helin Celik. (Siegmund Skalar)

Karl-Heinz Klopf, Tesvikiye, 2004, 5 min 23 sek

Das Video wurde im Istanbuler Stadtteil Tesvikiye gedreht, der auf sieben Hügeln erbaut wurde und damit eine ziemlich extreme Topographie. Dadurch war es in vielen Gegenden schwer, ein öffentliches Verkehrssystem zu implementieren. Die zwischen privat und öffentlich situierten Treppen vor den Häusern wurden somit zum Marker der individuellen Möglichkeiten von Design, in das urbane Gewebe einzugreifen. Im Kontrast zu europäischen Städten etwa, gab es in Istanbul nie einen Masterplan für das Design des Straßenpflasters. (Karl-Heinz Klopf, Sigrid Kurz)

Carlos Vasconcelos, Asphalt, 2013 2 min 21 sek

Das Video Asphalt ist eine Vignette, die beispielhaft einen Arbeitsprozess im Stadtraum zeigt, der zwar zur Erhaltung der Infrastruktur notwendig ist, aber meist als lästiges Übel wahrgenommen wird. Vasconcelos ist dabei fasziniert vom Material und seiner Erscheinungsform, dem Wechsel zwischen flüssig und dampfend-heiß zu kalt und erstarrt, wie auch von den Arbeitsschritten, Gesten und Werkzeugen, die zur Asphaltierung notwendig sind. Auf Ton-ebene werden diese Elemente durch experimentelle, elektronische Musik verstärkt, die den Rhythmus dieses kurzen Stückes Stadtbeobachtung vorgibt. (Claudia Slanar)

 

Neu vertont von Gerhard Schultz (Care Of Editions):

Felix Malnig, D (Detroit), 2007, 16 min (loop)

Felix Malnigs 2007 entstandenes Video zeigt uns einen vielgestaltigen Blick auf die Stadt Detroit von der einspurigen Hochbahn, dem „People Mover“, aus gesehen. Dabei handelt es sich um ein Transportsystem, das einen Kreis um die Innenstadt beschreibt. So gewährt die Zugfahrt den Passagieren – und damit den Betrachter_innen – die Möglichkeit, die vorbeiziehende Stadt, geprägt vom ökonomischen und sozialen Niedergang historischen Ausmaßes sowie dem Scheitern utopischer Projekte, im langsamen Prozess der Erneuerung mitzuerleben. … (Dan Devening)

Marianne Maderna, Negacity, 2004, 5 min 38 sek

Stadt / Negativ-Filter / Verbrannt, Verschneit; – erinnerte mich an Dresden 1945. (Marianne Maderna). Negacity ist die Annäherung an eine als Negativ, also in ihrer Umkehrung, gezeigte Stadt. Vorerst ist jedoch nicht klar, was tatsächlich zu sehen ist: Linien und dreidimensionale Gebilde auf einer weißen Fläche könnten ein Modell wie auch animierte Fotografien oder im Auflösungsprozess doch noch konservierte Filmbilder von etwas längst Vergangenem zeigen. Die Fragilität der Abbildung bleibt, selbst als der Originalton schließlich Aufschluss über das Dargestellte gibt. (Claudia Slanar)

Gerhard Schultz

Studierte Experimentellen Klang am California Institute of the Arts und Komposition an der University of Michigan, Ann Arbor. 2013 gründete er das Label »Care Of Editions« als experimentelle Vertriebsplattform. In seinen neuesten Arbeiten beschreibt er einen Zugang zum Akt des Hörens, der weniger direkt und sogar ein wenig lauter ist als bisher. Schultz vereint darin detaillierte skulpturale Untersuchungen von Ton und Zeit, die, obwohl formal stringent, mehrere Deutungen zulassen. Dabei vermischen sich Erfahrungen zwischen Zuhören und Erzählen, inklusive möglicher Unterbrechungen. Er lebt und arbeitet derzeit in Berlin.

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Performance im HOCHHAUS

17. bis 22.November 2016 immer ab 16 Uhr





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„Performance im Hochhaus“ lädt zehn internationale Performancekünstler*innen, die in Berlin leben und arbeiten, für eine Woche ins „studio im Hochhaus” ein.
Sie nutzen unterschiedliche Medien, kommen aus diversen Praxen, haben Wurzeln auf vier Kontinenten, gehören nahezu allen derzeit aktiven Generationen an – und lassen sich auf diese Begegnung ein.
Vom 18. bis 22.11.2016 können Besucher*innen täglich ab 16 Uhr Performances betrachten, ihre Entstehung  beobachten, Videoarbeiten sehen und mit den Künstlerer*innen ins Gespräch kommen. Jede*r Künstler*in  realisiert in einem einwöchigen, gemeinsamen Arbeitsprozess zwei Performances: eine Long Durational Performance von mehreren Stunden Dauer und eine kürzere Arbeit in einem Abendprogramm. Die Besucher*innen erhalten so die Möglichkeit, je zwei Arbeiten der Künstler*innen zu erleben, und bekommen tiefe Einblicke in deren vielfältige Arbeitsweisen.
Performancekunst in Berlin ereignet sich vorwiegend in von Künstler*innen initiierten Netzwerken, in denen sie sich selber geeignete Arbeitsbedingungen schaffen. Die Künstler*innen von „Performance im Hochhaus“ kommen aus dem Umfeld eines Netzwerks, das sich seit der Jahrtausendwende am Performer-Stammtisch und während des Monats der Performancekunst MPA–B gebildet hat und sich aktuell in der Association for Performance Art in Berlin APAB e.V. weiter entwickelt.

Programm:

Donnerstag 17.11.
Ab 16 Uhr: Coming together, Filmprogramm und offene Diskussion zum Auftakt

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Freitag 18.11.
Ab 16 Uhr: Durational Performances von Frank Homeyer, Florian Feigl, Lan Hungh.

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Samstag 19.11.
Ab 16 Uhr: Durational Performances von Lan Hungh, Ilya Noé und Adrian Brun.

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Abendprogramm ab 19 Uhr: Performances von Frank Homeyer, Aleks Slota, Lan Hungh, Nathalie Mba Bokoro, Florian Feigl.

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Sonntag 20.11.
Ab 16 Uhr: Durational Performances von Jörn J. Burmester und Ilya Noé, Nathalie Mba Bokoro, Lan Hungh.

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Montag 21.11.
Ab 16 Uhr: Durational Performances von Anja Ibsch, Joy  Harder, Lan Hungh.

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hader1 Joy Harder ließt alles (Bushido):

S. 1 – 22, 22 – 37, 37 – 50, 50 – 64, 64 – 79, 79 – 95, 95 – 112, 112 – 129, 129 – 145, 145 – 161, 161 – 175, 175 – 191

Dienstag 22.11.
Ab 16 Uhr: Durational Performances von Lan Hungh.

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Abendprogramm ab 19 Uhr: Performances von Anja Ibsch, Ilya Noé, Adrian Brun, Joy Harder, Jörn J. Burmester.

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