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Bild: Za Zelazna Brama, Heidrun Holzfeind, Filmstill 2009

Filmreihe im Rahmen des Jubiläums 50 Jahre Fennpfuhl

50 Jahre Utopie

Eine Filmreihe zu gebauten Utopien, deren Scheitern und anderen Entwicklungen.

Donnerstag, 8. September 2022 um 19 Uhr

Za Zelazna Brama, Heidrun Holzfeind (USA/Polen/Österreich 2009, 55 min)

Nine Palms, Christoph Draeger, Heidrun Holzfeind
 (Österreich/Indien 2018, 23 min)

Wie lebt es sich in gebauten Symbolen des sozialen und technischen Fortschritts? Heidrun Holzfeinds Dokumentarfilm Za Zelazna Brama (Hinter dem Eisernen Tor) erlaubt einen Einblick in das Alltagsleben der Bewohner*innen von 19 Wohnblöcken, die zwischen 1965 und 1972 im Herzen von Warschau nach modernistischen Prinzipien errichtet wurden. Dort, wo einst Arbeiter*innen, Akademiker*innen und Funktionär*innen zu Hause waren, wohnen Ende der Nuller Jahre vorwiegend Rentner*innen, junge Ehepaare und Studierende. Sie öffnen ihre Wohnungstüren und sprechen über die Vorzüge und Nachteile einer Architektur, die per Gesetz 11 qm Wohnraum pro Person vorsah. Den zweiten Film des Abends, Nine Palms (Neun Palmen), drehte Heidrun Holzfeind zusammen mit Christoph Draeger im Rahmen eines groß angelegten Ausstellungsprojekts über die im Jahr 1968 von der französischen Philosophin Mira Alfassa (aka die Mutter) gegründete internationale Siedlungsgemeinschaft Auroville im Südosten Indiens. Am Beispiel einer deutschen Familie, die ein Stück Land in Auroville nachhaltig bewirtschaftet, gehen Draeger und Holzfeind der Frage nach, ob und wie die 50 Jahre alten Ideale des sozialen und städtebaulichen Experiments in der zweiten und dritten Generation fortwirken.

Ausgewählt von Florian Wüst. Anschließendes Publikumsgespräch mit Christoph Draeger und Heidrun Holzfeind.

Donnerstag, 6. Oktober 2022 um 19 Uhr

Nele Saß zeigt einen Film von Axel Ranisch

Dicke Mädchen (Deutschland 2012, 76 min)

Der Debutfilm von Axel Ranisch fungierte als Auftaktfilm eines „Sehr guten Manifestes“, einer Erklärung deutscher Filmemacher*innen als Aufruf zu mehr Experiment, Intuition und Wahrhaftigkeit beim Filmemachen, wonach gute Filme – so wie man es von den amerikanischen Mumblecore-Filmen (die im Manifest nicht erwähnt werden) kennt – nicht vom Budget abhingen, sondern von einer ‚intakten‘ Filmfamilie, ihrem tragikomischen Ansatz und einem für Improvisationen aller Beteiligten offenen, nicht vollendet ausgeführten Drehbuch.

Infolgedessen spielt Dicke Mädchen, ebenso wie Ranischs nächster Film Ich fühl mich Disco (2013) auch im ganz normalen Lichtenberg, konkret im Fennpfuhl, wo Ranisch auch aufwuchs.

Die gerne vorgezeigten ‚Glanz’fassaden des Bezirks – etwa die Trabrennbahn Karlshorst, das Mies-van-der-Rohe Haus, das Don-Xuan-Center oder der Naturhof Malchow bleiben hier außen vor…

Dicke Mädchen handelt von einer Kleinfamilie (im Plattenbau) – dem mittelalten Sven, seiner an Demenz erkrankten Mutter (besetzt mit seiner Großmutter, der Schauspielerin Ruth Bickelhaupt) und Daniel, der während Svens Arbeitszeit auf Edeltraut aufpasst. Das gelegentlich auch auf der Straße spielende Kammerspiel bedient auf verschiedenen Ebenen auch die großen Emotionen und lässt die Entstehung einer echten Liebesgeschichte den Zuschauer quasi hautnah miterleben (denn der Film wurde mit einer Mini-DV-Kamera gedreht) – an dieser wiederum wachsen die Protagonist*innen über sich selbst hinaus, wie man das von Liebesgeschichten kennt. Eine Utopie im Kleinen somit.

Donnerstag, 3. November 2022 um 19 Uhr

Michael Freerix zeigt einen Film von Andrea Luka Zimmermann

Estate, a Reverie (Großbritanien, 2015, 83 min)

Großbritannien unternahm in den fünfziger Jahren Riesenanstrengungen, um den großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum nachzukommen. Große Areale mit ‚Sozialwohnungen‘ entstanden, die ansprechenden Wohnraum bei einer niedrigen Miete boten. Doch im Laufe der Jahre sank der soziale Status gerade dieser Wohngegenden, die von sozialer Verwahrlosung gekennzeichnet waren. Schließlich löste die britische Regierung häufig das Problem, indem sie die Wohnareale entmietete und die Häuser abriss, weil Sanierung ‚zu teuer‘ schien und sie auch kein politisches Konzept hatte, wie sich der schlechte Ruf dieser ‚Sozialwohungen‘ überhaupt verbessern ließ. Über einen Zeitraum von sieben Jahren gedreht verfolgt Estate, a Reverie diesen Prozess an Hand eines Sozialwohnungsareales im südlichen London.

