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Bild: Close up Marx, Justin Time 2023 (Still, Hans-Joachim-Beuchel)

Justin Time
Close up Marx, 2023, 37:00 min

Zwei Systeme, fünf Städte, fünf Abbilder. Zwischen Trier und Chemnitz wandert der Film auf den Spuren der Marx-Denkmäler und analysiert den Mythos, der die Figur Marx umwabert. Der Film fragt nach den Entstehungsgeschichten der Monumente und der gesellschaftlichen Situation zu dem Moment, in dem diese Geschichten sich entfalteten. Gespräche mit Zeitzeug:innen versetzen uns in einen Bühnenraum, in dem sich die verschiedenen Denkmäler zum Gruppenbild versammelt haben.
Entlang der Struktur neuer und historischer Denkmäler bewegt sich CLOSE UP MARX von West bis Ost durch innerdeutsche Geschichte und Gegenwart. In Trier, Chemnitz, Neubrandenburg und Berlin umkreist die Kamera neue und alte Marxköpfe und -statuen als nach wie vor emotional aufgeladenen Projektionsflächen: Ist Marx gottgleich-überhöhter Denker oder Theoriegeber für Diktaturen? Hat der Kapitalismus gesiegt, wenn Karl Marx als Praline vermarktet wird oder steht die befreite Gesellschaft nach der Krise der Demokratie kurz bevor? Interviews mit Zeitzeug:innen, Marxist:innen und Kritiker:innen treffen auf Found Footage aus Social Media bis zur DDR-Zeit. In Close Ups fährt die Kamera die Denkmäler ab und sucht nach Spuren, Strukturen, neuen Winkeln und Perspektiven. Marx wird auf seine aktuelle Bedeutung abgetastet und neu kontextualisiert.

Mit einem queeren Blick untersucht Justin Time gesellschaftliche Bilder und Strukturen. Im ersten Beruf Steinmetz:in dechiffriert er Festschreibungen und Manifestationen von medialen Stereotypen und rinnerungskultur: nach einer langen Reihe von Drag-Cowboy-Filmen beschäftigt er sich in den letzten Jahren mit Denkmälern für Karl Marx oder dem für die gefallenen Brieftauben des ersten Weltkrieges. Videoarbeiten und Installationen dekonstruieren die Heroisierungen des in-Stein Gemeißelten und in-Bronze-Gegossenen, suchen nach tieferliegenden Schichten und neuen Wahrnehmungsebenen. Vor dem Kunststudium in Berlin und San Francisco ging Justin Time drei Jahre auf traditionelle Handwerks-Wanderschaft. Aus dieser Zeit kommt eine große Neugier auf andere Lebensweisen und Haltungen, mit dem ständigen Wunsch, den eigenen Horizont zu erweitern und beweglich zu sein.