hochhaus_home





Hochhaus_logo

Veranstaltungen 2021

poetry\\\sound 2021. Lyrik und Elektronische Musik

Im Zentrum der eigenen Peripherie. Fünf Perfonances 2021

Leben im Quadrat. Eine Fimreihe kuratiert von Florian Wüst

hochhaus_home





Hochhaus_logo

Bild: Sebastian Pöllmann

Lines Fiction Auswahl, Länge / Length 53 Min.
zusammengestellt von Bettina Munk

Lines Fiction online

Unser Projekt versammelt Zeichnerinnen und Zeichner, die ihre Zeichnungen als gleichwertig zu ihren Animationen verstehen. Wir zeigen, wie sich beide Medien gegenseitig inspirieren und ergänzen.
Die Auswahl für dieses Programm beschränkt sich auf kurze Animationen: Viel mehr und längere Stücke kann man online auf linesfiction.de ansehen, da gibt es auch alle weiteren Informationen zu den hier gezeigten Filmen und natürlich unseren Newsletter.

 

Filmprogramm:

Manon Bovenkerk
Eden, 2011, 1:44, no Sound
eine Animation in der Tradition der frühen Zeichentrickfilme.

Juliane Ebner
Knallerbsenbusch, 2012, 4:30, Text gesprochen von Juliane Ebner
Juliane Ebner erzählt aus ihrer Kindheit und Jugend in der DDR und der Zeit der Wende.

Simon Faithfull
19 Planes Landing, 2020, 1:00, no Sound
Simon Faithfull zeichnet seine Vorlagen für Animationen im Handy und lässt in Coronazeiten 19 Flugzeuge landen.

Tina Haber
Interieur 0303, 3:22, no Sound
Tina Haber wandert in ihren Aquarellierten Innenräumen durch Zimmer und Treppenhäuser, wie in Online Room Tours, und es entsteht eine gleichzeitig vertraute wie unheimliche Atmosphäre.

Aline Helmcke
16:9 clockwise anti-clockwise, 2017, 1:15, no Sound
Ein Faden nimmt in der Screenweite des Bildschirms alle ihm möglichen Positionen ein.

Kakyoung Lee
Dance, Dance, Dance, 2011, 2:20, Sound
Die Standbilder eines Videos werden von Kakyoung Lee in Kaltnadelradierungen übersetzt, und dann für die Animation übereinander montiert, so dass alle Tanzbewegungen sichtbar werden.

Jakob Kirchheim
Sternenstaub, Linofilm, 2012, 3:10, Text gesprochen Von Teresa Delgado
Mit Linoschnitten von Jakob Kirchheim entstehen in Zusammenarbeit mit Teresa Delgado poetische Animationen, Poetry Films.

Simona Koch
Abiotismus 4 / Körper 1, 2014, 1:22, Animation mit Plastillin, no Sound
Mikroskopische Einblicke, wie in Simona Kochs Animation gezeigt, reflektieren ihre Beschäftigung mit Wissenschaft und Kunst.

Betina Kuntzsch
Reise, 2014, 1;43, Computeranimation, no Sound
Aus kleinen Fehlern und Störungen in Computerprogrammen entstehen die Animationen von Betina Kuntzsch.

Sarah Jane Lapp
Catherine’s Rabbi, 2016, 3:49, Skyjelly
Musik von Skyjelly mit Animationen von S J Lapp

Jennifer Levonian
The Oven Sky, 2011, 4:42, Aquarell und Montage
In detailreichen Zeichnungen montiert Jennifer Levonian einen Film über Gentrifizierung in ihrem Kiez in einer amerikanischen Stadt.

Petra Lottje
Ohne meinen Anwalt, 2018, 2:14, 21 digital bewegte Portraits
Im Strafgericht Moabit beobachtet Petra Lottje die Gesichter der Anwesenden und gibt deren Stimmung im bewegten Bild einen lebendigen Ausdruck.

David Mackintosh
Precipice/Abgrund, 2019, 1:29, Aquarell
In schnell aquarellierten Zeichnungen zeigt uns David Mackintosh Bilder von persönlichen und politischen Abgründen.

Miodrag Manojlovic
House, 2012/13, 1:27, Sound
Mit Bild und Ton schafft Miodrag Manojlovic eine surreal unheimliche Atmosphäre.

