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Was ist möglich?





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Was ist möglich?

Der Architekturbereich wird sich dieses Jahr mit den Möglichkeiten beschäftigen, die uns noch bleiben oder wenigstens theoretisch zur Verfügung stehen. Seit Jahren nun steigen die Mieten und Kaufpreise für Wohnungen (und Gewerbe) in immer schwindelerregende Höhen und das Angebot an (noch) bezahlbaren Unterkünften wird immer knapper und zum Teil unerreichbarer. Auch für diejenigen die eine Wohnung haben, wird es immer schwieriger die steigenden Mieten zu bezahlen und mit der Angst umzugehen die Wohnung zu verlieren, aus welchen Gründen auch immer. Demzufolge nimmt das Thema Wohnen einen immer breiteren Raum im täglichen Leben ein, ohne das Lösungen in Sicht wären. Wir wollen nun nach Möglichkeiten suchen, die bereits irgendwo auf der Welt realisiert wurden und uns Beispielhaft einen Weg weisen könnten, oder vielleicht auch nur utopische bis theoretische Überlegungen die Lösungen aufzeigen.

Hier kehren wir wieder zurück und zeigen die Idee von Elemental, die 2010 mit Villa Verde in Chile eine Siedlung bauten die von den Bewohner*innen zuende gebaut werden konnte, wodurch eine doppelt so große Wohnfläche realisiert werden konnte. Die Villa Verde von Elemental, eine Reihenhaussiedlung in Chile, zeigt, wie es möglich ist, durch den Einsatz von Selbsthilfe, ein größeres Raumangebot zu schaffen. Für die Architekten stellte sich die Frage, wie sie den angenommenen Bedarf von ca. 80 qm für eine Familie mit den vorhandenen Geldern decken kann, die nur für 40 qm ausreichen. Die einfache wie geniale Idee war es, die Hälfte fertig zu bauen, für die andere aber die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen (Boden, Dach, Balken für das Geschoss). Die Erdbebenopfer, für die diese Reihenhaussiedlung gebaut wurde, konnte so die andere Hälfte selbst fertig stellen, je nachdem wie viele Mittel sie zur Verfügung hatten dauerte dies unterschiedlich lange.

Im Mittelpunkt stehen aber zuerst einmal “Hütten”, aus aktuellem Anlass schauen wir auf die großartige Ausstellung “Das wachsende Haus” des Stadtbaurats Martin Wagner, die 1932 in Berlin stattfand. Hier wurden Entwürfe für kleine Häuser, sie sehen sehr nach Schrebergarten aus, vorgestellt, die sich den wandelnden Bedürfnissen der Bewohner*innen anpassen und meist in drei Schritten vergrößert werden konnten. Ein Ansatz der gerade stark in der Diskussion ist, aber auch das Potenzial der Entwürfe, die durch ihre Einfachheit eine große Möglichkeit an Selbsthilfe beinhalte, macht eine Wiedervorlage sinnvoll. Hinzu kommt die Möglichkeit eines der Häuser besichtigen zu können, da der studentische Nachbau des später von Mies van der Rohe aufgegriffenen Entwurfes von Ludwig Hilberseimer im Laufe dieses Jahres Station an eben diesem in Lichtenberg macht.

Auch werden wir uns mit Balkrishna Doshi beschäftigen, erst mit den Projekten die günstigen Wohnraum schufen, etwa Aranya, und Ende des Jahres dann mit der Ausstellung von Annette Kisling, Jens Franke und Leonard Wertgen sowie der intensiven Bespielung des Architekturraumes mit Projekten von Balkrishna Doshi.

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Filmprogramm ALLES III





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Bild: Revenant, Michelle Alperin

“Revenant”

Michelle Alperin, 3:51 min, 2013

Revenant ist eine surrealistische Fantasie mit starken Bezügen zum absurden Theater und führt, ganz in diesem Sinne, die Erkundung einer filmischen Traumlogik fort. Laura und Max, ein verheiratetes Paar, verbringen einen entspannten Wochenendnachmittag daheim. Als Laura Geräusche an der Eingangstür hört, trifft sie dort auf Max und einen Besucher – einen großen, mysteriösen, in schwarzer Strickjacke gekleideten Hund. Laura scheint fassungslos, zum einen wegen des Hundes selbst, zum anderen wegen Maxens Behauptung, der Hund sei gekommen, um sie zu sehen. Laura ist umso erstaunter, als Max darauf beharrt, der Hund spreche definitiv die englische Sprache. Wir, das Publikum, sind ebenso verunsichert, ob dies der Wahrheit entspricht, denn wir hören den Hund sowohl bellen als auch sprechen.

Revenant stellt eine Reihe von Fragen: Manipuliert Max Laura, indem er diesen seltsamen Hund in ihr Haus bringt, um sie mit Psychospielen und unlösbaren Rätseln herauszufordern? Wenn ja, warum? Oder kann Laura den Hund, genau wie Max und das Publikum, verstehen, obwohl sie es verneint? Wenn dem so ist, warum verleugnet sie ihre Bekanntschaft zu dem Hund? Und wer ist die mysteriöse und wundersame Gestalt, die die Hausgemeinschaft an einem verschlafenen Nachmittag stört? Es geht um einen nahezu gleichwertigen emotionalen Konflikt dreier Charaktere und wir können keinen der Beweggründe wirklich nachvollziehen. Revenant arbeitet mit den Mitteln der Übertreibung, Fantasterei und dem Absurden, um die Dynamik innerhalb der Paarbeziehung zu enthüllen, während deren tiefer liegende Motive im Dunkeln bleiben.

