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Bild: Peter Herlitze, Alter Bahnhof Alach, 1980

Peter Herlitze, Einer von hier

Die Ausstellung mit Peter Herlitze öffnet am 26. Januar 2022 und gibt, bis zum 29. März 2022, einen Einblick in das Werk eines Künstlers aus Neu-Hohenschönhausen ebend „einem von hier“. Am Sonntag 30. Januar ist von 14 bis 18 Uhr ein Softopening, der Künstler ist anwesend.

Mit der Ausstellung zum Werk von Peter Herlitze geht das studio im HOCHHAUS einen neuen Weg. Nicht nur wird ein Künstler ausgestellt, der „um die Ecke“ in Neu-Hohenschönhausen wohnt, er hat auch sein künstlerisches Schaffen immer nur neben seinem Beruf als Grafikdesigner ausgeübt.

Heutzutage sprechen Künstler*innen gern von ihrem „Brot-Job“, der sie am Leben erhält. Peter Herlitze dagegen hat sich früh entschieden, neben seiner kreativen Erwerbsarbeit weiterhin kontinuierlich seiner Leidenschaft der bildenden Kunst nachzugehen. Seit den frühen 70er Jahren entstand so ein breites, vielfältiges Werk von Hochdrucken über Aquarell-, Öl- und Acrylmalerei bis hin zu Holzschnitzereien. Der „Brot-Job“ nahm darauf zum Teil Einfluß, in dem z.B. Texte zu den Bildern eine wichtige Rolle spielten. Das studio im HOCHHAUS stellt eine Auswahl des Werkes von Peter Herlitze aus, ohne eine retrospektivische Absicht zu verfolgen. Es geht darum, die Breite des Werkes aufzuzeigen, und dieses im Kontext seiner Entstehung zu lesen.

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Bild: Rouzbeh Rashidi, Videostill HSP, 2022

Video von Rouzbeh Rashidi

HOMO SAPIENS PROJECT : SELECTION | 42′ |

Rashidi hat sich schon immer von den Mainstream-Vorstellungen des Filmemachens entfernt und versucht, sich von den konventionellen Stereotypen des Geschichtenerzählens zu lösen. Stattdessen gründet er seinen filmischen Stil auf eine poetische Interaktion von Bild und Ton. Er verzichtet in der Regel auf das Verfassen von Drehbüchern und betrachtet den Prozess der Herstellung bewegter Bilder eher als Erkundung denn als Illustration. Sein Werk setzt sich intensiv mit der Filmgeschichte auseinander und beschäftigt sich vor allem mit Mystik, Philosophie, Esoterik, Kosmologie, Phänomenologie und Spuk. Die Filme sind wild experimentell und oft surrealistisch, magisch-realistisch und mysteriös und wurden mit der Remodernisten-Bewegung in Verbindung gebracht. Sie werden mit der Remodernismus-Bewegung in Verbindung gebracht. Sie werden durch seine oneirische Vorstellungskraft, seine idiosynkratischen Arbeitsmethoden und die traumhafte Erfahrung, sie zu sehen, vereint.

Erklärung des Regisseurs

Das Homo Sapiens Project (HSP) ist das Destillat und in gewisser Weise auch der Höhepunkt meiner experimentellen Filmpraxis. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, zutiefst persönliche, formal experimentelle Arbeiten zu machen, die die Grenzen zwischen entfremdeter subjektiver Wahrnehmung und der unerschöpflichen Rätselhaftigkeit des bewegten Bildes aufheben. Ich betrachte das Kino (im weitesten Sinne des Wortes) als ein Labor. Meine audiovisuellen Arbeiten sind Experimente, bei denen meine Wahrnehmung und mein Innenleben als „Reagenz“ eingesetzt werden. Ich beginne meine Arbeit mit Ton und Bild und arbeite mich intuitiv nach außen zu Ideen vor. Ich verzichte im Allgemeinen auf das Schreiben von Drehbüchern und betrachte den Prozess der Herstellung bewegter Bilder eher als Erkundung denn als Illustration. Meine Arbeit ist eng mit der Filmgeschichte und meinem persönlichen Leben verbunden, sowohl als Künstler als auch als Mensch.

Diese Sonderausgabe von HSP wurde speziell für das studio im HOCHHAUS kuratiert. Sie spiegelt die unruhige, geheimnisvolle, formal anspruchsvolle und paradoxe Natur der Serie wider. Sie umfasst ein Jahrzehnt filmischer Experimente von den Anfängen im Jahr 2011 bis zum heutigen Tag.

Rouzbeh Rashidi (geboren in Teheran, 1980) ist ein iranisch-irischer Filmemacher. Er macht seit 2000 Filme und gründete zu dieser Zeit die Experimental Film Society in Teheran.

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Vorschau 2022

Die Vorschau in Zeiten der Pandemie ist schwierig, wir versuchen alle Ausstellungen zu realisieren, es kann aber immer zu Verschiebungen kommen. Auch ist ungewiss ab wann wir wieder eine reguläre Eröffnung druchführen können, wir Informieren sie weiter über den aktuellen Stand.

25. Januar bis 29. März

Peter Herlitze

„Einer von hier“

 

6. April bis 15. Juni

„Responsive Curating“

Kuratiert von Ralf Homann und Uwe Jonas

mit: Anjana Kothamachu, Antonia Low, Ina Ettinger, Hans HS Winkler, Harish V Mallappanavar, Vichar B N, Vineesh Amin

Eröffnung am 5. April um 19 Uhr

 

22. Juni bis 24. August

ALLES IV

Mit ca. 180 Künstler*innen

Eröffnung am 21. Juni um 19 Uhr

 

31. August bis 9. November

„Fennpfuhl“

mit Holger Biermann, Thomas Bruns, Marula Di Como, Birgit Szepanski, Lukas Torberg

Eröffnung am 30. August um 19 Uhr

 

16. November bis 18. Januar 2023

„Tierisch“

mit Sonja Ahlhäuser, Ingmar Bruhn, Kyung-hwa Choi-ahoi, R. J. Kirsch, Manfred Michl,  Susanne Ring

 

Eröffnung am 15. November um 19 Uhr

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Bild: Romann Pfeffer, Vienna contemporary, 2015

Videos von Roman Pfeffer

Vienna contemporary, 2015, 2:46 min

„Der Sammler“ Roman Pfeffer als er die Arbeit von Aldo Giannotti bei der Vienna Contemporary 2015 aus der Ausstellungskoje unangemeldet herausschneidet.

