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Astrid Busch

Watching Tanker, 2022, 26:49 min

Die Hafenstadt Le Havre im Norden Frankreichs ist besonders stark von der Zerstörung des Zweiten Weltkriegs geprägt. Mich haben bei zahlreichen Aufenthalten neben der Nachkriegssarchitektur des Architekten Auguste Perret auch der Hafen und die in hoher Frequenz einfahrenden Containerschiffe interessiert, die diese Stadt neben Gütern auch mit Hoffnung, Träumen und Sehnsucht versorgen. Deshalb beschloss ich, selbst den Seeweg dorthin zu nehmen und mit einem Containerschiff in diesen Hafen einzufahren.

Die Meere verknüpfen schon immer die Welt, denn auf ihnen bringen Schiffe Güter und Menschen in die entlegendsten Gegenden. So haben sie vielfältige Funktionen als Transport- und Kommunikationsraum, sowie als Sehnsuchts- und Erinnerungsort.

Es gibt kaum einen anderen Ort als ein Schiff, an dem Aberglaube, Seemansgarn und Romantik so hart auf den realen Arbeitsalltag prallen. Vom Meer umgeben, verliert sich schnell das Gefühl für Zeit, Proportionen, Geschwindigkeit und Entfernungen. Der Übergang von Realität zu Fiktion innerhalb der Welt auf See ist fließend. Nicht nur metaphorisch ist das Schiff, das auf See einen in sich abgeschlossenen Raum bildet, über die Erzählungen und das Frachtgut mit allen Häfen und Zeiten verbunden.

Astrid Busch 2022

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26. April bis zum 25. Juni 2023

Astrid Busch

world in minds

Früher kam die Welt mit den Schiffen in die Stadt, heute sind sie abgeriegelte Bereiche und gelten nur noch im Geiste als Tore zur Welt. Mit der Ausstellung „world in minds“ versetzt Astrid Busch die Besuchenden in die Großhäfen von vier Städten. Sie nähert sich künstlerisch der Geschichte und Gegenwart der Häfen von Hamburg, Antwerpen in Belgien, Le Havre in Frankreich und Istanbul in der Türkei sowie dem Takt ihres Schiffsverkehrs. Indem sie verschiedene Medien und Zeitebenen verknüpft, entsteht ein dichtes Netz an Bezügen und eine Vielfalt möglicher Lesarten. Sie baut Settings aus Installationen und Objekten, Fotografie und Film, Projektion und Papierarbeiten, mit denen Sie die Orte auf ihre sinnliche Wahrnehmbarkeit und ihre Wirkung auf den Menschen untersucht.

Astrid Busch studierte Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Ihre Werke waren unter anderem in Ausstellungen im Maison des Arts Solange-Baudoux in Évreux, Frankreich, im Modern Art Museum in Jerewan, Armenien, im Hetjens-Museum in Düsseldorf, im Museum Kunst der Westküste auf der Insel Föhr, sowie im Kunstpalast Düsseldorf zu sehen.

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Bild: Nándor Angstenberger

7. Februar bis 12. April 2023

Nándor Angstenberger

Weltenbau

“Wenn mich jemand fragt, was ich als bildender Künstler mache, antworte ich: Ich bin ein Weltenbauer!

Aber ich bin auch ein Sammler, ein Falter, ein Schneider oder ein Suchender, ein Finder und ein Archivar.

Meine organisch wachsenden Konstruktionen sind weder Modelle für etwas noch Modelle von etwas. Sie sind Lebensentwürfe, Vorschläge und Anregungen für neue Ideen und Raumkonzepte, aber auch Entwürfe für nicht realisierbare Konstruktionen aus einer Parallelwelt, die wir nur aus der Literatur oder Mythologie kennen.