 

„Minderheit in Mehrheit“

bankleer, 4:30 min, 2011

Das Lied des Musikvideos „Minderheit in Mehrheit“ handelt vom gemeinschaftlichen Aufbruch der Roma-Community aus Stadtviertel Predlice in Usti nad Laben, das vom Staat vollkommen seinem eigenen Verfall überlassen bleibt: Die heruntergekommenen Gebäudefassaden sind Ausdruck der Armut und Perspektivlosigkeit. Das Leben dort ist von der Ausgrenzung und einer damit einhergehenden Ghettoisierung der Roma-Bevölkerung geprägt. „Minderheit in Mehrheit“ setzt einer sich breitmachenden Kultur von Korruption und Apathie den gemeinschaftlichen Aufbruch aus diesen Lebensverhältnissen entgegen. Dieser Clip ist in Zusammenarbeit mit Ondřej Darvaš und Maruška Darvašová entstanden.

 

“parisparis!”

Patrick Borchers, 2:27 min, 2018

 

“focus”

Andreas Drewer, 4:22 min, 2018

Licht erscheint am Rand eines vierfach im Kreis angeordneten Videobildes. Das Licht dringt in das Bild zunächst diffus ein, dann formt der arbeitende Autofokus der Kamera langsam das Abbild des Mondes, der durch den Bildausschnitt wandert, bis es sich wieder auflöst. Eine abstrakte Zeichnung wird gegenständlich und wieder abstrakt.

Die Arbeit des Autofokus, das “Sehen” der Kamera, wird in dieser Videoarbeit zu einem metaphorischen Bild eines allmählichen Verstehensprozesses, im Zentrum ein schwarzes Quadrat als blinder Fleck.

 

“debovary in Lichtenberg”

Debovary, 1 min, 2019

 

“The fragility of holding and letting go”

Dana Engfer, 4:23 min, 2019

Dana Engfer will mit ihren Kunstwerken geheimnisvolle, fragmentarische Bildwelten erfinden. Engfer versteht sich als Sammlerin verschiedener Spuren von Zeit, Erinnerung und Schwebe. Die Videoarbeit “Die Zerbrechlichkeit des Haltens und Loslassens” beschäftigt sich mit dem behutsamen Umgang mit fremden und doch vertrauten Situationen und Handlungen. Engfer arbeitet mit der Spannung zwischen Nähe und Distanz. Der Ton verbindet sich auf fragmentarische Weise mit den Bildern und erzwingt die Spannung zwischen Halten und Loslassen.

„The way up“

Anna Jermolaewa, 4:14 min, 2008

Dem Betrachter der Videoskulptur “Der Weg nach oben” erscheint das Gewirr der Ratten im Glaskäfig eines Tiermarktes in Mexico City und ihr ständiges, vergebliches Streben nach oben als verstörender, metaphorischer Blick auf das Verhalten des Menschen und seiner oft animalisch anmutenden “struggle for life” oder “survival of the fittest”. Die lieblos aufgeklebte Notiz Exportacion wird zum metaphorischen Menetekel. In der durch die Masse der Tiere und die hektische Bewegung auf dem Video beklemmenden Konfrontation erkennt er eigene Verhaltensmuster. (Gaby Gappmayr)

 

„El Orgullo“

Verena Kyselka, 2:45 min, 2015

El Orgullo ist der Begriff des männlichen Egos in Mexiko, äußerlich zu erkennen an der Gestikulation, dem Gesichtsausdruck, der Kleidung und insbesondere den Schuhen. Beim verbotenen Hahnenkampf kommt der EL Orgullo mit besonderem Ausdruck zur Geltung. Die Kampfhähne haben neben ihrem eigenen Stolz, den männlichen Stolz ihrer Eigentümer im Kampf auszutragen. Ein hoffnungsloser, blutiger Kampf, bei dem meistens kein Tier überlebt.

 

“BUM EVERYTHING”

Maria-Leena Räihälä, 2:29 min, 2016

Experiment mit Zeichnungsserien und verschiedenen Sounds:

Hund Sadie (Aufnahmen Zionskirchplatz 2015) / Amsel (Aufnahmen Wollinerstraße 2012) / Singschwan / Dspeech robot

 

“Fish in the sea”

Soopum Sohn, 14:48 min, 2012

Ein koreanischer Mann und eine Französin mit einem lebenden Hummer verirren sich wiederholt in der U-Bahn-Station Times Square. Eine Studie über Zeit und Raum und Mitgefühl.

 

„@crypto_mom0815“

Johanna Thompson, 0:32 min, 2019

Cryptomom versucht Fürsorge mit der Verarbeitung aktueller Geschehnisse und allgemeiner Wahrheiten zu verbinden und dabei eine Form des Ausdrucks zu nutzen, die dem Medium Instagram gerecht wird.