Bei der Kunstmesse Vienna Contemporary zeichnet Aldo Gianotti an die Wand der Ausstellungskoje eine Motorsäge und setzt darunter den Schriftzug ‘This drawing can be taken for free if the collector comes with a chainsaw and saws the piece off the wall.’

Roman Pfeffer nimmt die Anweisung ernst und schneidet solange bis er letztendlich gestoppt wurde….

Waiting, 2011, 3:18 min

Das ohne erkennbaren Anfang und Ende geloopte Kurzvideo „Waiting“ von 2011 zeigt den Künstler als Wartenden („Waiter“). Er hält zwei Gläser in der Hand, zwei im Off befindliche Wasserschläuche befüllen diese fortwährend und bringen sie zum Überlaufen. Die statische Kamera verlangt nach laufenden Bildern, doch steht der Künstler erstarrt und gefangen im Korsett des Schicklichen, es gibt keinen Handlungsvollzug und keine narrative Schilderung. In „Waiting“ beschreibt Roman Pfeffer eine Haltung zwischen Konzentration und Zwang, „die Manifestation eines bestimmten Moments, der in einem Stillstand – eigentlich einem Zustand resultiert“. Erwartungen an Kunst, Künstler und Medium werden hier nicht erfüllt, das Zeit-Bild wird zu einem Statthalter der Verwehrung.

The Last Supper, 2009, 1:20 min

Kooperationsprojekt “The Last Supper” mit Aldo Giannotti, 2009, transformiert er bekannte Motive der Kunst- und Kulturgeschichte. Mit ihrer Zustandsveränderung und Neuinterpretation wird das Werke zur Metapher für Fragen zu Veränderung, Zeitablauf und Rhythmik.

Das Motiv erinnert an Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“, das aufgrund seiner perspektivischen Tiefe als Meilenstein der Renaissancemalerei gilt. Roman Pfeffer gibt dem vertraut erscheinenden Motiv der – noch leeren – Tafel eine neue Wendung. Nach einem Moment der Stille – einer Sequenz von etwa 30 Sekunden – tritt blitzartig für eine Sekunde Bewegung ins Bild zugleich wird der Raum von einem lauten Klirren erfüllt.

13 weiße Teller, 13 Gläser, 13 Bestecksets fallen von oben auf den Tisch herab und zersplittern mit lautem Getöse – danach stellt sich wieder absolute Stille ein. Sobald die schaukelnde Bewegung der letzten Scherben erstarrt ist, erlischt das Bild um wieder von neuem zu beginnen. Das Video thematisiert das – mit dem Bild der Tafel angedeutete – Mahl als Kulthandlung, bei der sich mit der Aussage Jesu „Einer unter euch wird mit verraten“ auf sinnbildliche Weise eine neue Wendung einstellt.

„The Last Supper“ ist eine Manifestation eines bestimmten Moments, der die Situation verändert und einen neuen Zustand dokumentiert. Die BetrachterInnen werden überrascht, die Schnelligkeit der Aktion lässt kaum Zeit, das Gesehene zu reflektieren, die vertrauten Aspekte fügen sich wie die Scherben zu einem neuen Bild zusammen.

Brain Twister (Autogyrocopter), 2015, 2:25 min

In der Arbeit, Brain Twister (Autogyrocopter), arbeitet Pfeffer mit einem 17,5 Meter langen Ruderboot aus Holz und entzieht es seiner ursprünglichen Funktion. Mitten im Wiener Prater stellt sich der Künstler auf ein Podest und setzt sich das Boot auf seinen Kopf. Mit Hilfe des Windes dreht sich das Ruderboot ganz langsam um die eigene Achse. Durch diesen scheinbar simplen Eingriff wird das Boot zu einem Propeller umfunktioniert.

Auch wenn Pfeffers Interventionen oft einen nüchternen und einfachen Eindruck machen, war die Umfunktionierung des Bootes mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Das Ergebnis ist ein skurril anmutendes und zugleich schönes Bild, das beim Betrachter poetische Assoziationen freisetzt.

The Restricted Conference, 2011, 6 min

Kooperationsprojekt Roman Pfeffer/Markus Hofer

Dass die aktuelle Situation chronischer Beschränkung oder gar Stornierung von Versammlungen dieser Arbeit eine überraschende Aktualität verleiht, war nicht vorauszusehen. Die erste Szene des Films zeigt einen leeren Raum. Auf abgenutztem Bretterboden breitet sich ein funktionaler Konferenztisch aus: lackierte Holzplatte, zwei massive Metallbeine, vier Auslassungen für Verkabelungen, ein Tasten -Telefon. Das ist alles, keine Stühle. In der Rückwand jedoch eine Reihe von Steckdosen: Was an diesem Tisch verhandelt wurde, sollte anschlussfähig sein, sollte in die Weite wirken. Kein Zweifel, hier wurden wichtige Entscheidungen getroffen. Schließlich treten beide Künstler hinzu, schnell wechselnde close-ups begleiten ihre geübten Handgriffe und ziehen in den Bann. Berechnend wird vermessen. Als handele es sich um einen Schauprozess oder eine ritualisierte Hinrichtung, nimmt das zerstörerische Werk seinen Lauf. Nichts verbindet diese Form der Demontage mit der blinden Aggression der Wiener Aktionisten Friedrich Achleitner und Gerhard Rühm, die im April 1959 unter ohrenbetäubendem Lärm auf offener Bühne ein Klavier zertrümmerten. Roman Pfeffer und Markus Hofer geht es nicht um Vandalismus, sondern um Transformation. Diesem Akt sehen wir aus der distanzierten Nähe eines Wissenschaftlers zu. Über Kamera und ohne Ton ist der Beobachterstatus auf rein visuelles Erleben ausgerichtet. Funken weißer Flammen sprühen, als die Metallsäge ansetzt. Zähtropfender Leim deutet die Wendung an. Am Ende ist der Tisch zwar verschwunden, doch liegen keine zerborstenen Trümmer vor uns. Zu sehen sind vielmehr zwei identische Stühle und das Telefon. Nur die runden Öffnungen in ihren Rückenlehnen und manch ungeschönte Kante verraten ihre Genese aus zweitverwendetem Material und erinnern an die fingierten papiernen Welten eines Thomas Demand.

Untiteld, 2006, 4:18 min

Eine kleine Geschicht um die Idee: Wer sich selbst ein Loch gräbt….

