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Bild: Nitya Misra, Lost & Found: Berlin, 2026 (Still)

Nitya Misra
Lost & Found: Berlin, 2026, 25:19 min

„Lost & Found: Berlin“ ist ein persönlicher Dokumentarfilm, der Berlin durch die Linse von verlorenen oder zurückgelassenen Gegenständen beleuchtet. Was können verlorene Gegenstände über eine Stadt verraten? Was sagen sie uns über die Menschen, die sich in ihren Räumen bewegen? Der Film würdigt die stille Präsenz alltäglicher Gegenstände – um zu zeigen, wie das Alltägliche an Bedeutung gewinnt und wie Verlust unerwartete Einblicke in Zugehörigkeit, Erinnerung und Identität bieten kann.

Nitya Misra ist eine unabhängige Filmemacherin aus Bangalore, Indien, deren Arbeiten unbedeutende Momente einfangen, die die außergewöhnlichen Aspekte des Alltags in städtischen Räumen offenbaren. Sie nutzt verschiedene Techniken des visuellen Erzählens, um Video, Text, Erinnerung, Musik und digitale Medien miteinander zu verweben.

In Erinnerung an Michel Freerix (1961-2026)

Wie viele vor ihr hat Nitya Misra bei ihrem Aufenthalt in den Lichtberg Studios Kontakt zu Michel gesucht, der in der Nähe wohnte. In ihrem neuen Film „Lost & Found: Berlin” ist Michel über fünf Minuten zu sehen. So ist er zwar nur ein Teil des Films, aber wir können ihn noch einmal wiedersehen.

Seit Beginn der Lichtenberg Studios im Jahr 2011 und dann der Bespielung des studios im Hochhaus 2015 war Michel immer ein aktiver Teil davon und immer bereit, zu helfen oder mitzumachen. Gemeinsam haben wir Filmabende und eine Disco im Stadthaus organisiert. Viele Stipendiat(inn)en haben seinen Rat eingeholt. Auch im studio im Hochhaus haben wir immer kooperiert: Er kuratierte zwei Filmreihen – 2017 mit Hartmut Bitomsky und 2019 mit Harun Farocki –, machte Vorschläge für den Videoraum und legte immer wieder seine Platten auf.

Es ist schmerzlich, dass Michel so früh sterben musste. Er fehlt.

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Bild: Close up Marx, Justin Time 2023 (Still, Hans-Joachim-Beuchel)

Justin Time
Close up Marx, 2023, 37:00 min

Zwei Systeme, fünf Städte, fünf Abbilder. Zwischen Trier und Chemnitz wandert der Film auf den Spuren der Marx-Denkmäler und analysiert den Mythos, der die Figur Marx umwabert. Der Film fragt nach den Entstehungsgeschichten der Monumente und der gesellschaftlichen Situation zu dem Moment, in dem diese Geschichten sich entfalteten. Gespräche mit Zeitzeug:innen versetzen uns in einen Bühnenraum, in dem sich die verschiedenen Denkmäler zum Gruppenbild versammelt haben.
Entlang der Struktur neuer und historischer Denkmäler bewegt sich CLOSE UP MARX von West bis Ost durch innerdeutsche Geschichte und Gegenwart. In Trier, Chemnitz, Neubrandenburg und Berlin umkreist die Kamera neue und alte Marxköpfe und -statuen als nach wie vor emotional aufgeladenen Projektionsflächen: Ist Marx gottgleich-überhöhter Denker oder Theoriegeber für Diktaturen? Hat der Kapitalismus gesiegt, wenn Karl Marx als Praline vermarktet wird oder steht die befreite Gesellschaft nach der Krise der Demokratie kurz bevor? Interviews mit Zeitzeug:innen, Marxist:innen und Kritiker:innen treffen auf Found Footage aus Social Media bis zur DDR-Zeit. In Close Ups fährt die Kamera die Denkmäler ab und sucht nach Spuren, Strukturen, neuen Winkeln und Perspektiven. Marx wird auf seine aktuelle Bedeutung abgetastet und neu kontextualisiert.