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Filmstill: Rohre, Sven Boeck, 2020

Kurzfilme Sven Boeck

Sven Boeck wurde 1965 in Berlin geboren. Nach einer Ausbildung zum Mechaniker, Beschäftigungen als Kameraassistent, Regieassistent und Editor beim Fernsehen der DDR, studierte Sven Boeck ab 1987 in einem externen Fachschulstudium Regie. 1990 gründete er mit anderen Partnern aus der Medienbranche die Firma KOPPFILM, deren Geschäftsführer er bis 2010 war. Nach einer Umschulung zum Steuerfachangestellten arbeitet er seit 2015 beim Satiremagazin Eulenspiegel als Geschäftsführer und Verlagsleiter.

SMV 8.5, 2022, Länge: 11:24

Das Selektive Mikrovoltmeter ist ein Empfänger und Messgerät für hochfrequente Signale. Als Mechanikerlehrling beim VEB Messelektronik baute ich Geräte wie dieses zusammen. Ich habe eines am Anfang des Jahres bei eBay gekauft. Mit Bildern aus dem Gerät und Tönen empfangen von ihm erinnere ich mich an meine Zeit als Mechaniker zurück.

Beratung: Christina Schmidt

Stopmotion 1985, 1985/2020 Länge: 1:53

Ein Fundstück bei Überspielen von alten Filmmaterialien. Dieser Versuch aus dem Jahr 1985 auf 16mm-Film mit einer russischen Krasnogorsk-Kamera ist durch Lichteinfall an der Spiegelumlaufblende beschädigt. Die Filmrolle blieb ungeschnitten bei mir liegen, dadurch kam sie im Gegensatz zu meinen fertiggestellten frühen Experimentalarbeiten nicht in den Abfall bei der Abwicklung von Koppfilm. Die Musik ist von Hans Schanderl (www.hansschanderl.de).

Rohre, 2020 Länge: 5:33

Eine heimatkundliche Wanderung entlang von Heizungsrohren in Berlin. Luftaufnahmen via Google Earth Pro, Musik: Hans Schanderl, Beratung: Christina Schmidt, David Jeremy Achilles

Autofahren DDR 1988, 2019 Länge: 7:16

Material aus meiner Videoinstallation für die Ausstellung „Memo Abakus“ im Mai 2019 in Berlin. Die Fotos wurden im Jahr 1988 von mir aufgenommen. Der Verkehr bewegt sich an uns endlos vorbei, die Fahrenden bewegen sich vom Lichten ins Dunkle.

OSTKREUZ – Susanne lebt hier nicht mehr, 2022, Länge: 12:16

Die Gegend um den Bahnhof Ostkreuz kenne ich schon sehr lange. Als wir Ende 2019 mit dem Satiremagazin „Eulenspiegel“ (für das ich arbeite) dort hinzogen, erinnerte ich mich an die Geschichte, die ich dreißig Jahre zuvor über Susanne und diese Gegend schrieb. Susanne lebt hier nicht mehr, aber im Traum habe ich sie noch einmal getroffen, wenn sie den Ort ihrer Kindheit aufsucht. Autor, Kamera und Regie: Sven Boeck, Montage: Jürgen Winkelblech

LENINGRAD – Siegesgewiss strahlen die Bilder, 2020, Länge: 5:17

Einige Dutzend Dias (eines aus Wolgograd), Souvenirkauf eines Touristen in den siebziger Jahren, die Farben an den Rändern gebleicht durch chemische Ausdünstungen, von mir übereinandergelegt beginnen sie in surrealen Farben zu leuchten. Ist das noch sozialistischer Realismus? Musik: Hans Schanderl www.hansschanderl.de

Mauer, 2020 Länge: 4:55

Gedanken an der Berliner Mauergedenkstätte. Beratung: Christina Schmidt, Meeresbilder von Bord der MV Ocean Viking im zentralen Mittelmeer, (c) Flavio Gasperini/ SOS MEDITERRANEE und von www.pexels.com

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Bild: Fennpfuhl, Thomas Bruns, 2022

50 Jahre Utopie

Holger Biermann, Thomas Bruns, Marula Di Como,

Birgit Szepanski, Lukas Troberg

Die Ausstellung 50 Jahre Utopie Eröffnet am 30. August 2022 um 19 Uhr und zeigt, bis zum 23. November 2022, einen Blick mit künstlerischen Mitteln auf das urbanen Gebilde Fennpfuhl.Wie lebt es sich in der gebauten Utopie?

Holger Biermann fängt mit seiner situativen Straßenfotografie das alltägliche Leben in diesem Gebiet ein, er bewegte sich über Wochen im Fennpfuhl um die Motive zu finden.

Thomas Bruns raumhoch plakatierte Architekturfotografien vermitteln die atemberaubende Urbanität des Areals. Er kombiniert sie mit Fotografien der Skulpturen und des Freizeitangebots aus dem Fennpfuhl-Park.