Serge Onnen
Break, 2007, 2:09, Sound
Wir sehen, wie vergnüglich man elektronische Geräte zerbrechen kann!

Sebastian Pöllman
the way of life, 2008, 1:13, no Sound
Liebe, Geburt, Tod, Verlassen: alles das in einer Minute.

Peter Radelfinger
Animation 1, 0:38, no Sound
Was alles rund um unsere PET-Flaschen passiert.

Matthias Reinhold
domino, 2013, 0:43, no Sound
Dominosteine fallen trickreich um.

Robert Seidel
abogar | people part I, 2019, 3:47
Eine Computeranimation zur Musik, als retro-futuristisches Hybrid aus Pinselschwüngen und Programmierung.

Norbert Trummer
Stadtkino Wien, 2015, 2:19, Musik: der schwimmer
Der ausführliche Blick ins Stadtkino im Zeichentrick.

Nicole Wendel
The Circle, 2017, 5:32, Kamera: Jérôme Ballack, Musik: Yohei Yamakado
Zeichnungsperformance im Espace d’Art Contemporain André Malraux, Colmar

hochhaus_home





Hochhaus_logo

Bild: Pia Linz, Zingster Straße 25, 2020

25. August bis 10. November 2021

Matthias Beckmann, Patrick Borchers, Bea Davies, Jorn Ebner, Juliane Laitzsch, Pia Linz, Christoph Peters

aufzeichnen

Zeichnung als Dokumentation

Die von Matthias Beckmann mitkuratierte Ausstellung „aufzeichnen“ gibt einen Einblick in die „zeichnerische Dokumentation“.

Die Ausstellung zeigt an sieben künstlerischen Positionen exemplarisch die Zeichnung als zeitgenössisches künstlerisches Medium der Dokumentation. Herangehensweisen, Formate und Techniken sind so unterschiedlich wie die Sichtweisen der Zeichnerinnen und Zeichner. Manche von ihnen werden den Begriff Dokumentation ablehnen, da er nur einen Teil ihrer Arbeit betrift.

In umfangreichen Zeichnungsfolgen werden Orte akribisch beschrieben. Der Comic lässt Bilder und Texte Geschichten erzählen. Die Spur des Stiftes kann Bewegungen und Handlungen nachspüren. Schwarze Punkte bringen in ihrer Verdichtung die Schönheit japanischer Teeschalen zur Erscheinung. Die Zeichnung ist Textur und beschäftigt sich mit Textur. Territorien werden erwandert, vermessen und aufgezeichnet. Mit geeigneten Liniennetzen kann man Schätze aus den medialen Bilderfluten heben. Und immer gilt, dass Zeichnen wie auch Sehen ein Akt der Interpretation ist. Das absichtslose Sehen, die reine Dokumentation gibt es nicht.

Matthias Beckmann

“Matthias Beckmann zeichnet vor Ort. Er braucht keine andere Vorlage als die gerade anvisierte Situation. Die ergreift er im Sehen, ja, es scheint so, als lege er wie in einer Art skelettierenden Solarisation die offensichtliche Lineatur frei. Der dafür notwendige Röntgenblick scheint angeboren. Mühelos durchdringt er die verwirrenden Ablenkungen des farbigen Hell-Dunkels, zurück bleibt ein netzartiges Konzentrat, das nichts Wichtiges vergisst. Details sind zu erkennen, Vorne und Hinten, Nähe und Ferne schaffen den Raum, Gegenstände, Schattenfugen oder die Maserung des Holzes werden in den sich bietenden Umrissen entsprechend übersetzt. Eine strukturelle Plausibilität hat das Sagen, die immer ein wenig am Rande eines ornamentalen Realismus steht. Trotz der partiell automatisch anmutenden Übertragungsarbeit ist die Fähigkeit vorhanden, zu ignorieren, zu übersehen, was den Blättern immer wieder schöne Freiflächen, bzw. natürliche Gewichtungen beschert. Festgehalten wird nur das Notwendigste. Ohnehin wirken diese Zeichnungen wie im Weiß aufgehängt.” (Reinhard Ermen, Matthias Beckmann, Kunstforum International, Band 231, 2015, Titel: Zeichnen zur Zeit VII, S. 166)