Mit einem queeren Blick untersucht Justin Time gesellschaftliche Bilder und Strukturen. Im ersten Beruf Steinmetz:in dechiffriert er Festschreibungen und Manifestationen von medialen Stereotypen und rinnerungskultur: nach einer langen Reihe von Drag-Cowboy-Filmen beschäftigt er sich in den letzten Jahren mit Denkmälern für Karl Marx oder dem für die gefallenen Brieftauben des ersten Weltkrieges. Videoarbeiten und Installationen dekonstruieren die Heroisierungen des in-Stein Gemeißelten und in-Bronze-Gegossenen, suchen nach tieferliegenden Schichten und neuen Wahrnehmungsebenen. Vor dem Kunststudium in Berlin und San Francisco ging Justin Time drei Jahre auf traditionelle Handwerks-Wanderschaft. Aus dieser Zeit kommt eine große Neugier auf andere Lebensweisen und Haltungen, mit dem ständigen Wunsch, den eigenen Horizont zu erweitern und beweglich zu sein.

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Bild: Nitya Misra, Down The Drain, 2025 (Filmstill)

Down The Drain, Bangalore 2025, 22:10 min

Down The Drain ist ein Dokumentar- und Spielfilm über das Abwassersystem von Bangalore, der aus der Perspektive einer Frau erzählt wird, die versehentlich eine Uhr die Toilette hinunterspült. Auf dem Weg, den die Uhr von der Toilette aus zurücklegt, erhält die Erzählerin Einblicke in die Rohre und Menschen, die das Abwassersystem der Stadt ausmachen, und beobachtet das System und seine Bestandteile durch Gespräche mit verschiedenen Menschen. Dieses Projekt wurde von der Science Gallery Bengaluru in Auftrag gegeben und von Rohini Nilekani Philanthropies finanziert.
Der Film kombiniert verschiedene Medien und Formate, um eine Geschichte zu erzählen und Gespräche mit Menschen zu führen, die Teil der verschiedenen Ebenen des Abwassersystems der Stadt sind. Ich hatte die Gelegenheit, mit einigen Künstlern zusammenzuarbeiten und verschiedene visuelle Formen zu erkunden, darunter Schattenpuppen, Collage-Animation und 2D-Animation, um dieses Projekt zu visualisieren.

Out The Door, 504, Bangalore 2021, 10:13 min

Out The Door, 504 ist ein Liebesbrief an das Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Diese persönliche Erzählung wurde während der Pandemie mit einer Telefonkamera gefilmt und dokumentiert meine Familie bei den Vorbereitungen zum Auszug aus dem Haus, in dem sie über zwanzig Jahre lang lebte. Der Film ist eine Beobachtung über die Bindungen, die wir zu Häusern aufbauen, und wie bewohnte Räume zu uns sprechen. Durch den Film stelle ich in Frage, was „Zuhause“ bedeutet.

Nitya Misra ist eine unabhängige Filmemacherin mit Sitz in Bangalore. In ihrer Arbeit beobachtet und zelebriert sie die scheinbar belanglosen Momente des täglichen Lebens.
Ihre Arbeit umfasst verschiedene Filmformate, darunter Werbefilme, abendfüllende Spielfilme, Kurzspielfilme, Musikvideos und Kurzdokumentationen. Sie nutzt Techniken des visuellen Geschichtenerzählens, um Video, Schrift, Erinnerung, Musik und digitale Medien miteinander zu verweben und so die außergewöhnlichen Aspekte des alltäglichen Lebens in urbanen Räumen zu feiern.
Als Künstlerin möchte sie mit ihrer Arbeit den Betrachter daran erinnern, dass unser Leben, so klein und unbedeutend es auch erscheinen mag, im Großen und Ganzen voller Schönheit und Wunder ist.
Ihre Arbeiten wurden auf mehreren Filmfestivals in Indien und international gezeigt, darunter das Indian Film Festival Stuttgart, das Indian Film Festival of Melbourne und Arthouse Asia.

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Foto: Thomas Henke, Dmitri Sidorov, Mario A. Lorenz, Die Geschichte des Joseph Wolf (Videostill)

Videoprogramm ALLES vorbeivorbei

Boisseau & Westermeyer
C’est la fatigue, 2025, 3 min

Die Serverfarmen laufen heiß. Aus dem Hahn kommt kein Wasser mehr und das neue Milieu des Menschen ist ein Zusammenleben mit Avataren, die einen vertreten, beobachten, analysieren und Ratschläge erteilen.