Marula Di Como und Birgit Szepanski beziehen sich in ihren installativen Arbeiten auf historische Aspekte der Hochhaussiedlung.

Marula Di Como verwendet Holzelemente, mit denen sie Entscheidungsmomente der Planung und Entstehung des Viertels aktualisiert.

Birgit Szepanski setzt sich in ihrer textilen Installation mit der Realität der Obdachlosigkeit auseinander, die im Fennpfuhl in der DDR nicht und heute nur teilweise sichtbar ist.

Lukas Troberg macht die funktionale Architektur des Gebietes zum Thema und setzt Lüftungsrohre, verbogene Poller und Schutzbügel als extravagante Gäste der Ausstellung in Szene.

Sie scheren sich sichtlich nicht darum, was andere denken und setzen ihre Exklusivität übermäßig auffällig in Szene. So sehr, dass man den Eindruck bekommen könnte, sie hätten ihr Erscheinungsbild in Gedanken an das Publikum gewählt, von dem sie sich eigentlich abgrenzen wollten…

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Foto: Uwe Jonas, 250 Jahre Humboldt, Humboldt-Forum, September 2019

ALLES IV

Die Ausstellung ALLES IV Eröffnet am 21.Juni 2022 um 19 Uhr und gibt, bis zum 24. August 2022, mit Werken von Fotografie bis Ölmalerei, aber auch Skulpturen und Videos, einen Einblick in das Schaffen der bildenden Künste.

Dem studio im HOCHHAUS ist es immer ein Anliegen, die aktuellen Strömungen in der Bildenen Kunst zu zeigen, um den Bewohner*innen Neu-Hohenschönhausens die Möglichkeit zu bieten, abseits der Hotspots des Kunstbetriebes einen Einblick in die aktuelle Kunstproduktion werfen zu können.

Das studio im HOCHHAUS füllt seine Räume bis unter die Decke mit ALLEM was die teilnehmenden Künster*innen hergeben, und bildet dabei eine Bandbreite des Schaffens ab, die es jede(m/r) Besucher*in ermöglicht, Werke gewahr zu werden die ihr oder ihm gefallen. Auch fordert die Ausstellung von den Besucher*innen Zeit und Geruhsamkeit um durch die Räume zu streifen, zu flanieren, und so immer wieder Neues entdecken zu können.

Mit: Sonja Alhäuser – Michelle Alperin & Joe Neave – Elisabeth Ajtay – Nándor Angstenberger – Martin Assig – bankleer – Heike Kati Barath – Claudia Barcheri – Horst Bartnig – Jürgen Baumann – Michael Bause – Kai-Annett Becker – Matthias Beckmann – Nora Below – Benjamin Berkow – Holger Biermann – Boisseau & Westermeyer – Manuel Bonik – Patrick Borchers – Gunnar Borbe – Kai Bornhöft – Nick Bötticher – David Braithwaite – Thomas Bruns – Ingmar Bruhn – Astrid Busch – Dirk Busch – Alexander Callsen/Boris Jöns – Salomé Chkheidze-Mohs – Herbert De Colle – Marula di Como – Chris Costan – Swen Daemen – Henrike Daum – Ole Debovary – Dellbrügge & de Moll – Helmut Dick – Andreas Drewer – Irena Eden & Stijn Lernout – Manfred Eichhorn – Jürgen Eisenacher – Dana Engfer – Carola Ernst – Sabine Fassl – Christel Fetzer – Frederik Foert – Franziska Frey – Sabine Friesicke – Catherine Gerberon – Ingo Gerken – Katrin Glanz – Christian Grosskopf – Thorsten Goldberg – Carola Göllner – Kerstin Gottschalk – Reinhold Gottwald – Massoud Graf–Hachempour – Kim Dotty Hachmann & Ginny Sykes – Ulrich Hakel – Zandra Harms – Klaus Hartmann – Lisa Haselbek – Michael Hauffen – Tanja Hehn – Tina Isabella Hild – Gerhard Himmer – Annika Hippler – Alekos Hofstetter – Birgit Hölmer – Ralf Homann – Fabian Hub – Irène Hug – Franziska Hünig – Anja Ibsch – Andrea Imwiehe – Verena Issel – Gunilla Jähnichen – Zora Janković – Gabriele Jerke – Uwe Jonas – Jae-Eun Jung – Yuki Jungesblut – Nikos Kalaitzis – Martin Kaltwasser – Mi Jean Kang – Judith Karcheter – Peter Kees – Werner Kernebeck – Annette Kisling – Ulrike & Günther-Jürgen Klein – Andreas Knäbel – Win Knowlton – Andreas Koch – Silke Koch – Susanne Kohler – Eva–Maria Kollischan – Karen Koltermann – Marcel Kopp – Ruppe Koselleck – Andreas Kotulla – Inge Krause – Käthe Kruse – Annette Kuhl – Susanne Kutter – Kim Eun Kyoung – Chantal Labinski – Michael Lapuks – Seraphina Lenz – Pia Linz – Agnes Lörincz – Petra Lottje – Antonia Low – Liz Magno – Enikö Márton – Rei Matsushima – Matthias Mayer – Udo Meinel – Manfred Michl – Hanako Miyamoto – Ulrike Mohr – Mariella Mosler – Leo de Munk – Berit Myrebøe – Christophe Ndabananiye – Silvia Nettekoven – Ursula Neugebauer – Gertrud Neuhaus – Gabriele Obermaier – Lorcan O’Byrne – Mayumi Okabayashi – Juergen O. Olbrich – Jürgen Palmtag – Jürgen Paas – Günther Pedrotti – Roman Pfeffer – Pfelder – Andrea Pichl – Torsten Prothmann – Katja Pudor – Emily Pütter – Maria-Leena Räihälä – Andrea van Reimersdahl – Roland Reiter – Mirja Reuter – Gerda Riechert – Kai Richter – Renèe Ridgway – Matthias Roth – rasso rottenfusser – Robert Rudigier – Andreas Sachsenmaier – Maike Sander – Matthias Schamp – Gisela Schattenburg – Alexandra Schlund – An Seebach – Olivia W. Seiling – Daniel Seiple – Spunk Seipel – Fabian Seiz – Soji Shimizu – Soyoung Shon – Jan-Peter E.R. Sonntag – Elisabeth Sonneck – Christina Speer – Petra Spielhagen – Ute Sroka – Anne Staszkiewicz – Alexander Steig – Christian Stock – Stock‘n‘Wolf – Tommy Støckel – Kamil Sobolewski – ststs – Sven Stuckenschmidt – Betty Stürmer – Max Sudhues – Caro Suerkemper – Lorant Szathmary – Gaby Taplick – Anke Teichel – Thea Timm – Peter Torp – Lukas Troberg – Andrea Übelacker – Anne Ullrich – Timm Ulrichs – Anke Völk – Klaus Walter – Christine Weber – Ute Weiss Leder – Markus Willeke – HS Winkler – René Wirths – Andreas Wolf – Gisela Wrede – Simone Zaugg – Barbara Zenner – Maike Zimmermann – Edgar Zippel – Sandra Zuanovic