Matthias Beckmann wurde 1965 in Arnsberg geboren und lebt als Zeichner in Berlin. Er hat an den Kunstakademien in Düsseldorf und Stuttgart studiert. Seine streng linearen Werke entstehen ohne fotografische Hilfsmittel oder vorbereitende Skizzen direkt vor dem Motiv. Seit einigen Jahren arbeitet er auch an Zeichentrickfilmen. Seine künstlerische Arbeit wurde u.a. gefördert durch ein Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn, ein Auslandsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Paris, ein Stipendium der Künstlerhäuser Worpswede, das Casa-Baldi-Stipendium in Olevano Romano und einen Arbeitsaufenthalt im Atelier des Landes Oberösterreich im Salzamt Linz. Matthias Beckmanns Werke befinden sich in vielen grafischen Sammlungen, z.B. in Berlin, Bonn, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen oder Wuppertal.

Patrick Borchers

“Borchers Zeichnungen sind Bilder fragmentierter Wirklichkeitserfahrung, die sich in einem einfachen, zentralperspektivischen Narrativ nicht mehr vermitteln lässt. Wir stehen vor dem Bild wie in einem japanischen Zen-Garten und sind nicht in der Lage, die Totalität der Komposition, die genaue Anzahl der Steine auf dem Kiesbett zu erfassen, wo auch immer wir stehen, das Gesamtbild ist nicht komplett.” (Aus: „Elefantenbabies und tote Terroristen – zu Patrick Borchers bildanalytischen Hieroglyphen der Gegenwart.“, Jan-Philipp Fruehsorge, S.3, 2017)

Patrick Borchers wurde 1975 geboren, ist Zeichner und Videokünstler. Er lebt und arbeitet in Hagen und Dortmund. Nach einem Kunst- und Sonderpädagogikstudium an der Universität Dortmund besuchte er die Klasse Timm Ulrichs an der Kunstakademie Münster. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, beispielsweise 2008 in Kyoto und Osaka, 2011 im OK Offenes Kulturhaus OÖ in Linz, 2014 in zwei Ausstellungen im Museum Folkwang Essen, 2016 im Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität und 2019 im Osthaus Museum Hagen. Neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit ist er als künstlerischer Mitarbeiter im Bereich Graphik an der TU Dortmund tätig.

Bea Davies

“Vor Ort zu zeichnen ist mein Weg, um tief in das ‚Hier’ und ‚Jetzt’ zu tauchen, ein Fluchtweg aus unserer subjektiven Blase, ein Zugang zur Realität, die uns umgibt.

Das zeichnerische Festhalten von Bildsequenzen, Bewegungen, Farben und Geräuschen, die sich eben gerade vor meinem Auge abgespielt haben, ist von einer ungeschönten Unmittelbarkeit, die in anderen Medien kaum zu finden ist.

Für meine Reportagen verbinde ich das Zeichnen vor Ort mit der für den Comic typischen sequentiellen Erzählweise mit dem Ziel, den Lesern die abgebildeten Situationen und Ereignisse möglichst nah zu bringen und ihnen einen persönlichen Zugang zu bieten.”

Beatrice Davies, wurde 1990 in Italien geboren, lebt seit dem Jahr 2012 in Berlin und arbeitet als freie Illustratorin und Comiczeichnerin, unter anderem für die Obdachlosenzeitung Strassen|feger. Gefördert durch ein Stipendium beginnt sie 2010 ihre künstlerische Ausbildung an der School of Visual Arts in New York. Nach Aufenthalten in Kolumbien und Italien zieht sie mit Mann und Kind nach Berlin. Im Jahr 2015 fängt sie ein Studium der Visuellen Kommunikation an der weissensee kunsthochschule berlin an. 2016 erhält sie den Förderpreis der Comic Invasion Berlin und das Mart Stam Stipendium. 2018 wird sie von der Studienstiftung des Deutschen Volkes angenommen. Ihre erste Graphic Novel “Der König der Vagabunden”, mit dem sie 2019 unter den Finalisten für den Comicpreis der Berthold Leibinger Stiftung ist, erscheint im gleichen Jahr im avant-verlag. 2020 veröffentlicht der Jaja-Verlag einen Sammelband ihrer autobiografischen Comics unter dem Titel „A Child’s Journey“.