Simone Brühl
Real Estate Series, 2021, 4:35 min

Die „Real State Series“ ist eine digitale Videokunstreihe, die sich mit Fragen von Eigentum, Sicherheit und Authenzität im Kontext digitaler und analoger Realitäten auseinandersetzt. Grundlage der Abreiten sind Häuser, die aus Online-Immobilienanzeigen ohne entsprechnede Bildrechte digital extrahiert und in neue, animierte Landschaften integriert wurden. Diese digital bearbeiteten Motive werden als NFTs auf der Online-Plattform OpenSea zum Verkauf angeboten, obwohl keine rechtliche Grundlage für die Nutzung der
Originalbilder besteht. Durch die gezielte Verbindung und Gegenüberstellung von Beständigkeit und
Vergänglichkeit, materieller und immaterieller Wertigkeit sowie von Realität und Virtualität hinterfragt diese Arbeit die Stabilität und Grundlage von Eigentum und Sicherheit. Gleichzeitig versteht sie sich als visuelle Analyse des Grundprinzips „Sicherheit“.

Henrike Daum
Melancollage I, 2025, 3:11 min

Aus dem Maschinenraum,
from outer space,
vom Himmel hoch,
aus allen Wolken gefallen.
Im Wald stehen und gehen,
ein Tänzchen im Wind.
Ach ach, Melancholia.

Andreas Drewer
während des Aufpralls, 2025, 7:09 min

Gegenständliche Bildwelten überlagen abstrakte und/oder lösen sich in ihr auf. Ein scheinbares Chaos
zuckender Farbigkeit und Struktur, in das plötzlich ein lineares Ereignis einbricht, welches sich zuletzt im dunstigen Himmel verliert. Zurück bleibt ein weißes Quadrat, das sich bis zum Ende des Films als Rahmen und Leinwand versucht. Der experimentelle Ton unterstreicht die rauschhafte Bildwelt.

Thomas Henke, Dmitri Sidorov, Mario A. Lorenz
Die Geschichte des Joseph Wolf, 2001, 9 min

Die Geschichte des Joseph Wolf ist keine Geschichte. Wir befinden uns in einer Zeit, die nicht mehr
gemessen wird. In einer völlig zerstörten Welt lebt Joseph W. als einer, der übrig ist. Wie nach einer zufällig vorhandenen inneren Struktur beginnen die verwundete Natur und er ein letztes Spiel. 

Gunilla Jähnichen
Neun kleine Krisen, 2010, 2:59 min

Neun kleine Krisen zeigt Bild-für-Bild Animationen die skizzenhaft als Zeichnung jeweils auf einem Blatt Papier entstanden sind.

Ursula Neugebauer
Timm Ulrichs als Franziskus, der den Vögeln predigt, 2025, 0:46 min

Elisabeth Sonneck
La vie florissante – les fleurs du macabre, 2020, 9:49 min

Unter diesem Titel realisiert Elisabeth Sonneck seit 2020 ein Langzeitprojekt, das im Fokus der Farbe Er-scheinungen des Abschiednehmens, von Erinnern, Verblassen, Feier und Verfall untersucht. Ausgangspunkt war die Recherche des 250jährigen Friedhofs der kleinen Stadt Die/Südfrankreich im Rahmen der DIE-residenz. Für ihre ortsspezifischen Projekte erarbeitet Sonneck neben koloristischen Erinnerungen in kleinformatigen Gouachen auch eine fotografische Bestandsaufnahme in Handyfotos. Dieses visuelle Material, technisch im einfachsten Modus und unbearbeitet gelassen, fokussiert Seitenblicke, absurde Konstellationen, marginale Situationen – es transformiert den physischen Ort, Spuren und Atmosphären der Nutzung, der Geschichte und sozialen Realität – in Farbe.

Wolf & Ritterskamp
Arts + Crafts Spectacular #1, 2010, 1:12 min

Die Künstler Gilbert & George erzählen von ihrem Landausflug und unerwarteten Vorkommnissen.