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Bild: Christof Zwiener, Entwurf für ein Land Art Projekt in Schweden

Roman Pfeffer and Christof Zwiener

Die Künstler Roman Pfeffer und Christof Zwiener vermessen die Welt der Dinge im Studio im Hochhaus. Am 16. November 2021, um 19.00 Uhr, eröffnet die Ausstellung und gibt einen Einblick in deren Interventionen und Deformationen. Sie ist bis zum 19. Januar 2022 im studio im HOCHHAUS in der Zingster Straße 25 zu sehen.

In ihren Werken laden beide Künstler Dinge mit Geschichte und Erwartungen auf und befragen die Materialien auf unterschiedliche Art: Pfeffer nutzt eine große Bandbreite künstlerischer Möglichkeiten um Maße und Proportionen von Dingen zu untersuchen und sie in neue Formen zu bringen, wie bei dem umgeformten 8’er-Ruderboot, das als Braintwister in der Ausstellung zu sehen ist. Bei Zwiener spielen die Narrative gefundener Gegenstände und Orte die Hauptrolle. Durch den überwiegenden Einsatz von Readymades, die ortsspezifisch arrangiert und ab und an verfremdet werden, macht Zwiener die Überlagerung von Zeiten sichtbar. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind hier unmittelbar mit einem Gegenstand, einem Gebäude oder einem Ort verknüpft.

Roman Pfeffer wurde 1972 in Vöcklabruck in Österreich geboren. Er studierte von 1996 bis 2001 Malerei an der Akademie der bildenden Künste bei Gunter Damisch in Wien und am Kent Institute of Art and Design in Canterbury. Er ist Mitglied des Leitungsteams der Klasse TransArts an der Universität für angewandte Kunst in Wien, wo er auch lebt.

Christof Zwiener, ebenfalls Jahrgang ’72, aus Osnabrück, studierte interdisziplinäre Bildhauerei an der HBK Braunschweig. Er lebt und arbeitet in Berlin als Künstler und Kurator. Er organisiert an unterschiedlichen Orten, häufig in Pförtnerhäusern, temporäre Ausstellungsprojekte.

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Bild: Sebastian Pöllmann

Lines Fiction Auswahl, Länge / Length 53 Min.
zusammengestellt von Bettina Munk

Lines Fiction online

Unser Projekt versammelt Zeichnerinnen und Zeichner, die ihre Zeichnungen als gleichwertig zu ihren Animationen verstehen. Wir zeigen, wie sich beide Medien gegenseitig inspirieren und ergänzen.
Die Auswahl für dieses Programm beschränkt sich auf kurze Animationen: Viel mehr und längere Stücke kann man online auf linesfiction.de ansehen, da gibt es auch alle weiteren Informationen zu den hier gezeigten Filmen und natürlich unseren Newsletter.

Filmprogramm:

Manon Bovenkerk
Eden, 2011, 1:44, no Sound
eine Animation in der Tradition der frühen Zeichentrickfilme.

Juliane Ebner
Knallerbsenbusch, 2012, 4:30, Text gesprochen von Juliane Ebner
Juliane Ebner erzählt aus ihrer Kindheit und Jugend in der DDR und der Zeit der Wende.

Simon Faithfull
19 Planes Landing, 2020, 1:00, no Sound
Simon Faithfull zeichnet seine Vorlagen für Animationen im Handy und lässt in Coronazeiten 19 Flugzeuge landen.

Tina Haber
Interieur 0303, 3:22, no Sound
Tina Haber wandert in ihren Aquarellierten Innenräumen durch Zimmer und Treppenhäuser, wie in Online Room Tours, und es entsteht eine gleichzeitig vertraute wie unheimliche Atmosphäre.

Aline Helmcke
16:9 clockwise anti-clockwise, 2017, 1:15, no Sound
Ein Faden nimmt in der Screenweite des Bildschirms alle ihm möglichen Positionen ein.

Kakyoung Lee
Dance, Dance, Dance, 2011, 2:20, Sound
Die Standbilder eines Videos werden von Kakyoung Lee in Kaltnadelradierungen übersetzt, und dann für die Animation übereinander montiert, so dass alle Tanzbewegungen sichtbar werden.

Jakob Kirchheim
Sternenstaub, Linofilm, 2012, 3:10, Text gesprochen Von Teresa Delgado
Mit Linoschnitten von Jakob Kirchheim entstehen in Zusammenarbeit mit Teresa Delgado poetische Animationen, Poetry Films.

Simona Koch
Abiotismus 4 / Körper 1, 2014, 1:22, Animation mit Plastillin, no Sound
Mikroskopische Einblicke, wie in Simona Kochs Animation gezeigt, reflektieren ihre Beschäftigung mit Wissenschaft und Kunst.

Betina Kuntzsch
Reise, 2014, 1;43, Computeranimation, no Sound
Aus kleinen Fehlern und Störungen in Computerprogrammen entstehen die Animationen von Betina Kuntzsch.

Sarah Jane Lapp
Catherine’s Rabbi, 2016, 3:49, Skyjelly
Musik von Skyjelly mit Animationen von S J Lapp

Jennifer Levonian
The Oven Sky, 2011, 4:42, Aquarell und Montage
In detailreichen Zeichnungen montiert Jennifer Levonian einen Film über Gentrifizierung in ihrem Kiez in einer amerikanischen Stadt.

Petra Lottje
Ohne meinen Anwalt, 2018, 2:14, 21 digital bewegte Portraits
Im Strafgericht Moabit beobachtet Petra Lottje die Gesichter der Anwesenden und gibt deren Stimmung im bewegten Bild einen lebendigen Ausdruck.

David Mackintosh
Precipice/Abgrund, 2019, 1:29, Aquarell
In schnell aquarellierten Zeichnungen zeigt uns David Mackintosh Bilder von persönlichen und politischen Abgründen.

Miodrag Manojlovic
House, 2012/13, 1:27, Sound
Mit Bild und Ton schafft Miodrag Manojlovic eine surreal unheimliche Atmosphäre.

Serge Onnen
Break, 2007, 2:09, Sound
Wir sehen, wie vergnüglich man elektronische Geräte zerbrechen kann!

Sebastian Pöllman
the way of life, 2008, 1:13, no Sound
Liebe, Geburt, Tod, Verlassen: alles das in einer Minute.

Peter Radelfinger
Animation 1, 0:38, no Sound
Was alles rund um unsere PET-Flaschen passiert.

Matthias Reinhold
domino, 2013, 0:43, no Sound
Dominosteine fallen trickreich um.

Robert Seidel
abogar | people part I, 2019, 3:47
Eine Computeranimation zur Musik, als retro-futuristisches Hybrid aus Pinselschwüngen und Programmierung.