Die Materialien, die ich für meine Arbeiten verwende, sind meist Fundstücke, Vergessenes, Zurückgelassenes oder Verlorenes. Sie haben Patina, sie haben Lebensspuren in Form von Kratzern, Verfärbungen oder Verformungen, und diese Lebensspuren sind es, die das Material für mich interessant machen. Sie sind meist sehr klein, können aber auch größer sein, unscheinbar, gerne übersehen, aber in ihrer Zusammenstellung offenbaren sie die Magie der Dinge. Das können auch Fundstücke aus der Natur sein, herabgefallene Äste, von Jahreszeiten und Witterung bearbeitet, oder Treibgut, von den Kräften des Wassers neu interpretiert. Ich möchte den Betrachter einladen, die kleinen Dinge des Alltags neu zu entdecken und dabei die Schönheit des Unscheinbaren und leicht zu Übersehenden schätzen zu lernen. Es ist eine Ästhetik des Unperfekten, die sich durch Asymmetrie, Rauheit, Unregelmäßigkeit, Einfachheit und Sparsamkeit auszeichnet und damit Respekt vor der Eigenart der Dinge zeigt.

Ich sammle diese Materialien unermüdlich, ohne an einen Ort gebunden oder auf ein Material fixiert zu sein. Teil meiner Recherche ist es, einen neuen Ort, mein zukünftiges Material- und Ideenarchiv, zu erkunden und dabei erste Eindrücke zu sammeln und zu sortieren.

Gerade ein großes Thema in meiner Arbeit sind meine konzentrischen utopischen und fantastischen Landschaften oder Weltbilder. Sie sind sehr autobiographisch, ein Status quo, ein Ereignis, ein Nachdenken über Systeme, wie man lebt, wie man lebt und wie man nicht lebt. Was um uns herum passiert, Teil dieser Gesellschaft zu sein, Künstler zu sein, Mensch zu sein. Vieles von dem Material, das ich verwende, nehme ich aus der Natur, aber ich gebe auch einiges wieder in den Kreislauf der Natur zurück, wenn ich die Installationen abbaue. Es ist auch eine Spurensuche, auf die ich mich begebe, das Sammeln von Arbeitsmaterial, Erfahrungen und Erlebnissen.

Meine filigranen Objekte entstehen ohne Skizzen oder konkrete Vorarbeiten. Sie werden von der eigenen Vorstellungskraft geleitet. Persönliche Notizen und Erlebnisse finden ohne die übliche bewertende Ordnung Eingang in meine Objekte. Trotz ihrer oft märchenhaften Erscheinung sind meine Arbeiten auch Kommentare zur Krise des Privaten und zum Verlust stabiler Identitäten. In einer globalisierten Welt haben sich Gewissheiten endgültig aufgelöst, absolut alles ist zu Material geworden.” (Nándor Angstenberger, 2022)

Nándor Angstenberger will den Betrachter dazu einladen, die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens neu zu entdecken und so die Schönheit des Unauffälligen und leicht zu Übersehenden schätzen zu lernen. Seine Materialien sind meistens Fundstücke: Vergessenes, Verlassenes und Verlorenes oder auch Fundstücke aus der Natur. Sie haben Patina, sie haben Kratzer, Verfärbungen, sind deformiert. Diese Lebensspuren machen das Material für ihn erst interessant und in ihrer Zusammenstellung erschließt er die Magie dieser Dinge. Es ist eine Ästhetik des nicht Perfekten, das sich durch Asymmetrie, Rauheit, Unregelmäßigkeit, Einfachheit und Sparsamkeit auszeichnet, und damit Achtung vor der Eigenheit der Dinge beweist. Angstenberger studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und bezeichnet sich als ein Weltenbauer und Materialarchivar. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Museum Marta Herford, Ludwig Museum Koblenz, Kunsthalle Krems, Kunstmuseum Ahrenshoop, in der Kunsthalle Emden und Museum Kloster Unser Lieben in Magdeburg, Landesmuseum Stuttgart, im Kunstverein Freiburg, Kunstverein Bellevue-Saal Wiesbaden und im Zeppelin Museum Friedrichshafen gezeigt. Darüberhinaus Bühnenbild Installationen für Neue Musik in der Pariser Philharmonie und für OperaLab im Ackerstadtpalast, Berlin.

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Bild: Christin Turner

Christin Turner

Christin Turner ist eine Filmemacherin und Videokünstlerin, die mit ihrer Arbeit versucht, unsere Vorstellungen von der Vergangenheit zu verändern und Traditionen mit einer neuen und moderneren Sichtweise zu würdigen. Sie stellt die Landschaft sowohl als Metapher als auch als Mittel zur Durchquerung psychologischen Terrains dar und erforscht die Möglichkeiten des Kinos als Ort der Transzendenz. Turners Verwendung von Farbe und Licht wurde als malerisch, impressionistisch und psychedelisch beschrieben.