Jorn Ebner

“Der gedankliche Raum von Zeichnung besteht aus Schichten von Materie und Zeit. Transformationen (von Erinnerung). Zeichnung ist in meiner Arbeit analog und digital, auf Papier oder als Klang. Das Triptychon „08.12.1980“entstand 2014, nachdem ich in meinem Online-Klangprojekt „(The Beatles) in Hamburg“ (2011/2012) [http://wwwthedeatlesinhamburg.com/] akustisch die Orte nachzeichnete, an denen sich die Beatles zu Beginn ihrer Karriere in Hamburg nachweislich aufgehalten hatten. Der Tod John Lennons hat einen so dauerhaft starken Nachhall in meinem Leben, dass ich Yoko, John und das Dakota Building, vor dem Lennon erschossen wurde, als Zeichnungen umsetzen wollte”.

Jorn Ebner wurde 1966 in Bremerhaven geboren, lebt in Berlin. Studien: Magister englische Literatur, Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg (1990-95), BA (Hons) Freie Kunst, Central Saint Martins College of Art and Design, London (1995-98), Corso Superiore di arti visivi – Allan Kaprow, Fondazione Antonio Ratti, Como (1997), AHRC Forschungsstipendium, Kunsthochschule der University of Newcastle upon Tyne (2002-05). Jüngere Projekte: Projektstipendium Kunst + Kommunikation 2020, Kunsthaus Kloster Gravenhorst; AiR Niederösterreich 2019, Krems [AT], Internationale Einzelausstellungen und Beteiligungen: u.a. Kunstverein Bochum; Laura Mars, Berlin; Museo de arte contemporaneo de Bogota [CO]; Vane, Newcastle upon Tyne [UK]. Veröffentlichungen beim Verlag The Green Box, Berlin.

Juliane Laitzsch

Aus der Nähe betrachtet

Die künstlerische Arbeit von Juliane Laitzsch ist motiviert von der Neugierde, Dinge in ihrem Werden und Vergehen zu verstehen. Wie verändern sich Dinge im Laufe der Zeit und wie entstehen die entsprechenden Bilder in unseren Köpfen?

Ausgehend von einer Auseinandersetzung mit historischen Textilien, aktuell handelt es sich um spätantike Textilfragmente aus Ägypten, fragt sie nach der Zeit; nach der Zeit, die sich in das Material der Textilien einschreibt, und nach der Zeit, die in der medialen Vermittlung der Objekte, in Texten und Fotografien, lesbar wird. Die Zeichnungen folgen ihren Beobachtungen, sie reproduzieren die Objekte betreffende Dokumente und sie dokumentieren ihren eigenen Entstehungsprozess. Die Zeichnung dient Juliane Laitzsch als ein Medium der Annäherung und Verlangsamung. Dabei variiert ihre Zeichentechnik von der möglichst präzisen Darstellung bis zur Telefonkritzelei. Ihre Aufmerksamkeit gilt dem Prozess des Zeichnens, seiner Eigendynamik, seinen Rhythmen, Resonanzen und Rückkopplungen.

Juliane Laitzsch wurde 1964 in Nürnberg geboren, sie studierte Bildhauerei in Bremen und an der Hochschule der Künste in Berlin. Sie erhielt Arbeitsstipendien u.a. vom Berliner Senat, vom Land Mecklenburg-Vorpommern, Forschungsstipendien von der Graduiertenschule der UdK Berlin und von der VW-Stiftung. 2019 waren ihre Arbeiten in der Ausstellung „Original Bauhaus“ in der Berlinischen Galerie und 2020 in der Ausstellung „Aus der Nähe betrachtet“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg zu sehen. Aktuell realisiert Juliane Laitzsch eine künstlerische Dissertation an der Kunstuni Linz, betreut von Thomas Macho, und ist Mitglied des Doktoratsprogramms „Epistemologien ästhetischer Praktiken“ in Zürich.

Pia Linz

Die „Ortsbezogenen Zeichnungsprojekte“ beginne ich meist mit der Vermessung des Ortes mit Fußschritten. Anhand der Vermessungszahlen webe ich einen Flächenplan mit freihändig gezogenen Bleistiftlinien, die von einem Koordinatensystem ausgehen, das ich am unteren und rechten Rand der Papierfläche angelegt habe. Mit einem Umhängezeichenbrett arbeite ich nun direkt vor Ort. Zeichnend und schreibend verorte ich meine über lange Zeiträume aus zahllosen Fußgängerperspektiven gemachten Beobachtungen in den Plan und vergleichzeitige sie so in einer Gesamtübersicht.