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Bild: Es gibt doch nur das Leben (…), Yvonne Wahl 2009 (Still)

Yvonne Wahl

Es gibt doch nur das Leben, den Tod gibt es doch gar nicht, 2009, 15 min

Eine menschenleere Wohnung bildet den Rahmen des Videos – eine Wohnung, welcher durch die jahrzehntelange Sammlung von Gegenständen verschiedenster internationaler Kulturen die Geschichte der Bewohner eingeschrieben wurde. Herumliegende Medikamente, Krücken und ähnliche Dinge lassen darauf schließen, dass hier ein kranker Mensch gewohnt haben muss, offenbar vor kurzem erst die Wohnung verlassen hat und verstorben ist. Man bewegt sich durch die Zimmer auf der Suche nach der Identität dieser Person. Kurz angespielte Musikstücke erinnern an die Kultur und Entstehungszeit des Mobiliars. Ein durchgehender Rhythmus, ähnlich dem eines Herzschlags, treibt durch das Video, obwohl der Prozess des Ermüdens einsetzt, man sich irgendwann keine Hoffnung mehr auf weitere Erkenntnis macht und entlassen werden möchte aus der Enge.

iFiction, 2003, 4 min

Im Video bewegt sich das Kameraauge langsam entlang gutbürgerlich gestalteter Innenräume. Fünf Frauen und Mädchen einer Familie sind darin in verschiedenen Varianten platziert. Sie agieren nahezu bewegungslos und treten auch nicht in Kontakt zu einander. Akustisch scheint man sich in einem U-Boot zu befinden. Bedrohliche Sonargeräusche sind zu hören.

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Werner Fritsch

Das sind die Gewitter in der Natur, 1988, 82 min

Der Film handelt von Wenzel Heindl den Werner Fritsch seit Kindestagen kannte, von seinem Leben und seinen Geschichten, alles nur durch seine Erzählungen.

„Ich bin mit Wenzel Heindl aufgewachsen. Er war Knecht auf dem Hof meiner Eltern, seit Allerheiligen 1945. Zeitlebens hörte ich seine Geschichten. So lernte ich von ihm sprechen und vor allem erzählen.“ (Werner Fritsch)

Werner Fritsch wurde 1960 in Waldsassen/Oberpfalz geboren. 1987 erschien sein vielbeachteter Roman CHERUBIM. Zu seinen zahlreichen Stücken gehören CHROMA, HYDRA KRIEG, BACH und WONDREBER TOTENTANZ oder auch die Monologe SENSE, JENSEITS, NICO und DAS RAD DES GLÜCKS, die auf der Bühne, für den Rundfunk oder fürs Kino realisiert wurden. Außerdem veröffentlichte er Prosa wie zum Beispiel STEINBRUCH und STECHAPFEL und drehte u.a. die Filme DAS SIND DIE GEWITTER IN DER NATUR und ICH WIE EIN VOGEL. Seine Arbeiten wurden u.a. mit dem Robert-Walser-Preis, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden, dem Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet, sowie das Arno-Schmidt-Stipendium 2007.

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Loretta Fahrenholz

Die in Berlin lebende Künstlerin Loretta Fahrenholz arbeitet in den Medien Film, Fotografie und Installation. Ihre fortlaufenden Untersuchungen zeitgenössischer Medienbedingungen improvisieren einen dezidiert post-cinematischen Ansatz des Dokumentarfilms, der digitale Nachbearbeitung und künstliche Intelligenz nutzt, um Wahrheiten über die gesellschaftliche Realität von heute zu enthüllen. Indem sie sich oft auf Hollywood-Genres wie Katastrophenfilme, Science-Fiction und Fantasy bezieht, konstruiert die Künstlerin hybride Doku-Erzählungen, bei denen der Bildschirm als eine neue Art von Schnittstelle zwischen dem Künstler und der Stadt, Körpern und Institutionen, dem Realen und dem Programmierten zu fungieren beginnt.

Documenta Dream, 2021, 16 min

In Anlehnung an das von der United States National Film Registry in ihren Bestand aufgenommene Home Movie „Disneyland Dream” aus den 1950er Jahren zeigt „documenta Dream” Amateuraufnahmen von verschiedenen documenta-Schauen, die die Ausstellungen aus der Perspektive des Publikums dokumentieren. Ausschnitte dieses Materials wurden zu einem Film zusammengeschnitten und dann auf verschiedene Flüssigkeiten wie Sonnenblumenöl, Aloe vera und Spülmittel projiziert: Als hausgemachte psychedelische Filter evozieren sie das Vergehen der Zeit im Fluss persönlicher Erinnerungen.