Turner erwarb einen MFA an der University of Colorado in Boulder und einen BA an der
Universität von Kalifornien in San Diego. Ihre Experimentalfilme wurden auf vdrome und
Frieze veröffentlicht und wurden an verschiedenen Orten gezeigt, darunter das Museum of Modern Art, Internationales Filmfestival Rotterdam, Karlovy-Vary, Ann Arbor Film Festival, Edinburgh
International Film Festival, Festival du Nouveau Cinema Montreal, 25FPS Festival, Kurzfilmtage
Winterthur und bei den Kurzfilmtagen Hamburg, wo sie mit dem De-Framed-Preis (2017) ausgezeichnet wurde. Ihre Arbeit wurde durch Residencies bei MacDowell, der Bogliasco Foundation und der der Villa Sträuli.

What Happens to the Mountain 12:09 (USA) 2016

Der Berg ist noch kein Berg gewesen.
Der Berg ist noch kein Berg.
Der Berg wird bald ein Berg sein.
Der Berg ist fast ein Berg.
Der Berg ist ein Berg.
Der Berg wird weiterhin ein Berg sein.
Der Berg ist nur noch ein Berg.
Der Berg ist nicht mehr ein Berg.
Der Berg wird nicht mehr ein Berg sein.
Der Berg wird nie wieder ein Berg sein.
Der Berg war nie ein Berg.
Der Berg ist ein Berg.

— Edvard Kocbek

What Happens to the Mountain greift auf literarische Quellen, Late-Night-Radio und alte Legenden zurück, um eine psycho-geografische Erfahrung in einer heiligen Landschaft zu beschwören. Ein Fernfahrer, ein Drifter, reist aus einer unbeständigen Realität in eine Vision des Jenseits, die vom Geist des Berges hervorgerufen wird.

Born to be Yves Klein Blue 4:53 (USA) 2016

Ein Bild blinkt auf dem Bildschirm auf. Der jugendliche Spitzel Richard Brun, 19, leuchtet an der Stelle, an die wo die Leichen der beiden Schwestern Gretchen, 17, und Wendy, 13, von ihrem Mörder Charles Schmid, 23, in die Wüste geschleppt wurden, aber nun nicht mehr gefunden werden können.

Der Film ist eine Improvisation, ein Gedicht, ein Lied, blaue Nächte in Palm Desert. Inspiriert von den Filmen von Vincent Grenier, Magiern, Rebecca Solnit und „Yves Klein Speaks!“

Vesuvius at Home 14:06 (USA/ITALIEN) 2018

Vulkane sind in Sizilien
Und in Südamerika
Ich urteile nach meiner Geographie.
Vulkane näher hier
Ein Lava Schritt zu jeder Zeit
Bin ich geneigt zu klettern.
Ein Krater, den ich besichtigen kann
Vesuvius zu Hause.

— Emily Dickinson

Eine fantastische Reise von der Nachstellung des Untergangs von Pompeji in der Kindheit der Filmemacherin über Jahrzehnte und den Untergang bis hin zur Höhle der Sibylle, in der sie die Symbiose des Vesuvs mit dem Kino, der Erinnerung und Giambattista Vicos Zeitspirale entdeckt.

Land Rebel 2:00, (USA) 2018

Der Wind des Wandels dreht die Räder des Schicksals in Tularosa, New Mexico. Im Windschatten der Atombombenabwurfstelle in Alamogordo baut ein Mann mit Blumen in der Tasche – ein Land Rebel – einen buddhistischen Schrein, um ein Gegengewicht zum Strudel von Macht und Zerstörung zu schaffen.

Der Stein zu Wörlitz 5:10 (DEUTSCHLAND) 2019

„Vor mir steht der Vesuv. Nun wirf Flammen und Rauch. Ein außergewöhnliches Schauspiel! Stell dir ein riesiges Feuerwerk vor, das nicht eine Minute lang aufhört“

– Nikolai Wassiljewitsch Gogol

Eine erfahrungsbasierte Antwort auf den Wikipedia-Eintrag über den künstlichen Nachbau des Vesuvs in Wörlitz, Deutschland, und ein Dokument seines letzten Ausbruchs mit Pyrotechnik, gefilmt im Sommer 2019.