Norbert Trummer
Stadtkino Wien, 2015, 2:19, Musik: der schwimmer
Der ausführliche Blick ins Stadtkino im Zeichentrick.

Nicole Wendel
The Circle, 2017, 5:32, Kamera: Jérôme Ballack, Musik: Yohei Yamakado
Zeichnungsperformance im Espace d’Art Contemporain André Malraux, Colmar

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Bild: Pia Linz, Zingster Straße 25, 2020

25. August bis 10. November 2021

Matthias Beckmann, Patrick Borchers, Bea Davies, Jorn Ebner, Juliane Laitzsch, Pia Linz, Christoph Peters

aufzeichnen

Zeichnung als Dokumentation

Die von Matthias Beckmann mitkuratierte Ausstellung „aufzeichnen“ gibt einen Einblick in die „zeichnerische Dokumentation“.

Die Ausstellung zeigt an sieben künstlerischen Positionen exemplarisch die Zeichnung als zeitgenössisches künstlerisches Medium der Dokumentation. Herangehensweisen, Formate und Techniken sind so unterschiedlich wie die Sichtweisen der Zeichnerinnen und Zeichner. Manche von ihnen werden den Begriff Dokumentation ablehnen, da er nur einen Teil ihrer Arbeit betrift.

In umfangreichen Zeichnungsfolgen werden Orte akribisch beschrieben. Der Comic lässt Bilder und Texte Geschichten erzählen. Die Spur des Stiftes kann Bewegungen und Handlungen nachspüren. Schwarze Punkte bringen in ihrer Verdichtung die Schönheit japanischer Teeschalen zur Erscheinung. Die Zeichnung ist Textur und beschäftigt sich mit Textur. Territorien werden erwandert, vermessen und aufgezeichnet. Mit geeigneten Liniennetzen kann man Schätze aus den medialen Bilderfluten heben. Und immer gilt, dass Zeichnen wie auch Sehen ein Akt der Interpretation ist. Das absichtslose Sehen, die reine Dokumentation gibt es nicht.

Matthias Beckmann

“Matthias Beckmann zeichnet vor Ort. Er braucht keine andere Vorlage als die gerade anvisierte Situation. Die ergreift er im Sehen, ja, es scheint so, als lege er wie in einer Art skelettierenden Solarisation die offensichtliche Lineatur frei. Der dafür notwendige Röntgenblick scheint angeboren. Mühelos durchdringt er die verwirrenden Ablenkungen des farbigen Hell-Dunkels, zurück bleibt ein netzartiges Konzentrat, das nichts Wichtiges vergisst. Details sind zu erkennen, Vorne und Hinten, Nähe und Ferne schaffen den Raum, Gegenstände, Schattenfugen oder die Maserung des Holzes werden in den sich bietenden Umrissen entsprechend übersetzt. Eine strukturelle Plausibilität hat das Sagen, die immer ein wenig am Rande eines ornamentalen Realismus steht. Trotz der partiell automatisch anmutenden Übertragungsarbeit ist die Fähigkeit vorhanden, zu ignorieren, zu übersehen, was den Blättern immer wieder schöne Freiflächen, bzw. natürliche Gewichtungen beschert. Festgehalten wird nur das Notwendigste. Ohnehin wirken diese Zeichnungen wie im Weiß aufgehängt.” (Reinhard Ermen, Matthias Beckmann, Kunstforum International, Band 231, 2015, Titel: Zeichnen zur Zeit VII, S. 166)

Matthias Beckmann wurde 1965 in Arnsberg geboren und lebt als Zeichner in Berlin. Er hat an den Kunstakademien in Düsseldorf und Stuttgart studiert. Seine streng linearen Werke entstehen ohne fotografische Hilfsmittel oder vorbereitende Skizzen direkt vor dem Motiv. Seit einigen Jahren arbeitet er auch an Zeichentrickfilmen. Seine künstlerische Arbeit wurde u.a. gefördert durch ein Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn, ein Auslandsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Paris, ein Stipendium der Künstlerhäuser Worpswede, das Casa-Baldi-Stipendium in Olevano Romano und einen Arbeitsaufenthalt im Atelier des Landes Oberösterreich im Salzamt Linz. Matthias Beckmanns Werke befinden sich in vielen grafischen Sammlungen, z.B. in Berlin, Bonn, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen oder Wuppertal.

Patrick Borchers

“Borchers Zeichnungen sind Bilder fragmentierter Wirklichkeitserfahrung, die sich in einem einfachen, zentralperspektivischen Narrativ nicht mehr vermitteln lässt. Wir stehen vor dem Bild wie in einem japanischen Zen-Garten und sind nicht in der Lage, die Totalität der Komposition, die genaue Anzahl der Steine auf dem Kiesbett zu erfassen, wo auch immer wir stehen, das Gesamtbild ist nicht komplett.” (Aus: „Elefantenbabies und tote Terroristen – zu Patrick Borchers bildanalytischen Hieroglyphen der Gegenwart.“, Jan-Philipp Fruehsorge, S.3, 2017)

Patrick Borchers wurde 1975 geboren, ist Zeichner und Videokünstler. Er lebt und arbeitet in Hagen und Dortmund. Nach einem Kunst- und Sonderpädagogikstudium an der Universität Dortmund besuchte er die Klasse Timm Ulrichs an der Kunstakademie Münster. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, beispielsweise 2008 in Kyoto und Osaka, 2011 im OK Offenes Kulturhaus OÖ in Linz, 2014 in zwei Ausstellungen im Museum Folkwang Essen, 2016 im Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität und 2019 im Osthaus Museum Hagen. Neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit ist er als künstlerischer Mitarbeiter im Bereich Graphik an der TU Dortmund tätig.

Bea Davies

“Vor Ort zu zeichnen ist mein Weg, um tief in das ‚Hier’ und ‚Jetzt’ zu tauchen, ein Fluchtweg aus unserer subjektiven Blase, ein Zugang zur Realität, die uns umgibt.

Das zeichnerische Festhalten von Bildsequenzen, Bewegungen, Farben und Geräuschen, die sich eben gerade vor meinem Auge abgespielt haben, ist von einer ungeschönten Unmittelbarkeit, die in anderen Medien kaum zu finden ist.

Für meine Reportagen verbinde ich das Zeichnen vor Ort mit der für den Comic typischen sequentiellen Erzählweise mit dem Ziel, den Lesern die abgebildeten Situationen und Ereignisse möglichst nah zu bringen und ihnen einen persönlichen Zugang zu bieten.”