Mashes of the Afternoon, 2018, 14 min

Maya Deren und Alexander Hammid Avantgardefilmklassiker Meshes of the Afternoon aus dem
Jahr 1943, zeigt in düster-halluzinatorischen Bildern den Albtraum einer Frau, die einer schwarz
verhüllten Figur folgt, alltägliche Tätigkeiten und Bewegungsabläufe wiederholt und am Ende des
Nachmittags Selbstmord begeht.
Von Maya Derens 14-minütigem Film existieren im Internet mittlerweile zahlreiche Remakes und
Parodien. Loretta Fahrenholz rekonstruiert aus kurzen Ausschnitten dieser meist von Jugendlichen
auf YouTube veröffentlichten Versionen die Kameraeinstellungen und Schnittabfolge des Originals.
In ihrer Film-Collage Mashes of the Afternoon greift sie Derens Stilmittel der Wiederholung auf,
multipliziert und variiert durch die verschiedenen Akteure zusätzlich die Perspektive und
verallgemeinert so das in die Gegenwart transferierte surreal-depressive Szenario. (Matthias Michalka)

My Throat, My Air, 2014, 17 min

Über voralpenländische Bergketten und Autobahnzubringer wandert der Blick in eine Wohnung im
Münchner Westend. Dort beobachtet My Throat, My Air das Familienleben des ehemaligen
Fassbinder-Schauspielers, Warhol-Mitarbeiters und Horrorfilm-Regisseurs Ulli Lommel. Statt einer
konventionellen Dokumentation des Bohèmien-Haushalts folgt die Kamera den narrativen Impulsen
der Familienmitglieder. Die Kinder inszenieren hypnotische Sterbeszenen, während ihre Mutter
behauptet, aus einer anderen Dimension zu kommen, wo alles „ätherisch und körperlos“ sei. Die
Eltern-Kind-Beziehungen sind spontan improvisiert und werden von den Protagonisten immer
wieder umgeschrieben. Die Geräusche einer elektrischen Zahnbürste, eines Staubsaugers, eines
Klaviers und andere alltägliche Klänge interpunktieren die gedehnte Zeit eines kollektiven
Tagtraums.

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BERLIN EXCELSIOR

Erik Lemke, Dokumentarfilm, Deutschland 2017, 87:18 Min

Der anonyme Berliner Stahlbetonbau Excelsior ist für viele seiner Bewohner nur Zwischenhalt. Sehr bald schon soll das Leben besser werden und jeder hilft sich auf seine Art: Mit „Invisible Make-up” will der 49-jährige Michael an frühere Erfolge als Escort-Boy anknüpfen. Claudias Zeit als Tänzerin ist zwar vorbei, neue Fotos sollen ihr jedoch den Weg zurück auf die Bühne ebnen. Norman will mit seinem Start-Up „ChangeU” anderen Menschen zum Glück verhelfen, und sich selbst zu einem schicken Sportwagen. Kaum einem gelingt es, sich den Reizen der Erfolgsgesellschaft zu entziehen.

Inhalt
Aus den Fenstern der Skybar Solar im 16. und 17. Stock des Excelsior-Hauses können sich Berlin-Entdecker einen Überblick über die Stadt verschaffen, und übersehen doch das interessantere Panorama, dass sich direkt unter ihnen verbirgt – in jedem der 514 Apartments des ehemals größten Wohn- und Geschäftshauses der Stadt.

Michael wohnt im 14. Stock und sagt, er hätte fast nichts zu verlieren. Ohne Hemmungen macht sich der smarte Holländer um 20 Jahre jünger, empfängt einen neuen Lover und gibt via Internet Tipps zum unauffälligen Schminken. Sie sind Teil der Antwort, wie man wohl „bei Jungs landen“ kann. Michael bietet auch Escortdienste an. Er möchte gern sein Leben zurück, das er früher hatte: tolle Dinge machen und einfach mal etwas kaufen können…

Norman aus der 12. Etage sagt von sich, er sei „hyperaktiv und schnelllebig“. Der Kindererzieher und Reiseleiter will es mit 30 Lebensjahren endlich schaffen. Mehr Geld, mehr Anerkennung! Als Life-Coachs wollen er und sein Kumpel Patrick mit Partys und Fitness Menschen dabei helfen, Selbstbewusstsein aufzubauen. Dabei hängt Norman selbst eher durch. Doch das offenbart er höchstens vor seiner Mutter, wenn scheinbar nichts mehr geht.

Claudia ist Empfangsdame im Restaurant „Solar“. Das Ex-Revuegirl hat gerade noch einmal Schauspiel und Ökonomie studiert. Für den Schritt in die Selbständigkeit sei es „noch nicht der Moment“. Stattdessen schlüpft Claudia für Bewerbungsfotos immer wieder in auffällige Kleider, angetrieben vom unbestimmten Wunsch, wieder Fuß zu fassen im Showbusiness.