A Dream in Red 11:07 (UK/USA) 2020

Eine poetische, zeitreisende Meditation über eine ökologische Katastrophe mittels einer handbearbeiteten Schwarz-Weiß16mm-Montage von Menschen, die sich in einem mehrdeutigen Setting und Zeitrahmen verstecken. Indem er vom Zeitlichen zur ursprünglichen Erfahrung des Unbekannten übergeht, deuten allmähliche Hinweise subtil darauf hin, dass der Schauplatz Pompeji während des Vulkanausbruchs ist. In der Folgezeit tastet sich eine Frau ohne Augenlicht Weg in eine ungewisse Zukunft. Das Musikprojekt C H A I N E S der nicht-binären Komponistin Cee Haines begleitet das visuelle Werk mit einer dynamischen, modularen Partitur mit Live-Musikern und Elektronik.

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Vorschau 2023

8. Februar – 12. April 2023

Nándor Angstenberger

Eröffnung 7. Februar um 19 Uhr

 

26. April – 25. Juni 2023

Astrid Busch

Eröffnung 18. April um 19 Uhr

 

5. Juli – 10. September 2023

ALLES V

Eröffnung 4. Juli um 19 Uhr

 

20. September – 19. November 2023

Robert Gschwantner

Eröffnung 19. September um 19 Uhr

 

29. November – 6. Februar 2024

Susanne Britz

Eröffnung 28. November um 19 Uhr

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Bild: Manfred Michl (Filmstill)

Foto: Thomas Bruns, R.J. Kisch, Stillleben

Sonja Alhäuser

Deutscher Riese – weiß, 2006, 0:45 min
Trickfilm-Loop mit 86 Bildzeichnungen

Das Stempeln der Zeichnungen, 2006, 4:05 min
Performance zur Ausstellung “Vom Pferd erzählen”, Kunsthalle Göppingen /Film Sohl Media

Zuckerspur, 2016, 6:15 min
Performance, UM Festival, Uckermark, Film Privat Media

R.J. Kirsch

Shadog, 2015, 0:41 min
Schattenwurf eines Hundes im Lauf

Stillleben, 2009, 12:33 min
Bälle, Flaschen und Plastikmüll sind gefangen in den Strudeln eines Stauwehrs

Manfred Michl

Untergang und Bergung der Titanic aus der Sicht des geistig behinderten Menschen, 2021, 21 min

Hans Zerban lernte ich durch meine Tätigkeit als Nachtwache in einer Wohngruppe der Lebensorte Berlin, eine Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen kennen.
In Gesprächen mit ihm während meiner Nachtdienste brachte Herr Zerban seine Vorliebe für Filme und Geschichten die von Katastrophen handeln, zum Ausdruck. Herr Zerban war besonders berührt vom Schicksal der Titanic. Ihn begeisterte die Vorstellung, die Titanic bergen zu wollen so sehr, dass er fest entschlossen war, ein Schiff zu entwerfen, welches in der Lage sein sollte, das Wrack der Titanic zu bergen.
Aus der Idee, die Titanic bergen zu wollen wurde ein nächtliches Kunstprojekt das über 12 Jahre dauerte.
Um das Projekt abzuschließen, schien mir ein Film, in dem Hans Zerban als Hauptdarsteller agiert und somit seine Idee hautnah erleben kann, am geeignetsten.
Im Jahre 2012 verwirklichten wir unseren Plan einen Film über unsere Zusammenarbeit  zu drehen. Die Dreharbeiten dauerten sechs Monate.

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Bild: R.J. Kirsch, Hai

Tierisch

Sonja Alhäuser, Ingmar Bruhn, Kyung-hwa Choi-ahoi, R. J. Kirsch,
Manfred Michl,  Susanne Ring

Eröffnung am Dienstag, 29. November um 19 Uhr

und zeigt, bis zum 25. Januar 2023, mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln Ansichten von Tieren.