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Bild: Matthias Roth, Landscape I, videostill

Mit Beiträgen von:

Michelle Alperin & Joe Neave, Boisseau & Westermeyer, Patrick Borchers, Henrike Daum, Helmut Dick, Andreas Drewer, Kim Dotty Hachmann & Ginny Sykes, Yuki Jungesblut, Peter Kees, Ruppe Koselleck, Hanako Miyamoto, Matthias Roth und Stock‘n‘Wolf

Nervous Belly, 2020/2022

Michelle Alperin & Joe Neave

2:18 min, no sound

Jedes Bild in dem Video Nervous Belly von Michelle Alperin und Joe Neave wurde einzeln von Hand auf Papier gezeichnet. In Nervous Belly geht es um Intimität: Eine Frau möchte den Bauch ihres Mannes reiben und er möchte, dass sie ihn reibt. Aber er will nicht, dass sie seine Rundheit bemerkt. Aus diesem Grund versucht er, seinen Bauch einzuziehen, bevor sie sein T-Shirt anhebt. Manchmal gelingt es ihm, seinen Bauch einzuziehen, bevor sie sein T-Shirt hochzieht, aber manchmal ist sie schneller und die Rundungen liegen frei. In jedem Fall reibt sie seinen Bauch und versetzt beide in einen beruhigenden, hypnotisierenden Zustand der Glückseligkeit. Wozu sich schämen, wenn man so viel Vergnügen haben kann?

Der Freie Mensch – mit KI, 2019

Boisseau & Westermeyer

7:43 min

»Der Mensch fragt – die Maschine antwortet« bildet das Ausgangsdispositiv, mit dem Boisseau & Westermeyer ihre Hauptfigur ƒ konfrontieren. Was geschieht, wenn der Inhalt der Information optimiert wird und der Zugang zu ihr jederzeit möglich und unbegrenzt ist? Kennt der Algorithmus ƒ besser als dieser sich selbst? Lässt sich die Persönlichkeit von ƒ überhaupt noch nachweisen? Ist der Blick, mit dem er auf sich selbst schaut, noch der seine oder ist er zu jenem des Algorithmus geworden? Sind seine Erwartungen die eigenen oder hat er bereits den Algorithmus verinnerlicht? Das Fragen des Freien Menschen mit KI scheint keine Grenzen zu kennen, doch was geschieht, wenn alles Un-bekannte einmal beseitigt worden ist?

sunrise, 2010

Patrick Borchers

8:39 min

Nutsmasté, 2022

Henrike Daum

1:18 min

Plant Songs 3: Wegwarte / Blue dandelion, 2021

Helmut Dick

2:15 min

Ausgangspunkt von PLANT SONGS sind gepfiffene, selbst komponierte Melodien für drei bestimmte Pflanzen. Mit gebetsmühlenartigen Bewegungen steht die Arbeit zwischen Huldigung und Selbstvergessenheit und bezieht sich auf die Grenzen menschlichen Wahrnehmens und Kommunizierens in Relation zu anderen Lebensformen / Pflanzen.