Beatrice Davies, wurde 1990 in Italien geboren, lebt seit dem Jahr 2012 in Berlin und arbeitet als freie Illustratorin und Comiczeichnerin, unter anderem für die Obdachlosenzeitung Strassen|feger. Gefördert durch ein Stipendium beginnt sie 2010 ihre künstlerische Ausbildung an der School of Visual Arts in New York. Nach Aufenthalten in Kolumbien und Italien zieht sie mit Mann und Kind nach Berlin. Im Jahr 2015 fängt sie ein Studium der Visuellen Kommunikation an der weissensee kunsthochschule berlin an. 2016 erhält sie den Förderpreis der Comic Invasion Berlin und das Mart Stam Stipendium. 2018 wird sie von der Studienstiftung des Deutschen Volkes angenommen. Ihre erste Graphic Novel “Der König der Vagabunden”, mit dem sie 2019 unter den Finalisten für den Comicpreis der Berthold Leibinger Stiftung ist, erscheint im gleichen Jahr im avant-verlag. 2020 veröffentlicht der Jaja-Verlag einen Sammelband ihrer autobiografischen Comics unter dem Titel „A Child’s Journey“.

Jorn Ebner

“Der gedankliche Raum von Zeichnung besteht aus Schichten von Materie und Zeit. Transformationen (von Erinnerung). Zeichnung ist in meiner Arbeit analog und digital, auf Papier oder als Klang. Das Triptychon „08.12.1980“entstand 2014, nachdem ich in meinem Online-Klangprojekt „(The Beatles) in Hamburg“ (2011/2012) [http://wwwthedeatlesinhamburg.com/] akustisch die Orte nachzeichnete, an denen sich die Beatles zu Beginn ihrer Karriere in Hamburg nachweislich aufgehalten hatten. Der Tod John Lennons hat einen so dauerhaft starken Nachhall in meinem Leben, dass ich Yoko, John und das Dakota Building, vor dem Lennon erschossen wurde, als Zeichnungen umsetzen wollte”.

Jorn Ebner wurde 1966 in Bremerhaven geboren, lebt in Berlin. Studien: Magister englische Literatur, Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg (1990-95), BA (Hons) Freie Kunst, Central Saint Martins College of Art and Design, London (1995-98), Corso Superiore di arti visivi – Allan Kaprow, Fondazione Antonio Ratti, Como (1997), AHRC Forschungsstipendium, Kunsthochschule der University of Newcastle upon Tyne (2002-05). Jüngere Projekte: Projektstipendium Kunst + Kommunikation 2020, Kunsthaus Kloster Gravenhorst; AiR Niederösterreich 2019, Krems [AT], Internationale Einzelausstellungen und Beteiligungen: u.a. Kunstverein Bochum; Laura Mars, Berlin; Museo de arte contemporaneo de Bogota [CO]; Vane, Newcastle upon Tyne [UK]. Veröffentlichungen beim Verlag The Green Box, Berlin.

Juliane Laitzsch

Aus der Nähe betrachtet

Die künstlerische Arbeit von Juliane Laitzsch ist motiviert von der Neugierde, Dinge in ihrem Werden und Vergehen zu verstehen. Wie verändern sich Dinge im Laufe der Zeit und wie entstehen die entsprechenden Bilder in unseren Köpfen?

Ausgehend von einer Auseinandersetzung mit historischen Textilien, aktuell handelt es sich um spätantike Textilfragmente aus Ägypten, fragt sie nach der Zeit; nach der Zeit, die sich in das Material der Textilien einschreibt, und nach der Zeit, die in der medialen Vermittlung der Objekte, in Texten und Fotografien, lesbar wird. Die Zeichnungen folgen ihren Beobachtungen, sie reproduzieren die Objekte betreffende Dokumente und sie dokumentieren ihren eigenen Entstehungsprozess. Die Zeichnung dient Juliane Laitzsch als ein Medium der Annäherung und Verlangsamung. Dabei variiert ihre Zeichentechnik von der möglichst präzisen Darstellung bis zur Telefonkritzelei. Ihre Aufmerksamkeit gilt dem Prozess des Zeichnens, seiner Eigendynamik, seinen Rhythmen, Resonanzen und Rückkopplungen.

Juliane Laitzsch wurde 1964 in Nürnberg geboren, sie studierte Bildhauerei in Bremen und an der Hochschule der Künste in Berlin. Sie erhielt Arbeitsstipendien u.a. vom Berliner Senat, vom Land Mecklenburg-Vorpommern, Forschungsstipendien von der Graduiertenschule der UdK Berlin und von der VW-Stiftung. 2019 waren ihre Arbeiten in der Ausstellung „Original Bauhaus“ in der Berlinischen Galerie und 2020 in der Ausstellung „Aus der Nähe betrachtet“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg zu sehen. Aktuell realisiert Juliane Laitzsch eine künstlerische Dissertation an der Kunstuni Linz, betreut von Thomas Macho, und ist Mitglied des Doktoratsprogramms „Epistemologien ästhetischer Praktiken“ in Zürich.

Pia Linz

Die „Ortsbezogenen Zeichnungsprojekte“ beginne ich meist mit der Vermessung des Ortes mit Fußschritten. Anhand der Vermessungszahlen webe ich einen Flächenplan mit freihändig gezogenen Bleistiftlinien, die von einem Koordinatensystem ausgehen, das ich am unteren und rechten Rand der Papierfläche angelegt habe. Mit einem Umhängezeichenbrett arbeite ich nun direkt vor Ort. Zeichnend und schreibend verorte ich meine über lange Zeiträume aus zahllosen Fußgängerperspektiven gemachten Beobachtungen in den Plan und vergleichzeitige sie so in einer Gesamtübersicht.