 

Sonja Alhäuser zeichnet viele Tiere die als Nahrung eine Rolle spielen und beschreibt etwa den Prozess der Zubereitung. In letzter Zeit nehmen auch Pferde in ihrem Werk einen größeren, nicht kulinarischen, Raum ein.

Ingmar Bruhn konzentriert sich in seiner Malerei auf Wildtiere, die er mit groben Strich in ihrer Unnahbarkeit einfängt.

Kyung-hwa Choi-ahoi erzählt in ihren Zeichnungen Geschichten, die sich mit dem Verhältnis der Menschen zu ihren (Haus-) Tieren beschäftigen.

R. J. Kirsch malt in kräftigen Farben „Tiere in Öl“, deren Motivvorlagen er dem allgemeinen medialen Bilderstrom entnimmt.

Manfred Michl betrachtet in seiner Malerei und Zeichnung das miteinander von Tier und Mensch.

Susanne Ring beschäftigt sich in ihrem skulpturalen Werk auch mit tierischen Formen, die unwirklich erscheinen können aber immer auf etwas Tierisches verweisen.

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Bild: Za Zelazna Brama, Heidrun Holzfeind, Filmstill 2009

Filmreihe im Rahmen des Jubiläums 50 Jahre Fennpfuhl

50 Jahre Utopie

Eine Filmreihe zu gebauten Utopien, deren Scheitern und anderen Entwicklungen.

Donnerstag, 8. September 2022 um 19 Uhr

Za Zelazna Brama, Heidrun Holzfeind (USA/Polen/Österreich 2009, 55 min)

Nine Palms, Christoph Draeger, Heidrun Holzfeind
 (Österreich/Indien 2018, 23 min)

Wie lebt es sich in gebauten Symbolen des sozialen und technischen Fortschritts? Heidrun Holzfeinds Dokumentarfilm Za Zelazna Brama (Hinter dem Eisernen Tor) erlaubt einen Einblick in das Alltagsleben der Bewohner*innen von 19 Wohnblöcken, die zwischen 1965 und 1972 im Herzen von Warschau nach modernistischen Prinzipien errichtet wurden. Dort, wo einst Arbeiter*innen, Akademiker*innen und Funktionär*innen zu Hause waren, wohnen Ende der Nuller Jahre vorwiegend Rentner*innen, junge Ehepaare und Studierende. Sie öffnen ihre Wohnungstüren und sprechen über die Vorzüge und Nachteile einer Architektur, die per Gesetz 11 qm Wohnraum pro Person vorsah. Den zweiten Film des Abends, Nine Palms (Neun Palmen), drehte Heidrun Holzfeind zusammen mit Christoph Draeger im Rahmen eines groß angelegten Ausstellungsprojekts über die im Jahr 1968 von der französischen Philosophin Mira Alfassa (aka die Mutter) gegründete internationale Siedlungsgemeinschaft Auroville im Südosten Indiens. Am Beispiel einer deutschen Familie, die ein Stück Land in Auroville nachhaltig bewirtschaftet, gehen Draeger und Holzfeind der Frage nach, ob und wie die 50 Jahre alten Ideale des sozialen und städtebaulichen Experiments in der zweiten und dritten Generation fortwirken.

Ausgewählt von Florian Wüst. Anschließendes Publikumsgespräch mit Christoph Draeger und Heidrun Holzfeind.

Donnerstag, 6. Oktober 2022 um 19 Uhr

Nele Saß zeigt einen Film von Axel Ranisch

Dicke Mädchen (Deutschland 2012, 76 min)

Der Debutfilm von Axel Ranisch fungierte als Auftaktfilm eines „Sehr guten Manifestes“, einer Erklärung deutscher Filmemacher*innen als Aufruf zu mehr Experiment, Intuition und Wahrhaftigkeit beim Filmemachen, wonach gute Filme – so wie man es von den amerikanischen Mumblecore-Filmen (die im Manifest nicht erwähnt werden) kennt – nicht vom Budget abhingen, sondern von einer ‚intakten‘ Filmfamilie, ihrem tragikomischen Ansatz und einem für Improvisationen aller Beteiligten offenen, nicht vollendet ausgeführten Drehbuch.