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ALLES III





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ALLES III

Eröffnung am 28. Januar um 19 Uhr

Ausstellung bis zum 15. April 2020

Mit:

Wolfgang Aichner – Sonja Alhäuser – Michelle Alperin – Nándor Angstenberger – Martin Assig – Clara Bahlsen – bankleer – Heike Baranowsky – Heike Kati Barath – Horst Bartnig – Jürgen Baumann – Michael Bause – Konstantin Bayer – Matias Bechtold – Kai-Annett Becker – Matthias Beckmann – Oliver van den Berg – Holger Biermann – Roland Boden – Manuel Bonik – Patrick Borchers – Kai Bornhöft – Benedikt Braun – Thomas Bruns – Marcel Buehler – Ingmar Bruhn – Matthew Burbidge – Astrid Busch – Dirk Busch – Salomé Chkheidze-Mohs – Herbert De Colle – Marula di Como – Chris Costan – Swen Daemen – Henrike Daum – Dellbrügge & de Moll – Anne Dettmer – Helmut Dick – Andreas Drewer – Jesper Dyrehauge – Irena Eden & Stijn Lernout – Manfred Eichhorn – Axel Eichhorst – Jürgen Eisenacher – Dana Engfer – Christel Fetzer – Frederik Foert – Franziska Frey – Sabine Friesicke – Stella Geppert – Catherine Gerberon – Ingo Gerken – Katrin Glanz – Thorsten Goldberg – Carola Goellner – Kerstin Gottschalk – Reinhold Gottwald – Michael Gumhold – Markus Guschelbauer – Massoud Graf–Hachempour – Kim Dotty Hachmann – Ulrich Hakel – Heike Hamann – Klaus Hartmann – Lisa Haselbek – Tanja Hehn – Tina Isabella Hild – Gerhard Himmer – Annika Hippler – Christian Hoischen – Birgit Hölmer – Ralf Homann – Irène Hug – Anja Ibsch – Andrea Imwiehe – Henrik Jacob – Gunilla Jähnichen – Zora Janković – Anna Jermolaewa – Uwe Jonas – Jaeeun Jung – Yuki Jungesblut – Martin Kaltwasser – Mi Jean Kang – Franco Kappl – Judith Karcheter – Veronika Kellndorfer – Werner Kernebeck – Annette Kisling – Ulrike & Günther-Jürgen Klein – Andreas Knäbel – Andreas Koch – Eva–Maria Kollischan – Susanne Kohler – Karen Koltermann – Andreas Kotulla – Ulrike Kötz – Vanja Krajnc – Inge Krause – Annette Kuhl – Susanne Kutter – Verena Kyselka – Chantal Labinski – Pia Lanzinger – Michael Lapuks – Seraphina Lenz – Pia Linz – Antonia Low – Liz Magno – Fritz Margull – Enikö Márton – Matthias Mayer – Howard McCalebb – Manfred Michl – Penka Mincheva – Ulrike Mohr – Leo de Munk – Berit Myrebøe – Silvia Nettekoven – Gertrud Neuhaus – Sybille Neumeyer – Gabriele Obermaier – Lorcan O’Byrne – Juergen O. Olbrich – Bea Otto – Jürgen Palmtag – Jürgen Paas – Günther Pedrotti – Roman Pfeffer – Andrea Pichl – Torsten Prothmann – Marcel Prüfert – Katja Pudor – Maria–Leena Räihälä – Mirja Reuter –– Gerda Riechert – Kai Richter – Sebastian Rogler – Matthias Roth – Rasso Rottenfusser – Julia Sand – Maike Sander – Matthias Schamp – Gisela Schattenburg – Claudia Schoemig – Iris Schomaker – An Seebach – Olivia W. Seiling – Daniel Seiple – Spunk Seipel – Johanna Smiatek – Soyoung Shon – Soopum Sohn – Jan-Peter E.R. Sonntag – Elisabeth Sonneck – Petra Spielhagen – Ute Sroka – Anne Staszkiewicz – Christian Stock – Tommy Støckel – Stoll & Wachall – ststs – Sven Stuckenschmidt – Betty Stürmer – Max Sudhues – Caro Suerkemper – Gaby Taplick – Johanna Thompson – Thea Timm – Peter Torp – Tim Trantenroth – Lukas Troberg – Andrea Übelacker – Timm Ulrichs – Marcos Vidal – Anke Völk – Line Wasner – Christine Weber – Albert Weis – Ute Weiss Leder – Markus Willeke – HS Winkler – René Wirths – Gloria Zein – Barbara Zenner – Christof Zwiener