„Vor uns stehen gezeichnete Miniaturwelten, parallele Wirklichkeiten, gezeugt von Pia Linz. Hier paart sich objektive Niederschrift mit Tacit knowledge, dem impliziten Wissen, das in der Hand steckt und im Zeichenprozess aktiviert wird. Diese Ambivalenz ist das Faszinierende an den „Ortsbezogenen Zeichnungsprojekten“. Sie stehen am Rande des ontologischen Zweifels und bringen die Grundfesten der Bauten zum Wanken. Denn diese Zeichnungen öffnen nicht nur eine triviale Raum-Illusion, sondern streifen jene Grenze, an der sich Reales und Imaginäres berühren. Flächengesetzlichkeiten sind überlistet, Oberfläche und Tiefe vertauscht. In diesem Zeichnen treffen Fiktion und Fantasie mit wissenschaftlicher Forschung und mathematischer Genauigkeit zusammen. Die Grenzen von Sein und Schein, von Innen und Außen, von Nähe und Ferne verschwimmen. Pia Linz’ Zeichnung ist das Dazwischen, sie hält es fest.“ Mechthild Haas, („Pia Linz“, Ausstellungskatalog: „JE MEHR ICH ZEICHNE. ZEICHNUNG ALS WELTENTWURF“, Museum für Gegenwartskunst Siegen, 2010)

Pia Linz wurde1964 in Kronberg i.T.geboren, studierte an der Städelschule in Frankfurt am Main Malerei und Graphik. Mit ihren Arbeiten ist sie international in Ausstellungen und öffentlichen Sammlungen vertreten. Verschiedene Stipendien führten sie u.a. nach Rom (Studienstiftung des Deutschen Volkes, 1989/90), London (Hessische Kulturstiftung, 2005/06) und New York (Berliner Senatskanzlei-Kulturelle Angelegenheiten, 2010/2011). 2015 wurde sie für ihr Werk mit dem HAP-Grieshaber-Preis der VG Bild-Kunst ausgezeichnet. Seit 2016 ist sie Professorin für Zeichnung an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Christoph Peters

Teeschalen, sonst nichts.

Im November 2019 besuchte ich im Museum der Urasenke-Teeschule in Kyoto eine Ausstellung, in der neben berühmten Gefäßen für die Teezeremonie auch Handschriften aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit einfachen Zeichnungen der ausgestellten Objekte gezeigt wurden.

Da ich mich seit über zwanzig Jahren intensiv mit der japanischen Teekeramik beschäftige und bereits seit Längerem auf der Suche nach einem neuen Ansatz für die eigene zeichnerische Arbeit war, verband sich Beides schon in der Ausstellung zu der Idee, mich einigen der Teeschalen, die ich im Lauf der Zeit zusammengetragen habe, auch zeichnerisch zu nähern. Nach Monaten des Experimentierens entschied ich mich für die Technik der Punktschraffur, da sie einerseits große Präzision ermöglicht, andererseits auf alles vordergründig Individuelle verzichtet.

Zum Zeichnen stelle ich die jeweilige Schale in Augenhöhe auf ein Podest und leuchte sie möglichst gleichmäßig aus. Das Zeichnen ist sowohl ein Abtasten der Konturen und Oberflächen mit Auge und Stift als auch eine Annäherung an das Unsichtbare dahinter.

Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar am Niederrhein geboren. Von 1988 bis 1994 studierte er Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe bei H.E. Kalinowski und G. Neusel, zuletzt als Meisterschüler von Meuser. Anschließend arbeitete er fünf Jahre als Fluggastkontrolleur am Frankfurter Flughafen. Seit 2000 lebt er als Schriftsteller und Zeichner in Berlin.

Zuletzt veröffentlichte er die Romane „Das Jahr der Katze“ (2018) und „Dorfroman“ (2020), den Erzählband „Selfie mit Sheikh“ (2017), sowie den Essay „Diese wunderbare Bitterkeit – Leben mit Tee“ (2016). Sein Werk erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Aspekte-Literaturpreis 1999, den Friedrich-Hölderlin-Preis 2016 und den Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis 2018.

Teile seiner Sammlung japanischer Keramik waren 2019/20 in der Ausstellung „Unter Freunden“ im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, zu sehen.

2020 zeigte das Otto-Ubbelohde-Haus, Goßfelden, Teeschalen und Zeichnungen. Zur Ausstellung erschien der Katalog „Teeschalen, sonst nichts“.

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Bild: Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit, Yulia Lokshina, 2020 © Katholisches Filmwerk

Leben im Quadrat

Eine von Florian Wüst kuratierte Filmreihe

Die Filmreihe Leben im Quadrat wird am Dienstag den 30. November 2021 um 19 Uhr mit dem Film Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit, vom  Yulia Lokshina, fortgesetzt und findet leider ihren Abschluß. Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch mit Yulia Lokshina statt.

Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit, Yulia Lokshina,

DE 2020, 92’

In der westfälischen Provinz leben und arbeiten osteuropäische Leiharbeiter*innen in der Fleischindustrie unter menschenunwürdigen Bedingungen. Aktivist*innen, die sich für ihre Rechte einsetzen, kämpfen mit den Behörden. Zur gleichen Zeit proben Münchener Gymnasiast*innen das Bertolt-Brecht-Stück Die heilige Johanna der Schlachthöfe, das sich schon 1931 mit Marktmacht, Monopolisierung und der Ausbeutung von Arbeiter*innen beschäftigte. Sie sprechen über die globalen Wirtschaftsstrukturen und ihr Verhältnis dazu. Yulia Lokshinas Film verwebt diese beiden Erzählstränge zu einer eindrucksvollen Reflektion über die unsichtbaren Facetten von Leiharbeit und Arbeitsmigration sowie die Entstehung und Aufrechterhaltung von „Parallelgesellschaften“ in Deutschland.

Die von Florian Wüst kuratiert Filmreihe thematisiert die Wohnungsfrage die so alt wie allgegenwärtig ist. Denn Wohnen ist existenziell. Dieser Tatsache steht der durch das Recht auf Eigentum geschützte Warencharakter des Wohnens gegenüber: Immobilien nicht als Dach über dem Kopf, sondern als Kapitalanlage. Zur Frage, wem die Stadt gehört und wer sie sich noch leisten kann, kommt die Frage nach zukünftigen Wohnformen. Denn auch die bauliche Organisation des städtischen Raumes bis hin zu den Wohnungsgrundrissen – ob der Neubau der 1970er Jahre, kollektive Wohnprojekte oder das Loft Living von heute – beschreibt die Verfasstheit sozialen Zusammenlebens.

Programm 2021:

Dienstag, 17. August 2021, 19:00

Das Fahrrad, Evelyn Schmidt, DDR 1982, 89′

Anschließendes Publikumsgespräch mit Evelyn Schmidt

Susanne, ungelernte Arbeiterin, allein mit einer Tochter, schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Sie gibt ihren Job an der Stanzmaschine auf, gerät in finanzielle Schwierigkeiten und meldet ihr Fahrrad als gestohlen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Ihre Begegnung mit dem erfolgreichen Ingenieur Thomas offenbart die sozialen Unterschiede in der nach offizieller Auffassung klassenlosen Gesellschaft der DDR. Das Porträt einer starken, doch in ihrem Selbstwertgefühl verletzten Frau, die so gar nicht dem sozialistischen Frauenbild entsprach, beendete Evelyn Schmidts Karriere als DEFA-Spielfilmregisseurin: Zu kritisch geht sie in Das Fahrrad mit dem Alltag, den Arbeits- und Geisteshaltungen in der DDR um.