Unterstützung erfahren Claudia, Michael und Norman vom wendigen Thüringer Richard, ebenfalls Bewohner des Hauses, der sich mal als Fotograf, mal als Unternehmensberater ausgibt und scheinbar für alles die richtige Lösung weiß.

Auch das Excelsior-Haus selbst war oft genug Objekt hochfliegender Pläne, die immer wieder scheitern. Fernsehbeiträge der 60er Jahre preisen die besonderen Vorzüge des attraktiven Neubaus an. Nur wenige Jahre später muss er zwangsversteigert werden.
Die Bewohner nehmen den Ort an, wie er ist. Für die meisten ist es nur eine Zwischenstation – für einige unter ihnen schon seit mehr als fünf Jahrzehnten.

REGIE-STATEMENT

In einem ähneln sich die Bewohner des Excelsior-Hauses. Sie halten sich selbstverständlich nur „vorübergehend“ in dem gesichtslosen Betonkoloss auf. Bald schon soll es besser werden und sie ziehen weiter – keiner scheint je anzukommen.
Hat es etwas Besonderes auf sich mit dem Gebäude, das seinem Namen Excelsior (lat. für ‚Das Erhabene‘) seit über 50 Jahren gerecht zu werden versucht? Oder ist das ewige Leben in der Warteschleife Ausdruck unserer Zeit?
Ein vages Lebensgefühl zu dokumentieren gelingt nur durch genaues Beobachten. BERLIN EXCELSIOR verliert sich nicht in den biographischen Details seiner Protagonisten, sondern schaltet nur kurz in ihre Lebensfilme. Wo Geschichten und Figuren nicht ganz auserzählt werden, bleibt Raum für Identifikation.

mit
Claudia Mittag, Norman Specht, Michael van Gemert, Richard Hebstreit u.a.

Kamera ANDRÉ KRUMMEL
Schnitt & Ton ERIK LEMKE
Schnittberatung MONIKA SCHINDLER
Dramaturgische Beratung PAWEL REINHARDT
Komponist TOBIAS BURKARDT
Sound Design SEBASTIAN TESCH
Mischung ANSGAR FRERICH

Redaktion JENS STUBENRAUCH

Produzent PETER ROMMEL

Buch ERIK LEMKE & ANDRÉ KRUMMEL
Regie ERIK LEMKE

Mit freundlicher Unterstützung von
BKM – DIE BEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG FÜR KULTUR UND MEDIEN
MEDIENBOARD BERLIN-BRANDENBURG
DFFF – DEUTSCHER FILMFÖRDERFONDS
KURATORIUM JUNGER DEUTSCHER FILM
FFA – FILMFÖRDERUNGSANSTALT

Biographien der Filmemacher

ERIK LEMKE wurde 1983 in Dresden geboren. Er studierte von 2004 bis 2007 an der Staatlichen Universität für Film und Fernsehen in St. Petersburg bei Dmitri Sidorow Dokumentarfilmregie. Seinen Master legte er 2008 an der École Supérieure d’AudioVisuel in Toulouse ab. Nach einer Anstellung als Trickfilmanimator bei Balance Film in Dresden lebt er seit 2010 als selbstständiger Editor und Filmemacher in Berlin.
Neben Tätigkeiten als Editor u.a. bei der Web-Dokumentation „Europa: Die Ostgrenze“ (Regie:Tawan Arun/Joris Rühl, Gewinner Deutsch-Französischer Journalistenpreis 2013, Kategorie Multimedia) und als After-Effects-Composer beim Animationsfilm „Alois Nebel“ (Tomáš Luňák, Welturaufführung Internationale Filmfestspiele Venedig 2011, Auszeichnung als Bester Animationsfilm beim Europäischen Filmpreis 2012) arbeitet Erik Lemke an eigenen Dokumentarfilmen.

BERLIN EXCELSIOR ist sein Regiedebüt bei einem dokumentarischen Langfilm.