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Vorschau 2020





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Wolfgang Aichner – Sonja Alhäuser – Michelle Alperin – Nándor Angstenberger – Martin Assig – Clara Bahlsen – bankleer – Heike Baranowsky – Heike Kati Barath – Horst Bartnig – Jürgen Baumann – Michael Bause – Konstantin Bayer – Matias Bechtold – Kai-Annett Becker – Matthias Beckmann – Oliver van den Berg – Holger Biermann – Roland Boden – Manuel Bonik – Patrick Borchers – Kai Bornhöft – Benedikt Braun – Thomas Bruns – Marcel Buehler – Ingmar Bruhn – Matthew Burbidge – Astrid Busch – Dirk Busch – Salomé Chkheidze-Mohs – Herbert De Colle – Marula di Como – Chris Costan – Swen Daemen – Henrike Daum – Dellbrügge & de Moll – Anne Dettmer – Helmut Dick – Andreas Drewer – Jesper Dyrehauge – Irena Eden & Stijn Lernout – Manfred Eichhorn – Axel Eichhorst – Jürgen Eisenacher – Dana Engfer – Christel Fetzer – Frederik Foert – Franziska Frey – Sabine Friesicke – Stella Geppert – Catherine Gerberon – Ingo Gerken – Katrin Glanz – Thorsten Goldberg – Carola Goellner – Kerstin Gottschalk – Michael Gumhold – Markus Guschelbauer – Massoud Graf–Hachempour – Kim Dotty Hachmann – Ulrich Hakel – Heike Hamann – Klaus Hartmann – Lisa Haselbek – Tanja Hehn – Tina Isabella Hild – Gerhard Himmer – Annika Hippler – Christian Hoischen – Birgit Hölmer – Ralf Homann – Irène Hug – Anja Ibsch – Andrea Imwiehe – Henrik Jacob – Gunilla Jähnichen – Zora Janković – Anna Jermolaewa – Uwe Jonas – Jaeeun Jung – Yuki Jungesblut – Martin Kaltwasser – Mi Jean Kang – Franco Kappl – Judith Karcheter – Veronika Kellndorfer – Werner Kernebeck – R.J. Kirsch – Annette Kisling – Ulrike & Günther-Jürgen Klein – Andreas Knäbel – Andreas Koch – Eva–Maria Kollischan – Susanne Kohler – Karen Koltermann – Andreas Kotulla – Ulrike Kötz – Vanja Krajnc – Inge Krause – Annette Kuhl – Susanne Kutter – Verena Kyselka – Chantal Labinski – Pia Lanzinger – Michael Lapuks – Seraphina Lenz – Pia Linz – Antonia Low – Liz Magno – Fritz Margull – Enikö Márton – Matthias Mayer – Howard McCalebb – Manfred Michl – Penka Mincheva – Ulrike Mohr – Leo de Munk – Berit Myrebøe – Silvia Nettekoven – Gertrud Neuhaus – Sybille Neumeyer – Gabriele Obermaier – Lorcan O’Byrne – Juergen O. Olbrich – Bea Otto – Jürgen Palmtag – Jürgen Paas – Günther Pedrotti – Roman Pfeffer – Andrea Pichl – Torsten Prothmann – Marcel Prüfert – Katja Pudor – Maria–Leena Räihälä – Mirja Reuter –– Gerda Riechert – Kai Richter – Sebastian Rogler – India Roper-Evans – Matthias Roth – Rasso Rottenfusser – Matthias Schamp – Julia Sand – Maike Sander – Gisela Schattenburg – Claudia Schoemig – Iris Schomaker – An Seebach – Olivia W. Seiling – Daniel Seiple – Spunk Seipel – Johanna Smiatek – Soyoung Shon – Soopum Sohn – Jan-Peter E.R. Sonntag – Elisabeth Sonneck – Christina Speer – Petra Spielhagen – Ute Sroka – Anne Staszkiewicz – Christian Stock – Tommy Støckel – Stoll & Wachall – ststs – Sven Stuckenschmidt – Betty Stürmer – Max Sudhues – Caro Suerkemper – Gaby Taplick – Johanna Thompson – Thea Timm – Roel van Timmeren – Peter Torp – Tim Trantenroth – Lukas Troberg – Andrea Übelacker – Timm Ulrichs – Marcos Vidal – Anke Völk – Line Wasner – Christine Weber – Albert Weis – Ute Weiss Leder – Markus Willeke – HS Winkler – René Wirths – Gloria Zein – Barbara Zenner – Christof Zwiener

ALLES III

Eröffnung am 28. Januar um 19 Uhr
bis 15. April

Berit Myrebøe, Jan-Peter Sonntag

Eröffnung am 21. April um 19 Uhr
bis 24. Juni

Matias Bechtold, Maike Sander

Eröffnung am 30. Juni um 19 Uhr
bis 26. August

Heike Baranowsky, Veronika Kellndorfer, Mirjam Thomann

Eröffnung am 1. September um 19 Uhr
bis 11. November

Annette Kisling mit Jens Franke, Leonard Wertgen (Architektur und Film)

Eröffnung am 17. November um 19 Uhr
bis 19. Januar 2021

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Melissa Dullius & Gustavo Jahn (Distruktur)





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1 – Muito Romântico (72min, 2016)

Abgrund – und Shangri-La – Die Stadt ist, was man aus ihr macht

Was Karl Scheffler Berlin in seinem berühmten Diktum von 1910 als tragisches Schicksal attestierte, ist den Liebhabern der Stadt von jeher eine Freude: immerfort zu werden und niemals zu sein. Dass das Werden ein Wachsen ist, dafür garantieren immer neue Zugereiste. Sie tragen nicht nur Wünsche, Erwartungen und Träume an die Stadt heran – sie bringen auch die Poesie und Romantik, auf die Berlin als großer Sehnsuchtsort unserer Tage immer wieder neu angewiesen ist.