Dienstag, 31. August 2021, 19:00

PUSH – Für das Grundrecht auf Wohnen, Fredrik Gertten, SE 2019, 90′

Anschließendes Publikumsgespräch mit Naomi Hennig

Vermieter*innen ohne Gesichter, Wohnungen ohne Mieter*innen. PUSH folgt Leilani Farha, der UN-Sonderberichterstatterin für das Menschenrecht auf angemessenes Wohnen, wie sie die Welt bereist, um herauszufinden, wer im Zuge der Finanzialisierung des Wohnungsmarktes aus der Stadt gepusht wird und warum. „Ich glaube es gibt einen riesen Unterschied zwischen Wohnen als Handelsware und Gold als Handelsware. Gold ist kein Menschenrecht, Wohnen schon“, sagt Farha. Ihre Recherchen führen sie u.a. in eine Sozialbausiedlung im schwedischen Uppsala, wo auf einen Schlag mehrere Tausend Wohnungen den Besitzer wechseln, in das hippe Londoner Viertel Notting Hill, nach New York, Valparaíso und Berlin. Zu Wort kommen neben betroffenen Bewohner*innen die Soziologin Saskia Sassen, der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Joseph Stiglitz sowie der Journalist und Mafia-Experte Roberto Saviano.

Dienstag, 21. September 2021, 19:00

Ich denke oft an Hawaii, Elfi Mikesch, BRD 1978, 85′

Anschließendes Publikumsgespräch mit Elfi Mikesch

Ein Film für jedes Wohnzimmer“ sollte Ich denke oft an Hawaii sein, in dem die Phantasien und Dinge des Alltags ihren besonderen Stellenwert haben. Erzählt wird die Geschichte der 16-jährigen Carmen, die mit ihrer Mutter Ruth und Bruder Tito an der Westberliner Peripherie lebt. Die Mutter arbeitete jahrelang in einer Knopffabrik am Fließband und verdient nun als Putzfrau den Lebensunterhalt für die Familie. Der Vater der Kinder, ein puerto-ricanischer Berufssoldat, verließ sie nach Carmens Geburt. Außer einigen Postkarten und Hawaii-Musik-Platten ließ er nichts zurück. Tochter Carmen will Tänzerin werden, sie träumt von einem warmen Land mit Sonne. Tito hingegen ist ein stiller Junge, der gerne Geige spielt.

Dienstag, 5. Oktober 2021, 19:00

Der Stoff, aus dem Träume sind, Lotte Schreiber, Michael Rieper, AT 2019, 75′

Anschließendes Publikumsgespräch mit Lotte Schreiber

Was bewegt Menschen dazu, sich das Wohnen selbst zu organisieren? Wie finanzieren sie sich und wie funktioniert das Leben in der Gemeinschaft? Anhand von sechs selbstverwalteten Wohnbauten in Österreich aus 40 Jahren – von den Pionier*innen des kooperativen Wohnens in Graz-Raaba über die Ökosiedlung Gärtnerhof bis zum Wohnprojekt Wien und dem Mietshäuser Syndikat-Projekt Willy*Fred in Linz – macht sich Der Stoff, aus dem Träume sind auf die Suche nach Antworten. Lotte Schreiber und Michael Rieper beleuchten nicht nur die sozialen und sozialökonomischen Ansprüche der Akteur*innen sowie deren gesellschaftspolitische Bedeutung, sondern geben ebenso Einblick in die alltäglichen, kleinen wie großen Errungenschaften, Diskussionen und Konflikte, die das Leben im Kollektiv mit sich bringt.

Dienstag, 26. Oktober 2021, 19:00

Rift Finfinnee, Daniel Kötter, ET/DE 2020, 79′

Anschließendes Publikumsgespräch mit Nafiseh Fathollahzadeh und Daniel Kötter

Daniel Kötters neuer Film Rift Finfinnee schickt die Betrachter*innen in streng komponierten Landschaftbildern und einer die Originaltöne komplex verwebenden Tonspur auf eine Reise durch die östliche Peripherie der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba (in Oromo: Finfinnee). Entlang der Schlucht des Akaki-Flusses seziert Kötter am Beispiel von vier extrem unterschiedlichen, obwohl in Sichtweite voneinander liegenden Siedlungen den mehr als nur symbolischen Riss zwischen Stadt und Land. Er nimmt dabei die konkrete Geografie, die Architektur sowie das Alltagsleben von Land- und Bauarbeiter*innen zum Ausgangspunkt einer Erzählung über das rasante Stadtwerden einer afrikanischen Gesellschaft am Rande des Bürgerkriegs.

Dienstag, 9. November 2021, 19:00

Verdrängung hat viele Gesichter, Filmkollektiv Schwarzer Hahn, DE 2014, 94′

Anschließendes Publikumsgespräch mit Samira Fansa

Berlin. Alt-Treptow. Ein kleiner Kiez zwischen Ost und West. Verwilderte Brachen am ehemaligen Mauerstreifen. Motorsägen und Baukräne. Neubauten, Eigentumswohnungen und steigende Mieten. Versteckte Armut, Altmieter*innen, zugezogene Mittelschicht, Architekt*innen, Baugruppen. Auf engstem Raum wird ein Kampf ausgetragen. Von Gesicht zu Gesicht. Ohne Blatt vor dem Mund. Ängste artikulieren sich. Auf allen Seiten. Wut verschafft sich Ausdruck. Ein Kampf um Millimeter. Um den Kiez. Um Würde. Und um das eigene Leben. Verdrängung hat viele Gesichter dokumentiert über den Zeitraum von fünf Jahren die Widersprüche einer neoliberalen Stadt- und Wohnungspolitik, in der nicht nur große Investor*innen und Spekulant*innen vom Prozess der Gentrifizierung profitieren.

 

 

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Bild: Jana Prepeluh. Foto: Shivani Gupt

Im Zentrum der eigenen Peripherie

Fünf Perfonances 2021

Im Zentrum der eigenen Peripherie 2021 geht am Donnerstag den 18. November 2021 um 18 Uhr mit einem Rückblick auf die zurückliegenden Jahre zu Ende.