GROSSE VÖGEL, KLEINE VÖGEL, 2022

Andreas Drewer

2:30 min

Ein flacher Gitterkorb ist an der Ecke eines Geländers befestigt. Von links hüpft eine Amsel heran und beginnt, das Vogelfutter im Korb zu fressen. Die Amsel fliegt wieder weg und sofort erscheint von links eine Taube und von vorne eine Blaumeise an der Futterstelle. Die Blaumeise verschwindet nach kurzer Zeit wieder, als von rechts eine Krähe heranfliegt. In einer weiteren Szene jedoch sind die drei ungleichen Vögel ganz nah und friedlich beieinander zu sehen. „Streitigkeiten“ entstehen ausschließlich zwischen zwei Tauben: Eine Taube wird von einer anderen immer wieder vom Futter flügelschlagend verjagt.

healing grounds, 2013

Kim Dotty Hachmann & Ginny Sykes

3:00 min

healing grounds zeigt die schnellen Veränderungen in Berlin-Friedrichshain. In kurzer Zeit wurden die sogenannten “Brachen”, freie städtischen Grünflächen, durch exklusive Appartment- und Wohnhäuser ersetzt. Das Video dokumentiert eine Intervention im öffentlichen Raum, in der wir auf poetische Weise die Aufmerksamkeit auf die Defizite der Stadtplanung lenken. Die Künstlerinnen äußern ihren Protest gegen diese Entwicklung mit einer Zeremonie, in der sie den Boden des Freudenberg-Areal für den zukünftigen Zweck vorbereiten. Eine 10 x 10 metergroße Bodenarbeit aus Gewürzen entsteht.

Schwere Waffen (SPz Marder 1A3), 2022

Uwe Jonas

4:16 min

Anknüpfend an meine Kindheitserinnerung des Modellbauens, meist Kampfflugzeuge des zweiten Weltkrieges, ging ich der Frage nach was schwere Waffen sein könnten. Bei einem bekannten Hersteller von Bausätzen bestellte ich vier, die dieser Kategorie entsprechen könnten und baute sie nacheinander zusammen Der Zusammenbau des SPz Marder 1A3 wird hier gezeigt.

Heikegani, 2019

Yuki Jungesblut

5:00 min

Der Heikegani (Heikeopsis japonica) ist eine in Japan beheimatete Krabbenart deren Panzer ein Muster aufweist, das einem menschlichen Gesicht ähnelt und von dem einige glauben, es sei das Gesicht eines wütenden Samurai. Eine lokale Legende besagt, dass diese Krabben die Reinkarnation der Heike-Krieger sind, die in der großen Schlacht von Dan-no-ura besiegt wurden und ertranken, wie es in der Geschichte der Heike heißt.

Die Krabbe aus dem Video wurde in einem Aquarium nahe Dan-no-ura beobachtet, wo sie wie ein Tänzer ihrerseits mit ihrem Spiegelbild wirbt, mit ihm kämpft, verzweifelt, die Handlung wiederholt und wiederholt.

Mir kam das Gedicht von Berthold Brecht in den Sinn:

Die Maske des Bösen

An meiner Wand hängt ein japanisches Holzwerk

Maske eines bösen Dämons, bemalt mit Goldlack.

Mitfühlend sehe ich Die geschwollenen Stirnadern, andeutend

Wie anstrengend es ist, böse zu sein.

Duet for flute and violin, 2020

Peter Kees

2:49 min

Das Video “Duet for flute and violin” von Peter Kees zeigt die Zerstörung zweier Instrumente. Eine Geige und eine Flöte werden nacheinander zusammengepresst wie ein Auto in einer Schrottpresse – buchstäblich plattgedrückt, einem Druck ausgesetzt, dem man nicht entkommen kann. Während des Zusammenbruchs gibt der Klangkörper Geräusche von sich, diese letzten klanglichen “Atemzüge” – keine Musik, sondern Klänge der Zerstörung. “Ich habe ein Video gemacht, in dem eine Geige gepresst wird, vielleicht als eine Art Kommentar zur Behandlung der Künste in der Corona-Zeit. Ich war sehr schockiert darüber, wie die Kunst zwischen Bordellen und Saunalandschaften subsumiert wurde. Ich empfand das definitiv als Missachtung”, so Peter Kees zu dem Video.

Den Opfern künftiger Kriege, 2015

Ruppe Koselleck

2:14 min

Die Liebe zum Kopffüßler in 3 Akten, 2021

Petra Lottje

5:30 min

Ich entschied mich für eine Figur, die von kleinen Kindern gezeichnet wird wenn sie beginnen Menschen zu zeichnen. In 3 Episoden erzähle ich in einfacher Form was passieren kann, wenn eine Kindheit nicht gut verläuft. Ursprünglich ist es die Geschichte eines deutschen Künstlers, Horst Janssen, gewesen. Es lässt sich übertragen auf viele, meisst männliche Charaktere. Wenn Kränkungen nicht verarbeitet werden (Szene 1) fordert das Kind im Mann den Konflikt heraus (Szene 2). Es endet im weißen Rauschen –

Szene 3.

Mein Tagebuch, 2016-2020

Hanako Miyamoto

7:18 min

landscape 1, 2015

Matthias Roth

8:30 min

Bar Stories, 2019

Stock‘n‘Wolf

3:27 min

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Bild: Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist, Sabine Herpich, Filmstill

Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist

Ein Film von Sabine Herpich.