Mit enormer Sogwirkung ziehen uns die kraftvoll-ruhigen Bilder der Schiffs-Passage aus Brasilien im Muito-Romântico-Exposé zu Melissa und Gustavo ins Boot. Das Ziel der Reise, der neue Lebens- und Arbeitsmittelpunkt, Berlin, ist dagegen Wüste. Zerfallende Altbauten, wuchernde Brachen, Hügellandschaften aus Baustellen überall – bar jeden Glanzes wie ihn etwa das Hockney-Glitzern bis zum Horizont nur Sekunden zuvor noch ausgestrahlt hatte. Herkömmliche Anmut ist eigentlich nur in den herbstlichen Volksparks.

Doch auch die Wüste ist bewohnbar. Berlin ist Abgrund – und Shangri-La. Wohin das Pendel schlägt – der Ausgang ist offen. Übernimmt trüber Alltag das Ruder – was in Berlin schnell gehen kann; nagen Eifersucht, Misstrauen und Unklarheit an den Stadtneurotikern, wie auch zwischen Melissa und Gustavo innerhalb kürzester Zeit – dann sind Herz, Mumm, Abenteuerlust, Poesie und ein Zauber gefragt, den man nur aus sich selbst ziehen kann.

Ein Entkommen ist möglich, immer konnten die Berliner neue Lebensstile und Visionen entwickeln – in den Kiezen und in Muito Romântico verwischen mit dem Personal die Jahrzehnte und Dimensionen, Utopie und Dystopie. Der ehemalige Todesstreifen. Die queere Filmemacherin Imogen Heath. Das ewige anonyme Berliner „Original“. Filmemacher Nikolaus Tscheschner – „Wir leben in Krisenzeiten und in Krisenzonen; so nah und doch so fern“ moderiert er eine Vorführung seines ’85er Films zum Thema „Der Ort, an dem ich wohne“, an.

Jede Biographie ein neuer Entwurf; jede Gruppe eine neue Generation. Kleine Fluchten in Substanzen und Affären mögen helfen, sicherlich Arbeit. Auch Melissa und Gustavo finden durchs Gestrüpp. Im großen durch ein schwarzes Loch in der Wand, durch das sie sich über die Zeit erheben. Im kleinen, indem sie Privates und Arbeit in “Muito Romântico” verweben. Beziehungen und Bekanntschaften ausleben. Musik machen. „Black Banana“ steht dabei am Ende an die Wand geschrieben, dazu eine gepellte schwarze Banane.

So pulsiert der Film unruhig, aber lebhaft auf einem hypnotisch-monotonen Beat in sein offenes Ende – und eine Sternentapete funkelt dazu. Die Band mit der Original-Banane schwingt mit – aber Melissa und Gustavo warten nicht auf den Mann an der Ecke Lexington / 125.

Sie sehen das Licht. (Christian Beck)

2 – In the traveler’s heart (19min, 2013)

3 – Don’t Look Back / Labirinto (6min, 2012)

4 – El Meraya (19min, 2018)

The images of Cairo that make up El Meraya first unfold their attraction by granting access to a foreign city. Then a construction becomes apparent, the scenes give the impression of being staged, part of the realization of a script, the people in it seem like film characters. In fact, however, they are real scenes, only their arrangement by the filmmakers gives the impression of a constructed cinematic event. At the same time, a different reality and a game between reality and fiction emerge, illustrating the power of the images.

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Ulrike und Günther-Jürgen Klein, Anne Staszkiewicz





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Ausstellung vom 13. November 2019 bis 22. Januar 2020

Ulrike und Günther-Jürgen Klein

In „Der Tod ist nur ein Vorhang“ zeigen Ulrike und Günther-Jürgen Klein eine Installation aus ihrem surrealistischen B-MOVIE-Gesamtkunstwerk.

Episode 10, Kapitel 12

Durch die unendlichen Weiten des Alls schwebt die Amöbe II.

Mit einer nachdenklichen Falte auf der hübschen Stirn scannt Evelyne durch die panoramaverglaste Kuppelfront die unendliche Weite: „Wann schlagen wir los?!“ – „Wir warten noch“, kommt es lässig aus der Tiefe des Raumes. Gaspards kantiges Kinn bewegt sich kaum bei diesen Worten. Mit wenigen Schritten tritt er nach vorn, an die Seite der Gefährtin. „Auf was?“, fragt Evelyne mit dunkler Stimme.

„Die korrekte Frage muß lauten: Auf wen?“, klärt Professor Frauenschuh, der sich dezent im Hintergrund gehalten hatte, die Freunde auf.

In diesem Augenblick, ringeldibingel, klingelt es freundlich an der Tür. Wer mag das sein?

Auf einem verspratzten Schwarzweissmonitor erkennt man vage ein heftig winkendes Männlein mit wallendem Haupthaar.

„Hallöooh! Ich bin’s!“, krächzt es frohgemut aus dem Lautsprecher.

Potztausend! Das ist ja der Prof. Dr. Caspar David Friedrich Mannheimer!