Nach vier Jahren und 18 Performances endet die Reihe „Im Zentrum der eigenen Peripherie“. Das studio im HOCHHAUS wurde als Raumzeit betreten und als Randerscheinung ins Zentrum gerückt. Die Kuratorinnen Anja Ibsch und Teena Lange laden zu einer ausfransenden, performativen Reflektion ein. Gemeinsam mit Performer*innen und diversen Dokumentationsmaterialien werden Erinnerungen ausgetauscht und Diagnosen gewagt, kurz: es wird gefeiert.

Seit 2018 haben die Künstlerin Anja Ibsch und die Kuratorin Teena Lange eine für die kommunale Galerie studio im HOCHHAUS entwickelte Reihe von 13 Performances kuratiert und realisiert, diese wird 2021 mit fünf weiteren außergewöhnlichen Künstler*innen weitergeführt. Sich im Zentrum der eigenen Peripherie zu bewegen legt den Schwerpunkt auf die Distanz zum eigenen Selbst. Was ist zentral, was ist un_angemessen und wo beginnt eigentlich die Peripherie? Wie bereits 2018, 2019 und 2020 wird die anschließende gemeinsame Reflexion, der Artist Talk, eine wesentliche Komponente der Veranstaltungsreihe sein.

Programm 2021:

Donnerstag, 12. August 2021

Ab 18 Uhr

Alastair MacLennan

SITE CITE

NORM MORN

NO WHERE NOW HERE

… Nur das offene Tosen eines Ozeans, um diesen Schmerz zu heilen. Das Bedürfnis in einem Raum zu spüren und dennoch eine Freude zu empfinden, die alles ausfüllt … kein Schmerz, kein Versagen, kein Grau. Einen Weg entlang gehen, die Straße … und kein zweites Meer sehen.

Alastair MacLennan ist einer der wichtigsten Vertreter der britischen Performance Kunst, er repräsentierte Irland auf der Biennale von Venedig und ist emeritierter Professor der Ulster Universität in Belfast. Er war Gründungsmitglied des Belfaster „Art and Research Exchange“ und ist Mitglied von „Black Market International“. Seine Arbeiten beschäftigten sich mit politischen, sozialen und kulturellen Fehlfunktionen. Für seine Performances und Installationen verwendet er den Begriff „Actuations“.

Donnerstag, 26. August 2021

Ab 18 Uhr

Jana Prepeluh

Autogeographie. In ihrer Performance untersucht Jana Prepeluh lokale und globale sozio-politische Zustände durch Selbstreflexion und mit kritischem Blick. Sie erforscht die Beziehungen zwischen Gehirn und Körper, zwischen Somatik und Psychologie und das Verhältnis des Individuums in Beziehung zu externen systemischen Strukturen. Auch versucht sie, Verknüpfungen zwischen Souveränität und kontrollierender Macht zu visualisieren.

Donnerstag, 9. September 2021

Ab 14 Uhr

Anaïs Héraud-Louisadat & Vaida Tamoševičiūtė

Anaïs Héraud-Louisadat und Vaida Tamoševičiūtė haben sich 2012 in Berlin kennengelernt. Parallel haben sie in den letzten vier Jahren die Erfahrung von Mutterschaft gemacht, die ihr Leben und ihre Kunstpraxis herausgefordert hat. Die Pandemie hat jene Ambivalenzen verstärkt: zwischen Schutz und Isolation, Abhängigkeit und Freiheit, Privileg und Stigmatisierung, Körperlichkeit und Entfremdung. 2018 initiierte Vaida die Performance-Plattform S MOM, die sich mit der Idee der (Nicht-)Mutterschaft beschäftigt. Sie zeigt die Arbeit von Künstlerinnen, die störende, unsichtbare, manchmal verbotene Erfahrungen über (Nicht-) Mutterschaft, Reproduktion und Kinderlosigkeit aussprechen. Die Performance von Anaïs und Vaida beschäftigt sich genau damit.

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Ab 18 Uhr

Tiara Roxanne

Tiara Roxanne ist eine indigene Cyberfeministin, Wissenschaftlerin und Künstlerin. Ihre Forschung und künstlerische Praxis erkunden die Begegnungen zwischen indigenem Körper und künstlicher Intelligenz, indem sie koloniale Strukturen hinterfragt, die in maschinelle Lernsysteme eingebettet sind. Im Fokus steht die These, dass eine Dekolonisierung nicht möglich ist und wir daher dekoloniale Gesten etablieren müssen – als Kräfte und Methoden für dekoloniale oder antikoloniale Handlungen. Sie ist aktiv als Performance-Künstlerin und Praktikerin zwischen dem Digitalen und dem Materiellen unter Verwendung von Textilien.

Donnerstag, 18. November 2021

Ab 18 Uhr

Die Fransen der Peripherie

Nach vier Jahren und 18 Performances endet die Reihe „Im Zentrum der eigenen Peripherie“. Das studio im HOCHHAUS wurde als Raumzeit betreten und als Randerscheinung ins Zentrum gerückt. Die Kuratorinnen Anja Ibsch und Teena Lange laden zu einer ausfransenden, performativen Reflektion ein. Gemeinsam mit Performer*innen und diversen Dokumentationsmaterialien werden Erinnerungen ausgetauscht und Diagnosen gewagt, kurz: es wird gefeiert.

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poetry\\\sound 2021

Lyrik und Elektronische Musik

poetry\\\sound 2021 geht am Sonntag den 21. November 2021 um 16 Uhr mit einer Lesung von Michael Donhauser und einem Konzert von Jasmine Guffond leider zu Ende.

Immer sonntagnachmittags bringt die Reihe poetry\\\sound zeitgenössische Lyrik und Elektronische Musik in der Neu-Hohenschönhausener Galerie studio im HOCHHAUS zusammen.

In jeder Ausgabe hören wir zuerst den*die Autor*in aus seinen*ihren Gedichten lesen, nach einer kleinen Pause folgt das solo-Konzert des*der eingeladenen Musikers*in. Wort und Klang stehen für sich und gehen zugleich eine subtile Verbindung im kompakten Verlauf des Programms ein.

Zuvor und im Anschluss können die Gäste die wechselnden Ausstellungen in der Galerie ansehen, die benachbarte Gaststätte Barnim-Quell lädt zum Einkehren ein.

Programm 2021:

25. Juli Lesung: Sandra Burkhardt\\\Konzert: Nika Son

26. September Lesung: Francesco Maria Tipaldi\\\Konzert: JD Zazie

24. Oktober Lesung: Steffen Popp\\\Konzert: Thomas Ankersmit

7. November Lesung: Caca Savic\\\Konzert: Eric Wong

21. November Lesung: Michael Donhauser\\\Konzert: Jasmine Guffond