FILMOGRAPHIE (Auswahl)

2021 HOMÖOPATHIE UNWIDERLEGT?
Dokumentarfilm (86 min)
2017 BERLIN EXCELSIOR
Dokumentarfilm (87 min), Produktion Rommel Film in Koproduktion mit dem RBB
2016 MICH VERMISST KEINER!
Kurzdokumentarfilm (28 min), Premiere DOK Leipzig 2016, Publikumspreis der Mitteldeutschen Filmnacht beim Filmfest Dresden 2017
2013 FAKING OF PÄWESIN
Mockumentary (18 min), gefördert von der Brandenburgischen Landeszentrale für
Politische Bildung und der Gemeinde Päwesin
2007 EINE RUSSISCHLEKTION
Kurzdokumentarfilm (15 min), produziert im Rahmen des Kurzfilmwettbewerbs „All
humans are born free and equal…” (Stiftung Erinnerung und Zukunft, Goethe Institut)

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Bild: Bild: Wolf & Ritterskamp, Arts + Crafts Spectacular #2, 2012 (Still Ausschnitt)

Die eingereichten Videoarbeiten zu ALLES VI

Sonja Alhäuser

Hochzeitstorte, 2019, 3:06 min

Der Film zeigt das entstehen meiner Hochzeitstorte als Gemeinschaftsprojekt und Akt der Vorfreude auf das Fest. Der Zeitraffer unterstreicht die ruhige stetige Wachsen des im Zentrum stehenden Tortenturmes bis hin zur Verzierung.

Film und Schnitt: Martin Christel

David Braithwaite

Personal Rewilding, 2024, 4:21 min

Dieses Projekt begann während der Pandemie. Um meine Gesundheit zu verbessern, begann ich zu joggen, um den Kontakt mit anderen Menschen zu minimieren, tat ich dies nachts, wenn die Parks meistens leer waren. Ich vermied so weit wie möglich die Wege, lief durch Gras, zwischen den Bäumen, in der Dämmerung, bei Mondschein und das bei jedem Wetter. Mir kam in den Sinn, dass es nicht sicher sein könnte, dies zu tun. Doch war mir klar, dass meine Vorfahren höchstwahrscheinlich auch nachts über unwegsames Gelände gelaufen waren, und so muss ich letztlich auch dazu in der Lage sein. Mir kam es vor, dass mein Körper Fähigkeiten entwickelt hat, die Umwelt auf eine Weise wahrzunehmen und auf sie zu reagieren, die mir als industrialisierter Mensch nicht mehr direkt bewusst war. Um mich beim Laufen mit dieser wilderen Seite von mir selbst zu verbinden, versuche ich, mir vorzustellen, wie ein Tier zu sein, wie ein Tier zu handeln und wie ein Tier zu fühlen. Ein Hirsch kann mit hoher Geschwindigkeit durch den Wald rennen, wobei er selten oder nie darauf achtet, wo er mit seinen Füßen landet, und dennoch stolpert oder fällt er nicht. Wie schafft er das? Woher wissen seine Füße, wo sie zwischen all den Steinen und Ästen sicher landen können? Habe ich auch diese Fähigkeit? Seit beginn des Projektes fühle ich mich mehr mit mir selbst, mit meiner Umgebung und mit den anderen Lebewesen, denen ich unterwegs begegne, verbunden.

Dieses Video wurde gemeinsam mit Werner Kernebeck unter dem Künstlernamen WER DA konzipiert und entwickelt. Größtenteils wurden die Strecken tagsüber gefilmt, obwohl ich sie meistens nachts laufe.

Simone Brühl

Sub / kutan, o. J., 6:48 min

Diese Videoarbeit richtet ihren Fokus auf einen in der Gesellschaft und in der Kunstwelt unterrepräsentierten Teilbereich des menschlichen Körpers, dessen Funktion unter der Hautober fläche im Verborgenen statt findet. Der Betrachter wird Augenzeuge einer Bewegungsabfolge, die trotz ihrer offensichtlichen Darstellung nur einen kleinen Teil eines größeren, übergeordneten Zusammenhangs offenbart, den es zu deuten, zu verknüpfen oder neu zu benennen gilt.

Andreas Drewer

Baustelle, 2024, 5:51 min

Eine dünne Abdeckfolie flattert seitlich aus einer Wolke heraus auf himmelblauem Grund. Nach einer langsamen Überblendung zeigt sich statt der Wolke ein vertikales Segment eines Ziegelbaus. Die Folie bewegt sich nun im scheinbar luftleeren schwarzen Raum. Bisweilen dreht sich der Wind und die Folie wird in die unteren Fensteröffnungen gesogen. In diesen Momenten werden die Zitate bzw. Textzeilen, die in Teilen hinter der wehenden Folie hervorschauen, gänzlich sicht- und lesbar. In der Kombination der sehr reduzierten Zitate von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Nietzsche, dem Alten Testament und zweier kommentierender Sätze wird ein Zusammenhang zwischen Realitätsebenen, dem Tod Gottes und fanatischer Gewalt hergestellt. Im letzten Viertel des Videos geben unrhythmisch aufploppende Rechtecke verschiedener Größe den Blick auf weitere Segmente der Baustelle frei.