 

Anne Staszkiewicz

Einfach nur zu gehen ist das Unangestrengteste. Bei den Bildern von Anne Staszkiewicz befindet man sich mitten auf dem Weg, wo Farbe sich gehen lässt, als bewege mab sich wie durch eine Landschaft auf dem Wege des geringsten Widerstandes.
Der eine oder andere Balken im Blick dient als Orientierungshilfe und markiert die Schnittstellen des Papiers, hält es zusammen und lässt an eine Landkarte erinnern.
Zwar weiß niemand, wohin die Reise geht, aber hin und wieder gibt ein Hund oder eine mehr oder weniger lebendige Figur einen Kommentar, um vielleicht verstehen zu helfen, oder um wenigstens etwas von der Einsamkeit zu nehmen, welche diese Stimmungskarten erzeugen.

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Fotos: Thorsten Bruns

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poetry\\\sound

Sonntag, 20. Oktober 2019





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poetry\\\sound #10

Zeitgenössische Lyrik und Elektronische Musik

im Wohnzimmerformat

Sonntag, 20. Oktober 2019

Beginn: 16:00 Uhr

 

Lesung: Christiane Heidrich – Gedichte

aus „Spliss“ (kookbooks, 2018)

Konzert: Felicity Mangan – Live-Elektronik

 

Christiane Heidrich (*1995) lebt in Wien. Studium der Bildenden Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und am Institut für Sprachkunst in Wien. „Spliss“, ihr erster Gedichtband, ist 2018 bei kookbooks erschienen.

Felicity Mangan ist eine australische Klangkünstlerin und Komponistin, die seit 2008 in Berlin lebt. Mangan nutzt ihr Archiv mit Klangaufnahmen australischer Tiere in den unterschiedlichsten Situationen: in Soloperformances, kollaborativen Pojekten mit anderen Musikern ober Installationen. Entweder handelt es sich dabei um ein stereophones System oder der Klang wird mit Lautsprechern aus handgemachten oder recycelten Gegenständen reproduziert.

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Harun Farocki September bis Dezember 2019





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Harun Farocki im studio im HOCHHAUS

Kuratiert von Michael Freerix

 

21. November: „Die Schulung“ (1987, 44 min)

Als eine Art „Vorarbeit“ zu „Leben BRD“ entstand dieser Film, in dem Angestellte lernen sollen, sich und die Firma, die sie vertreten, „besser zu verkaufen“. Da geht es um die einfachsten Dinge des Lebens, wie man eine Tür öffnet, sich auf einen Stuhl setzt, jemanden begrüßt, eine Tasse Kaffee trinkt. Alles hat in dieser speziellen Verhandlungssituation eine besondere (und kann von entscheidender) Bedeutung sein. Nicht die Sache an sich wird zum Thema, sondern wie der Verkäufer Atmosphäre herstellt, in der er einen guten Verkauf tätigen kann, ohne dass dies der Käufer bemerkt.

 

Harun Farocki (1944 – 2014)

Geboren wurde Farocki am 09.01.1944 in Nový Jicin (Neutitschein), gelegen in dem damals von den Deutschen annektierten Teil der Tschechoslowakei. Ursprünglich wollte er Literat werden, doch seine Filmleidenschaft sorgte dafür, dass er sich 1966 an der neu gegründeten DFFB bewarb und sogleich angenommen wurde. Ab 1968 begann eine intensive filmische Arbeit mit über 100 Produktionen für Fernsehen oder Kino: Kinderfernsehen, Dokumentarfilme, Essayfilme, Storyfilme. Nebenher war er 1974 bis 1984 Redakteur bei der „Filmkritik“, die sich auf außergewöhnliche Weise mit der Produktion von Bildern und ihren Wirkungsweisen beschäftigte.

Diese Filmreihe verfolgt an Hand von Beispielfilmen den Schaffensweg rückwärts, von seinen letzten Produktionen, die sich mit Architektur beschäftigten, weiter zur Wirkungsweise von Räumen und architektonisch gestalteten Welten hin zum Thema der Kommunikation zwischen Menschen und Räumen. Vieles in seinen Filmen verweist auf die Arbeit von Jean-Luc Godard, einem der großen Vorbilder von Farocki, mit dessen Werk und Schaffen er sich Zeit seines Lebens auseinandersetzte. Neben seiner filmischen und schriftstellerischen Arbeit gesellte sich gleichberechtigt seine Lehrtätigkeit, der er mit viel Lust und Inspirationsfreude überall in der Welt nachging.

 

Auftakt

5. September: „Ein Bild von Sarah Schumann“ (1978, 30 min)

Dieser Film von Harun Farocki zeigt die Entstehung eines Bildes, an dem die Künstlerin neun Wochen gearbeitet hat. Sarah Schumann lebt in Berlin und ist eine Vorkämpferin der feministischen Szene. Zusammen mit einigen anderen Künstlerinnen organisierte sie 1977 die erste große Ausstellung, in der nur Arbeiten von Frauen gezeigt wurden.

Sarah Schumann malt figurativ, dass heißt, sie hat eine Technik entwickelt, bei der Collage und Malerei in mehreren Bildschichten über- und ineinandergearbeitet werden. Die Entstehung eines Bildes wird für den Betrachter zum Abenteuer.