„In der Kunstwerkstatt Mosaik in Berlin arbeiten Künstler*innen mit Behinderung an ihren Werken. Sabine Herpich beobachtet sie bei der Arbeit und richtet den Blick auf die Institution selbst, auf die Abläufe, das Personal, die Räumlichkeiten. Ihr gelingt es, nicht die Behinderung der Menschen ins Zentrum zu stellen, sondern die künstlerische Arbeit. Um diese herum formiert sich die Institution und wird so primär als Institution für die Kunst und nicht als Institution für Menschen mit Behinderung sichtbar. Die Idee von Kunst wird ganzheitlich, beinhaltet die Menschen, die sie machen, wie auch die Orte, an denen sie erzeugt wird, meint das Sehen der Werke, das Sprechen über sie, meint aber auch: Kunst als Arbeit, mit Arbeitszeiten und Gehalt. Die Filmemacherin selbst ist nicht unsichtbar. Sie fragt die Künstler*innen nach ihren Gedanken, Ideen, Vorgehensweisen. In der Begegnung der Künstler*innen vor der Kamera mit dem Blick der Filmemacherin entsteht eine erhöhte Aufmerksamkeit und Sensibilität – für die Gestimmtheiten der Werke, ihrer Schöpfer*innen und Betrachter*innen, wie auch für die behutsame, nicht schüchterne, genaue, sich nicht verschließende Form dieses Films über Kunst.“ (Alejandro Bachmann, Berlinale Forum)

DOKKA dokKa-Preis der Stadt Karlsruhe

Duisburger Filmwoche: 3sat-Preis sowie eine lobende Erwähnung der Arte-Jury

Nominiert für den Preis der deutschen Filmkritik 2020

Credits:

DE 2020, 106 Min.

Mit: Adolf Beutler, Suzy van Zehlendorf, Gabriele Beer, Till Kalischer, Nina Pfannenstiel u. a.

Regie, Kamera, Montage: Sabine Herpich

O Ton Schnitt, Mischung: Marilyn Janssen

Color Grading: Florian Lampersberger

Titel- und Plakatgestaltung: Ulrike Damm

Produktion: Sabine Herpich, Tobias Büchner

Biografie:

Sabine Herpich, geboren 1973 in einer bayerischen Kleinstadt. Sie studierte Philosophie, Neuere deutsche Literatur und Soziologie an der Ludwig-Maximilian-Universität in München sowie Filmmontage an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Sabine Herpich ist Mitglied des fsk Kino-Kollektivs und des Peripher Filmverleihs in Berlin, wo sie als freischaffende Filmemacherin und Editorin lebt und arbeitet.

Filmografie:

2012 Neukölln-Aktiv; 97 Min., Co-Regie: Gregor Stadlober; Dokumentarfilm

2014 Zuwandern; 81 Min., Co-Regie: Diana Botescu; Dokumentarfilm

2016 David; 81 Min.; Dokumentarfilm

2018 Ein Bild von Aleksander Gudalo; 45 Min.; Dokumentarfilm

2020 Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist; 106 Min.; Dokumentarfilm

2020 Ulrike Damm schreibt; 13 Min.; Kurz-Dokumentarfilm

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Responsive Curating

Anjana Kothamachu, Antonia Low, Ina Ettlinger, Hans HS Winkler, Harish V Mallappanavar, Rasso Rottenfußer, Vichar B N, Vineesh Amin

Kuratorisches Team: Ralf Homann, Uwe Jonas, Suresh Kumar, Surekha

Die Ausstellung Responsive Cutating Eröffnet am 5. April 2022 um 19 Uhr und gibt, bis zum 15. Juni 2022, einen Einblick in die „Ergebnisse“ des „Responsive Curating“ der indisch/deutschen Ausgabe.

Stellen Sie sich vor, der Ausstellungsraum sei so etwas wie ein Endgerät, zum Beispiel ein Mobiltelefon, und die Ausstellung bestehe aus einem Datenpaket, das sich im Raum downloaded und entpackt: Je nach Größe und Kontext des Ausstellungsraumes verändern sich die Kunstwerke während ihrer Installation. „Responsive Curating“ experimentiert mit der »Ausstellung« als ein »universales Medium«, das an jedem Ort kommunizieren kann. Eine Versuchsanordnung mit überraschenden Ergebnissen, gerade in Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen einer Pandemie. Die Künstler*innen setzen angesichts eingeschränkten Kulturlebens nicht auf eine Digitalisierung von Abbildungsstrategien oder auf die Umverpackung in Online-Formate. „Responsive Curating“ im studio im HCOHHAUS verlässt sich ganz auf die Kraft bildender Kunst im physischen Raum und die direkte Erfahrung und vertiefte Auseinandersetzung der Besucher*innen mit den einzelnen Arbeiten. Arbeiten, die sich durchaus mit der neuartigen Herausforderung einer digitalen Kultur, globaler Ökonomie und dem damit verknüpften Spannungsfeld zwischen Identität und Universalismus auseinandersetzen. Mit Blick auf ökologische Fragen waren für die internationale Ausstellung weder Reisen von Künstler*innen, noch Kunsttransporte nötig. Stattdessen sucht das kuratorische Konzept des „Responsive Curating“ formale Prinzipien der instruction-based art der 1960er Jahre wieder auf, folgt jedoch heutigen Anforderungen: Dazu gehören z.B. die Skizzierung der Instruktionen mit Vektorgrößen oder der responsive Entwurf der einzelnen Objekte im Ausstellungsraum. Auf der Grundlage der künstlerischen Instruktionen werden die Arbeiten für jeden Ausstellungsort erneut realisiert und nach Ende der Ausstellung im lokalen Wertstoffkreislauf recycelt. Die Aura des Kunstwerks entsteht bewusst nicht. Das studio im HOCHHAUS ist die dritte Station von „Responsive Curating“ nach der Venkatappa Art Gallery in der südindischen Mega-Metropole Bengaluru 2019 (Exhibition on Flash Drive) und dem Kunstraum München 2020.