„Vor uns stehen gezeichnete Miniaturwelten, parallele Wirklichkeiten, gezeugt von Pia Linz. Hier paart sich objektive Niederschrift mit Tacit knowledge, dem impliziten Wissen, das in der Hand steckt und im Zeichenprozess aktiviert wird. Diese Ambivalenz ist das Faszinierende an den „Ortsbezogenen Zeichnungsprojekten“. Sie stehen am Rande des ontologischen Zweifels und bringen die Grundfesten der Bauten zum Wanken. Denn diese Zeichnungen öffnen nicht nur eine triviale Raum-Illusion, sondern streifen jene Grenze, an der sich Reales und Imaginäres berühren. Flächengesetzlichkeiten sind überlistet, Oberfläche und Tiefe vertauscht. In diesem Zeichnen treffen Fiktion und Fantasie mit wissenschaftlicher Forschung und mathematischer Genauigkeit zusammen. Die Grenzen von Sein und Schein, von Innen und Außen, von Nähe und Ferne verschwimmen. Pia Linz’ Zeichnung ist das Dazwischen, sie hält es fest.“ Mechthild Haas, („Pia Linz“, Ausstellungskatalog: „JE MEHR ICH ZEICHNE. ZEICHNUNG ALS WELTENTWURF“, Museum für Gegenwartskunst Siegen, 2010)

Pia Linz wurde1964 in Kronberg i.T.geboren, studierte an der Städelschule in Frankfurt am Main Malerei und Graphik. Mit ihren Arbeiten ist sie international in Ausstellungen und öffentlichen Sammlungen vertreten. Verschiedene Stipendien führten sie u.a. nach Rom (Studienstiftung des Deutschen Volkes, 1989/90), London (Hessische Kulturstiftung, 2005/06) und New York (Berliner Senatskanzlei-Kulturelle Angelegenheiten, 2010/2011). 2015 wurde sie für ihr Werk mit dem HAP-Grieshaber-Preis der VG Bild-Kunst ausgezeichnet. Seit 2016 ist sie Professorin für Zeichnung an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Christoph Peters

Teeschalen, sonst nichts.

Im November 2019 besuchte ich im Museum der Urasenke-Teeschule in Kyoto eine Ausstellung, in der neben berühmten Gefäßen für die Teezeremonie auch Handschriften aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit einfachen Zeichnungen der ausgestellten Objekte gezeigt wurden.

Da ich mich seit über zwanzig Jahren intensiv mit der japanischen Teekeramik beschäftige und bereits seit Längerem auf der Suche nach einem neuen Ansatz für die eigene zeichnerische Arbeit war, verband sich Beides schon in der Ausstellung zu der Idee, mich einigen der Teeschalen, die ich im Lauf der Zeit zusammengetragen habe, auch zeichnerisch zu nähern. Nach Monaten des Experimentierens entschied ich mich für die Technik der Punktschraffur, da sie einerseits große Präzision ermöglicht, andererseits auf alles vordergründig Individuelle verzichtet.

Zum Zeichnen stelle ich die jeweilige Schale in Augenhöhe auf ein Podest und leuchte sie möglichst gleichmäßig aus. Das Zeichnen ist sowohl ein Abtasten der Konturen und Oberflächen mit Auge und Stift als auch eine Annäherung an das Unsichtbare dahinter.

Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar am Niederrhein geboren. Von 1988 bis 1994 studierte er Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe bei H.E. Kalinowski und G. Neusel, zuletzt als Meisterschüler von Meuser. Anschließend arbeitete er fünf Jahre als Fluggastkontrolleur am Frankfurter Flughafen. Seit 2000 lebt er als Schriftsteller und Zeichner in Berlin.

Zuletzt veröffentlichte er die Romane „Das Jahr der Katze“ (2018) und „Dorfroman“ (2020), den Erzählband „Selfie mit Sheikh“ (2017), sowie den Essay „Diese wunderbare Bitterkeit – Leben mit Tee“ (2016). Sein Werk erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Aspekte-Literaturpreis 1999, den Friedrich-Hölderlin-Preis 2016 und den Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis 2018.

Teile seiner Sammlung japanischer Keramik waren 2019/20 in der Ausstellung „Unter Freunden“ im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, zu sehen.