Infolgedessen spielt Dicke Mädchen, ebenso wie Ranischs nächster Film Ich fühl mich Disco (2013) auch im ganz normalen Lichtenberg, konkret im Fennpfuhl, wo Ranisch auch aufwuchs.

Die gerne vorgezeigten ‚Glanz’fassaden des Bezirks – etwa die Trabrennbahn Karlshorst, das Mies-van-der-Rohe Haus, das Don-Xuan-Center oder der Naturhof Malchow bleiben hier außen vor…

Dicke Mädchen handelt von einer Kleinfamilie (im Plattenbau) – dem mittelalten Sven, seiner an Demenz erkrankten Mutter (besetzt mit seiner Großmutter, der Schauspielerin Ruth Bickelhaupt) und Daniel, der während Svens Arbeitszeit auf Edeltraut aufpasst. Das gelegentlich auch auf der Straße spielende Kammerspiel bedient auf verschiedenen Ebenen auch die großen Emotionen und lässt die Entstehung einer echten Liebesgeschichte den Zuschauer quasi hautnah miterleben (denn der Film wurde mit einer Mini-DV-Kamera gedreht) – an dieser wiederum wachsen die Protagonist*innen über sich selbst hinaus, wie man das von Liebesgeschichten kennt. Eine Utopie im Kleinen somit.

Donnerstag, 3. November 2022 um 19 Uhr

Michael Freerix zeigt einen Film von Andrea Luka Zimmermann

Estate, a Reverie (Großbritanien, 2015, 83 min)

Großbritannien unternahm in den fünfziger Jahren Riesenanstrengungen, um den großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum nachzukommen. Große Areale mit ‚Sozialwohnungen‘ entstanden, die ansprechenden Wohnraum bei einer niedrigen Miete boten. Doch im Laufe der Jahre sank der soziale Status gerade dieser Wohngegenden, die von sozialer Verwahrlosung gekennzeichnet waren. Schließlich löste die britische Regierung häufig das Problem, indem sie die Wohnareale entmietete und die Häuser abriss, weil Sanierung ‚zu teuer‘ schien und sie auch kein politisches Konzept hatte, wie sich der schlechte Ruf dieser ‚Sozialwohungen‘ überhaupt verbessern ließ. Über einen Zeitraum von sieben Jahren gedreht verfolgt Estate, a Reverie diesen Prozess an Hand eines Sozialwohnungsareales im südlichen London.

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Filmstill: Rohre, Sven Boeck, 2020

Kurzfilme Sven Boeck

Sven Boeck wurde 1965 in Berlin geboren. Nach einer Ausbildung zum Mechaniker, Beschäftigungen als Kameraassistent, Regieassistent und Editor beim Fernsehen der DDR, studierte Sven Boeck ab 1987 in einem externen Fachschulstudium Regie. 1990 gründete er mit anderen Partnern aus der Medienbranche die Firma KOPPFILM, deren Geschäftsführer er bis 2010 war. Nach einer Umschulung zum Steuerfachangestellten arbeitet er seit 2015 beim Satiremagazin Eulenspiegel als Geschäftsführer und Verlagsleiter.

SMV 8.5, 2022, Länge: 11:24

Das Selektive Mikrovoltmeter ist ein Empfänger und Messgerät für hochfrequente Signale. Als Mechanikerlehrling beim VEB Messelektronik baute ich Geräte wie dieses zusammen. Ich habe eines am Anfang des Jahres bei eBay gekauft. Mit Bildern aus dem Gerät und Tönen empfangen von ihm erinnere ich mich an meine Zeit als Mechaniker zurück.

Beratung: Christina Schmidt

Stopmotion 1985, 1985/2020 Länge: 1:53

Ein Fundstück bei Überspielen von alten Filmmaterialien. Dieser Versuch aus dem Jahr 1985 auf 16mm-Film mit einer russischen Krasnogorsk-Kamera ist durch Lichteinfall an der Spiegelumlaufblende beschädigt. Die Filmrolle blieb ungeschnitten bei mir liegen, dadurch kam sie im Gegensatz zu meinen fertiggestellten frühen Experimentalarbeiten nicht in den Abfall bei der Abwicklung von Koppfilm. Die Musik ist von Hans Schanderl (www.hansschanderl.de).