Zu sehen sind Arbeiten von Anjana Kothamachu (Bengaluru), Antonia Low (Berlin u. Stuttgart), Ina Ettlinger (München), Hans HS Winkler (Berlin), Harish V Mallappanavar (Haveri), rasso rottenfusser (Riva del Garda und München, Vichar B N (Bengaluru) und Vineesh Amin (Bengaluru). Die Kunstwerke basieren auf den digitalen Instruktionen der Künstler*innen und wurden in München für die Ausstellung eigens hergestellt. Sie befragen u.a. die Veränderung der Zeit durch die Corona-Pandemie, die Funktion von Original und Kopie auf dem globalen Kunstmarkt, die Rollenerwartungen an bzw. Wunsch-Projektionen auf Künstler*innen und die politischen Gestaltungsmöglichkeiten in diversifizierten globalisierten wie postkolonialen Kontexten.

Unterstützt von:

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Bild: Co-op City

Was ist möglich?

„Seit Jahren steigen die Mieten und Kaufpreise für Wohnungen (und Gewerberäume) in immer schwindelerregendere Höhen. Das Angebot an (noch) bezahlbaren Unterkünften wird immer knapper und für einige zum Teil unerreichbar. Auch für diejenigen, die eine Wohnung haben, wird es immer schwieriger die steigenden Mieten zu bezahlen und mit der Angst umzugehen, die eigene Wohnung zu verlieren – aus welchen Gründen auch immer. Wir wollen angesichts dieses Problems nach Möglichkeiten suchen, die bereits irgendwo auf der Welt realisiert wurden und uns beispielhaft einen Weg für eine Lösung weisen könnten, oder vielleicht auch nur utopische bis theoretische Überlegungen in dieser Sache anstellen.“

Dieser bereits 2021 geschriebene Text wirkt bis auf das Theoretisch/Utopische, fast schon unwirklich. In Berlin, drum herum und (fast) überall, ist Wohnen teuer und wird immer teurer. Möglichkeiten aber neue Wege zu beschreiten, zum Beispiel durch Baugruppen, Genossenschaften, Kleinstwohnungen bzw. -häuser oder klassische Sozialbauten ist faktisch nicht mehr vorhanden, da die Preise für Boden und Bau ins unermessliche steigen. Alle die nicht das Glück hatten über genügend Mittel zu verfügen, um Eigentum zu erwerben oder dies schlicht nicht wollten, werden zunehmend mit der Frage konfrontiert, wie sie weiterhin die Kosten für ihre (Miet-)Wohnung aufbringen können. Die Menschen, denen das nicht mehr gelingt, finden sich schnell am äußersten Rand der Gesellschaft wieder. Das sind diejenigen, die uns nach Geld in der U-Bahn fragen, auf der Straße kampieren oder mit Einkaufswagen ihre Habseligkeiten transportieren. Eine Ausstellung in München fragt folgerichtig: „Wer ist der Nächste?“ (Architekturmuseum der TUM, bis 6. Februar 2022) Darüber hinaus fragen wir: „Was dann?“.

Zwar gibt es Lösungswege, wie Gesellschaften mit der Obdachlosigkeit umgehen können, in dem sie alternative Wohnmöglichkeiten schaffen, sogenannte inklusive Projekte, die Überschneidungen der „normalen“ mit den „gescheiterten“ Lebenswelten erlauben. Ein Beispiel dafür ist das Wiener „VinziRast-mittendrin“ von gaupenraub+, die Obdachlose und Studierende gemeinsam unterbringen und darüber hinaus ein öffentliches Café im Gebäude etablieren, was in die richtige Richtung weist. Doch dies sind Einzelmaßnahmen.
Ein Augenmerk muss daher auf die individuellen Lösungswegen gelegt werden, d.h. informelle Wohnstätten an den Rändern von verwertbaren Flächen, die gerade in Berlin auch immer weniger werden. In der Ballung als „Slum“ bezeichnet, können diese irregulären Bauten durchaus ansprechende Siedlungen bilden – und vorübergehend lebenswert, ja sogar idyllisch sein.