Uwe Jonas

Was ist los in Deutschland?, Episode 1, 2024, 2:03 min

Versucht der Frage nachzugehen, warum die sichtbaren gesellschaftlichen Erscheinungsformen und Entwicklungen immer unverständlicher werden. Das schließt politisches und individuelles Handeln ein: Etwas von der großen Sehnsucht nach einfachen Lösungen, das Gefühl von Überforderung, Vernachlässigung und Hilflosigkeit, das weit verbreitet zu sein scheint. Dieser scheinbar allgemeine Wille, dass alles so bleiben soll, wie es ist, oder besser noch, so werden soll, wie es war…

Bisher erschienen Episode 1 – 3, fortlaufend

Peter Kees

Unser täglich Brot gib uns heute, Lebensmittelsprenung #1, 2023, 2:19 Min

Andreas Koch

Tatsächlich lese ich gerne Zeitung, 2024, 5:50 min

Susanne Kutter

Akteneinsicht – Hansa Nord, 2022, 15 Min

Petra Lottje

AUSNAHMEZUSTAND, 2023, 8:25min (ohne Ton)

„Ich habe 26 Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Geschlechts eingeladen, vor der Kamera einer leichten Choreographie zu folgen. Sie berühren einander am Kopf, Rücken, ertasten gegenseitig ihre Hände.“

Die Darsteller sind nicht zu erkennen, Gesichter sind nicht zu sehen.

Meine Intention war, dass es wunderbar wäre, wenn sich Menschen öfter auf diese Weise begegnen könnten: vorsichtig, tastend, liebevoll, körperlich wahrnehmend, ohne Gefahr. Denn das halte ich für einen „Ausnahmezustand“.

Mayumi Okabayashi

Touch in Timescale, 2019, 1:48 min

Maria-Leena Räihälä

COSMIC EGGing, 7:51 min

Teil 1: Leibniz, Pangu und das Kosmische Ei, 2010, Sound: the RotTT (Manuel Bonik, Sean Marquardt, Mic Mikina, Micha Schroetter) und verschiedene Vogelsounds

Teil 2: NotenEnten 2012, Sound Micha Schroetter and verschiedene Vogelsounds

Teil 3: Muna, 2013, Sound: robot und singschwan.

Matthias Schamp

Schubberstücke, Kunst für Schweine, 2024, 13:15 min

Sylvia Schultes

Stein Inn Wasser, 2012, loop 8,24 min

Der Film erscheint wie eine abstrakte malerische Anmerkung über die fraktalen Muster der Wasserreflektionen. Es ist aus ca. 70 überblendeten Fotos vom Inn entstanden. Der Film hat eine sehr langsame Film-Bewegung wie Malerei in Bewegung. (Verkaufspreis 35,- auf einer DVD)

Wolf & Ritterskamp

Arts + Crafts Spectacular #2, 2012, 7:53 min

Arts + Crafts Spectacular #2“ lässt das Museum zur Sitcom werden und verwebt auf unangestrengte Art humorvoll Geschichten unterschiedlicher Protagonisten. Mit dabei: Jeff Koons und Cicciolina, Bruce LaBruce, Yoko Ono und John Lennon, Tris Vonna-Michell und eine lebendig werdende Arbeit von Maurizio Cattelan.

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Bild: Köhlernächte, Robert Müller, 2017 (Still)

 

Robert Müller

Köhlernächte

Dokumentation, HD, 92 min, 2017

In seinen schweren Gummistiefeln steigt Fränz Röösli auf den vier Meter hohen Kohlemeiler und sticht Löcher in den «Grind», wie er die Kuppel seines Meilers nennt. Weisser Rauch entweicht, umspielt den Köhler nach den Launen des Windes und verschwindet in die schwarze Nacht über dem Luzerner Entlebuch. Unaufgeregt und bildstark führt der Dokumentarfilm in die archaische Welt der Kohlenbrenner.