Rohre, 2020 Länge: 5:33

Eine heimatkundliche Wanderung entlang von Heizungsrohren in Berlin. Luftaufnahmen via Google Earth Pro, Musik: Hans Schanderl, Beratung: Christina Schmidt, David Jeremy Achilles

Autofahren DDR 1988, 2019 Länge: 7:16

Material aus meiner Videoinstallation für die Ausstellung „Memo Abakus“ im Mai 2019 in Berlin. Die Fotos wurden im Jahr 1988 von mir aufgenommen. Der Verkehr bewegt sich an uns endlos vorbei, die Fahrenden bewegen sich vom Lichten ins Dunkle.

OSTKREUZ – Susanne lebt hier nicht mehr, 2022, Länge: 12:16

Die Gegend um den Bahnhof Ostkreuz kenne ich schon sehr lange. Als wir Ende 2019 mit dem Satiremagazin „Eulenspiegel“ (für das ich arbeite) dort hinzogen, erinnerte ich mich an die Geschichte, die ich dreißig Jahre zuvor über Susanne und diese Gegend schrieb. Susanne lebt hier nicht mehr, aber im Traum habe ich sie noch einmal getroffen, wenn sie den Ort ihrer Kindheit aufsucht. Autor, Kamera und Regie: Sven Boeck, Montage: Jürgen Winkelblech

LENINGRAD – Siegesgewiss strahlen die Bilder, 2020, Länge: 5:17

Einige Dutzend Dias (eines aus Wolgograd), Souvenirkauf eines Touristen in den siebziger Jahren, die Farben an den Rändern gebleicht durch chemische Ausdünstungen, von mir übereinandergelegt beginnen sie in surrealen Farben zu leuchten. Ist das noch sozialistischer Realismus? Musik: Hans Schanderl www.hansschanderl.de

Mauer, 2020 Länge: 4:55

Gedanken an der Berliner Mauergedenkstätte. Beratung: Christina Schmidt, Meeresbilder von Bord der MV Ocean Viking im zentralen Mittelmeer, (c) Flavio Gasperini/ SOS MEDITERRANEE und von www.pexels.com

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Bild: Fennpfuhl, Thomas Bruns, 2022

50 Jahre Utopie

Holger Biermann, Thomas Bruns, Marula Di Como,

Birgit Szepanski, Lukas Troberg

Die Ausstellung 50 Jahre Utopie Eröffnet am 30. August 2022 um 19 Uhr und zeigt, bis zum 23. November 2022, einen Blick mit künstlerischen Mitteln auf das urbanen Gebilde Fennpfuhl.Wie lebt es sich in der gebauten Utopie?

Holger Biermann fängt mit seiner situativen Straßenfotografie das alltägliche Leben in diesem Gebiet ein, er bewegte sich über Wochen im Fennpfuhl um die Motive zu finden.

Thomas Bruns raumhoch plakatierte Architekturfotografien vermitteln die atemberaubende Urbanität des Areals. Er kombiniert sie mit Fotografien der Skulpturen und des Freizeitangebots aus dem Fennpfuhl-Park.

Marula Di Como und Birgit Szepanski beziehen sich in ihren installativen Arbeiten auf historische Aspekte der Hochhaussiedlung.

Marula Di Como verwendet Holzelemente, mit denen sie Entscheidungsmomente der Planung und Entstehung des Viertels aktualisiert.

Birgit Szepanski setzt sich in ihrer textilen Installation mit der Realität der Obdachlosigkeit auseinander, die im Fennpfuhl in der DDR nicht und heute nur teilweise sichtbar ist.

Lukas Troberg macht die funktionale Architektur des Gebietes zum Thema und setzt Lüftungsrohre, verbogene Poller und Schutzbügel als extravagante Gäste der Ausstellung in Szene.

Sie scheren sich sichtlich nicht darum, was andere denken und setzen ihre Exklusivität übermäßig auffällig in Szene. So sehr, dass man den Eindruck bekommen könnte, sie hätten ihr Erscheinungsbild in Gedanken an das Publikum gewählt, von dem sie sich eigentlich abgrenzen wollten…