Eine Lösungssuche für obdachlos gewordene Menschen, die den vielfältigen Härten dieser Situation ausgesetzt sind, steht an. Es gilt neu zu denken und neu zu bauen: Wie wäre es mit der Bebauung des Tempelhofer Feldes? Wie viele Menschen könnten dort unterkommen? Und wie kann auch im Hinblick auf die „Klimawende“ in Zukunft sinnvoll gebaut werden? Hier ist sicher das Projekt auf dem ehemaligen Flughafen Tegel, das Schumacher Quartier, wegweisend. Es bleiben mehr Fragen als Antworten, aber wir wollen und müssen weiter überlegen, wie die Zukunft des Wohnens in Berlin aussehen kann, damit es sich alle leisten können.

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Bild: Peter Herlitze, Alter Bahnhof Alach, 1980

Peter Herlitze, Einer von hier

Die Ausstellung mit Peter Herlitze öffnet am 26. Januar 2022 und gibt, bis zum 29. März 2022, einen Einblick in das Werk eines Künstlers aus Neu-Hohenschönhausen ebend „einem von hier“. Am Sonntag 30. Januar ist von 14 bis 18 Uhr ein Softopening, der Künstler ist anwesend.

Mit der Ausstellung zum Werk von Peter Herlitze geht das studio im HOCHHAUS einen neuen Weg. Nicht nur wird ein Künstler ausgestellt, der „um die Ecke“ in Neu-Hohenschönhausen wohnt, er hat auch sein künstlerisches Schaffen immer nur neben seinem Beruf als Grafikdesigner ausgeübt.

Heutzutage sprechen Künstler*innen gern von ihrem „Brot-Job“, der sie am Leben erhält. Peter Herlitze dagegen hat sich früh entschieden, neben seiner kreativen Erwerbsarbeit weiterhin kontinuierlich seiner Leidenschaft der bildenden Kunst nachzugehen. Seit den frühen 70er Jahren entstand so ein breites, vielfältiges Werk von Hochdrucken über Aquarell-, Öl- und Acrylmalerei bis hin zu Holzschnitzereien. Der „Brot-Job“ nahm darauf zum Teil Einfluß, in dem z.B. Texte zu den Bildern eine wichtige Rolle spielten. Das studio im HOCHHAUS stellt eine Auswahl des Werkes von Peter Herlitze aus, ohne eine retrospektivische Absicht zu verfolgen. Es geht darum, die Breite des Werkes aufzuzeigen, und dieses im Kontext seiner Entstehung zu lesen.

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Bild: Rouzbeh Rashidi, Videostill HSP, 2022

Video von Rouzbeh Rashidi

HOMO SAPIENS PROJECT : SELECTION | 42′ |

Rashidi hat sich schon immer von den Mainstream-Vorstellungen des Filmemachens entfernt und versucht, sich von den konventionellen Stereotypen des Geschichtenerzählens zu lösen. Stattdessen gründet er seinen filmischen Stil auf eine poetische Interaktion von Bild und Ton. Er verzichtet in der Regel auf das Verfassen von Drehbüchern und betrachtet den Prozess der Herstellung bewegter Bilder eher als Erkundung denn als Illustration. Sein Werk setzt sich intensiv mit der Filmgeschichte auseinander und beschäftigt sich vor allem mit Mystik, Philosophie, Esoterik, Kosmologie, Phänomenologie und Spuk. Die Filme sind wild experimentell und oft surrealistisch, magisch-realistisch und mysteriös und wurden mit der Remodernisten-Bewegung in Verbindung gebracht. Sie werden mit der Remodernismus-Bewegung in Verbindung gebracht. Sie werden durch seine oneirische Vorstellungskraft, seine idiosynkratischen Arbeitsmethoden und die traumhafte Erfahrung, sie zu sehen, vereint.

Erklärung des Regisseurs

Das Homo Sapiens Project (HSP) ist das Destillat und in gewisser Weise auch der Höhepunkt meiner experimentellen Filmpraxis. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, zutiefst persönliche, formal experimentelle Arbeiten zu machen, die die Grenzen zwischen entfremdeter subjektiver Wahrnehmung und der unerschöpflichen Rätselhaftigkeit des bewegten Bildes aufheben. Ich betrachte das Kino (im weitesten Sinne des Wortes) als ein Labor. Meine audiovisuellen Arbeiten sind Experimente, bei denen meine Wahrnehmung und mein Innenleben als „Reagenz“ eingesetzt werden. Ich beginne meine Arbeit mit Ton und Bild und arbeite mich intuitiv nach außen zu Ideen vor. Ich verzichte im Allgemeinen auf das Schreiben von Drehbüchern und betrachte den Prozess der Herstellung bewegter Bilder eher als Erkundung denn als Illustration. Meine Arbeit ist eng mit der Filmgeschichte und meinem persönlichen Leben verbunden, sowohl als Künstler als auch als Mensch.

Diese Sonderausgabe von HSP wurde speziell für das studio im HOCHHAUS kuratiert. Sie spiegelt die unruhige, geheimnisvolle, formal anspruchsvolle und paradoxe Natur der Serie wider. Sie umfasst ein Jahrzehnt filmischer Experimente von den Anfängen im Jahr 2011 bis zum heutigen Tag.

Rouzbeh Rashidi (geboren in Teheran, 1980) ist ein iranisch-irischer Filmemacher. Er macht seit 2000 Filme und gründete zu dieser Zeit die Experimental Film Society in Teheran.