 

26.September: „Sauerbruch Hutton Architekten“ (2013, 73 min)

Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton sind sehr erfolgreiche Architekten im deutschen Bausektor. Zirka 70 Mitarbeiter arbeiten in ihren Büros, bundesweit planten sie bisher unter anderem Großbauten wie die ADAC-Zentrale in München, das Umweltbundesamt in Dessau oder die Behörde für Umwelt und Stadtentwicklung in Hamburg. Im Film sieht man die konzentrierte Aktivität in den Büroräumen, die aufwändige Diskussion um Planungen und Planungsumsetzungen, und informelle Gespräche über Beteiligung an Wettbewerben. Bevor Bauten entstehen, entwickeln sich Denkmodelle, die, immer wieder überarbeitet, schließich zu Stein zu werden.

 

10. Oktober: „Nicht ohne Risiko“ (2004, 50 min)

Wer bei Banken einen Kredit aufnehmen will, braucht Sicherheiten. Hat er diese nicht muss er sich an Risikokapitalgesellschaften wenden. Diese entscheiden vom vorgeschlagenen Projekt ausgehend, ob dieses kreditwürdig ist oder nicht. Im Film sieht man dieses Ringen um eine Kreditlinie, bei der verhandelt, verworfen, neu diskutiert und wieder verhandelt wird. Ob es am Ende zu einer Einigung kommt, hängt von vielen Faktoren ab und nicht unbedingt vom Projekt, um das es sich eigentlich handelt.

 

24. Oktober: „Die Schöpfer der Einkaufswelten“ (2001, 72 min)

Der Werber kennt kein „Shopping“, er redet von der Kommunikation zwischen Kunden und Produkt. Dieses wird angeregt durch die Umgebung, in der Kunde und Produkt aufeinander treffen, hierzulande hauptsächlich in so genannten ‚Shopping-Malls‘. Wie diese geplant und gedacht sind, ist in diesem Film an einem Beispiel heraus gearbeitet. Viele Spezialisten arbeiten dabei Hand in Hand, vieles in diesen Gesprächen dreht sich um Psychologie und Gespür. Entscheidend ist schließlich, wohin der Blick des Kunden fällt oder wie ein „spontaner“ Kaufakt verursacht werden kann.

 

07. November: „Leben BRD“ (1990, 83 min)

Das Leben in der Industriegesellschaft wird immer komplexer und widersprüchlicher. Deshalb arbeiten viele Firmen an Simulationsprozessen, durch die sich Menschen, die in diesen Firmen arbeiten sollen, auf unvorhersehbare und vorhersehbare Arbeitssituation einstellen, und ihr Verhalten praktisch im Trockenversuch „einstudieren“ können. „Leben BRD“ zeigt diese Übungsprozesse, in denen auf das Unvorbereitetsein vorbereitet wird. Mental, körperlich und intellektuell.

 

21. November: „Die Schulung“ (1987, 44 min)

Als eine Art „Vorarbeit“ zu „Leben BRD“ entstand dieser Film, in dem Angestellte lernen sollen, sich und die Firma, die sie vertreten, „besser zu verkaufen“. Da geht es um die einfachsten Dinge des Lebens, wie man eine Tür öffnet, sich auf einen Stuhl setzt, jemanden begrüßt, eine Tasse Kaffee trinkt. Alles hat in dieser speziellen Verhandlungssituation eine besondere (und kann von entscheidender) Bedeutung sein. Nicht die Sache an sich wird zum Thema, sondern wie der Verkäufer Atmosphäre herstellt, in der er einen guten Verkauf tätigen kann, ohne dass dies der Käufer bemerkt.

 

05. Dezember: „Etwas wird sichtbar“ (1981, 114 min)

„Etwas wird sichtbar“ handelt von Distanzen, von Beziehungen zwischen diesen Distanzen. Er erklärt auch nicht, er erinnert nur daran, dass nie zuvor ein Krieg wie der Vietnam-Krieg derart massiv medial verwertet wurde. Trotzdem steht die Frage im Raum, ob diese Bilder seinen Verlauf mitbestimmt hätten. Er zeigt die Nachwehen, die Kriegseffekte. Er kombiniert ein historisches Motiv mit einem romantischen. Vietnam und ein Liebespaar. Und stellt eine moderne Version des Filmes „Hiroshima mon Amor“ eines Alain Resnais dar, nach dem Buch von Marguerite Duras.

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Andrea Pichl, Matthew Burbidge





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Ausstellung vom 4. September bis 6. November 2019

Matthew Burbidge

“Philosophische sowie kunsthistorische Betrachtungen, Annäherungen an Personen der Kunstgeschichte und gesellschaftliche Phänomene nutzt er intensiv, um Objekte, Skulpturen, Installationen und „Nicht-Bilder“ zu fertigen. Die dabei entstehende subjektive Gedanken- bzw. Sinnebene, die die Ursprungsebene künstlerisch fortschreibt, dient ihm wiederum zur sach- und fachlichen Erklärung seiner Arbeiten. Es nimmt anarchische Züge an, wenn er im finalen Arbeitsschritt die Ästhetik der Theorie überstellt, währenddessen er seine Arbeiten genau an jenem theoretischen Gerüst präzise aufbaut. Letztendlich könnte man ihn als einen Vertreter der Konzeptkunst bezeichnen. Wer dies tut, wäre allerdings auf sein intelligentes Spiel zwischen theoretischem Ansatz und ästhetischer Praxis hereingefallen. Er lässt sich nicht einfach einordnen. Trotz der zahlreichen Zitate verliert er nie die Bodenhaftung, denn das ist sein eigentliches Ziel. In Bezug zur Gegenwartspunkt und dem Kunstmarkt ist seine Grundhaltung prinzipiell ablehnend. Eine Überhöhung des Künstler-Genies verachtet er. Er liebt den ‘Punk der Gedanken’.” (Matthias Mayer, 2017)

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Fotos: Thomas Bruns

 

Andrea Pichl

(…) Die Frage ist nun, wie wir Andrea Pichls Skulpturen und Installationen lesen sollen, da alle ornamentalen Phänomene im öffentlichen Raum aus derselben Form zu kommen scheinen. (…) Oder winken aus weiter Ferne Thomas Morus´ Insula Utopia mit ihrem radiozentrischen halbmondförmigen Lageplan, die perfekten und komplizierten Geometrien von Dürers Schachbrettern und Filaretes sternenförmige Idealstädte? Wohnt am Ende noch jedem dümmlichen Baumarktelement ein Rest utopisches Potential inne? Handelt es sich quasi um archäologische Überbleibsel aus dem Zeitalter heroischer Architektur, als Le Corbusier eine Millionenstadt vollständig aus vorgefertigten standardisierten Bauelementen plante und in Berlin das Magazin G erschien, in dem Mies van der Rohe seine ersten Texte über das industrielle Bauen veröffentlichte?

Angesichts dieser widersprüchlichen Fragen an die Arbeit von Andrea Pichl dämmert es dem Betrachter, dass es der Künstlerin weder um Apotheose noch um Verdammung gehen kann. Vielmehr lässt sich an ihren Arbeiten beobachten, was mit Dingen im Transfer passiert. Was es für ein Objekt heißt, wenn es aus seinem ohnehin absurden Kontext gelöst und in den nicht minder befremdlichen Kontext einer Galerie versetzt wird. Dabei führt sie auf sehr behutsame Weise, quasi durch die Hintertür, einen völlig eigenständigen Weg der Re-Konstruktion ein, der dem künstlerischen Interesse an der Beziehungshaftigkeit der Dinge, an ihren Verhältnissen zueinander, an wechselseitigen Bezügen und Verbindungen entspringt und nebenbei die Aufmerksamkeit des Umfelds schärft.“ (Susanne Prinz, 2017)

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Fotos: Thomas Bruns

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Sophie Hamacher





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Love Song on Liberty Crossing

2017, 11 Minuten, 16:9, Farbe, Stereo

Die Staten-Islands-Fähre wird ein Ort der Kontemplation während der letzten drei Monate meiner Schwangerschaft. Über diese Schwangerschaft und die kommende Mutterschaft reflektierend, wird mein Pendeln durch die New York Bay eine persönliche Topographie eines Dazwischen: Zwischen zwei Kontinenten, zwei Sprachen, und zwei Seinszuständen – Individuum und Mutter. Love Song on Liberty Crossing ist ein Brief an mein ungeborenes Kind, der mein eigenes Filmmaterial mit Archivmaterial und gefundenem Sound verwebt.

 

Night Bus

Ein Film von Sophie Hamacher, Sarah Stein Kerr und Tessa Rex

2015, 13 Minuten, 16:9, Farbe, Stereo

Eine lyrische Zusammenstellung von Klängen und Bildern portraitiert die Erfahrungen von Arbeitern, die New York City in einem Nachbus durchqueren. Während ihrer nächtlichen Reise sind die Konzepte in Jonathan Crarys 24/7, der Spätkapitalismus und die Enden des Schlafes, ausgestattet mit der Unmittelbarkeit von Sinneseindrücken, als Reflektionen, die über dunkle Fenster rutschen, Münzen, die in die Ladenkasse strömen, klagende Druckluftbremsen, quietschende Scharniere, das tiefe Summen der Motoren, verschmelzend mit Erscheinungen, die sich aus der tiefschwarzen Dunkelheit der Stadt abzeichnen.

Nur als diffuse Spiegelungen durch die verwitterten Fenster wahrzunehmen reflektieren die Charaktere, mit Stimmen schwer von Müdigkeit, über die Arbeit, die vor oder hinter ihnen liegt. Diese mäandernden Narrative von Einsamkeit und Schlaflosigkeit geben der gelebten Erfahrung der 24-Stunden-Wirtschaft eine Stimme.

 

Debt Tide

2013, 7 Minuten, 16:9, Super8 übertragen auf HD, Farbe, Stereo

Vier junge Frauen kundschaften eine Küstenlandschaft aus. Ihre sorglosen Wanderungen werden plötzlich von Radiostimmen unterbrochen, die die Gegebenheiten über den Finanzcrash wiederholen. Dieser Kurzfilm, als eine Feier von Jugend und Freundschaft, ist auch eine bruchstückhafte Meditation über Verschuldung und eine verspielte Betrachtung über unschuldige Rebellion.

Der Soundtrack beinhaltet Schnipsel von Radiosendungen, atmosphärische Aufnamen und Ausschnitte einer Lesung von Jospef Conrads Karain: A Memory.