2020 zeigte das Otto-Ubbelohde-Haus, Goßfelden, Teeschalen und Zeichnungen. Zur Ausstellung erschien der Katalog „Teeschalen, sonst nichts“.

hochhaus_home





Hochhaus_logo

Bild: Rift Finfinnee, Daniel Kötter, 2020 © Daniel Kötter

Leben im Quadrat

Eine von Florian Wüst kuratierte Filmreihe

Die Filmreihe Leben im Quadrat wird am Dienstag den 26. Oktober 2021 um 19 Uhr mit dem Film Rift Finfinnee, von Daniel Kötter, fortgesetzt. Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch mit Nafiseh Fathollahzadeh und Daniel Kötter statt.

Rift Finfinnee, Daniel Kötter, ET/DE 2020 , 79′

Daniel Kötters neuer Film Rift Finfinnee schickt die Betrachter*innen in streng komponierten Landschaftbildern und einer die Originaltöne komplex verwebenden Tonspur auf eine Reise durch die östliche Peripherie der äthiopischen Hauptstadt Addis Ababa (in Oromo: Finfinnee). Entlang der Schlucht des Akaki-Flusses seziert Kötter am Beispiel von vier extrem unterschiedlichen, obwohl in Sichtweite voneinander liegenden Siedlungen den mehr als nur symbolischen Riss zwischen Stadt und Land. Er nimmt dabei die konkrete Geografie, die Architektur sowie das Alltagsleben von Land- und Bauarbeiter*innen zum Ausgangspunkt einer Erzählung über das rasante Stadtwerden einer afrikanischen Gesellschaft am Rande des Bürgerkriegs.

Die von Florian Wüst kuratiert Filmreihe thematisiert die Wohnungsfrage die so alt wie allgegenwärtig ist. Denn Wohnen ist existenziell. Dieser Tatsache steht der durch das Recht auf Eigentum geschützte Warencharakter des Wohnens gegenüber: Immobilien nicht als Dach über dem Kopf, sondern als Kapitalanlage. Zur Frage, wem die Stadt gehört und wer sie sich noch leisten kann, kommt die Frage nach zukünftigen Wohnformen. Denn auch die bauliche Organisation des städtischen Raumes bis hin zu den Wohnungsgrundrissen – ob der Neubau der 1970er Jahre, kollektive Wohnprojekte oder das Loft Living von heute – beschreibt die Verfasstheit sozialen Zusammenlebens.

Weitere Temine:

Di, 9.11., 19 Uhr / Verdrängung hat viele Gesichter, Filmkollektiv Schwarzer Hahn, DE 2014, 94′

Di, 30.11., 19 Uhr / Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit, Yulia Lokshina, DE 2020, 92′

 

hochhaus_home





Hochhaus_logo

Bild: Jana Prepeluh. Foto: Shivani Gupt

Im Zentrum der eigenen Peripherie

Fünf Perfonances 2021

Im Zentrum der eigenen Peripherie 2021 geht am Donnerstag den 18. November 2021 um 18 Uhr mit einem Rückblick auf die zurückliegenden Jahre zu Ende.

Nach vier Jahren und 18 Performances endet die Reihe „Im Zentrum der eigenen Peripherie“. Das studio im HOCHHAUS wurde als Raumzeit betreten und als Randerscheinung ins Zentrum gerückt. Die Kuratorinnen Anja Ibsch und Teena Lange laden zu einer ausfransenden, performativen Reflektion ein. Gemeinsam mit Performer*innen und diversen Dokumentationsmaterialien werden Erinnerungen ausgetauscht und Diagnosen gewagt, kurz: es wird gefeiert.

Seit 2018 haben die Künstlerin Anja Ibsch und die Kuratorin Teena Lange eine für die kommunale Galerie studio im HOCHHAUS entwickelte Reihe von 13 Performances kuratiert und realisiert, diese wird 2021 mit fünf weiteren außergewöhnlichen Künstler*innen weitergeführt. Sich im Zentrum der eigenen Peripherie zu bewegen legt den Schwerpunkt auf die Distanz zum eigenen Selbst. Was ist zentral, was ist un_angemessen und wo beginnt eigentlich die Peripherie? Wie bereits 2018, 2019 und 2020 wird die anschließende gemeinsame Reflexion, der Artist Talk, eine wesentliche Komponente der Veranstaltungsreihe sein.

hochhaus_home





Hochhaus_logo

poetry\\\sound 2021

Lyrik und Elektronische Musik

poetry\\\sound 2021 geht am Sonntag den 24. Oktober 2021 um 16 Uhr mit einer Lesung von Steffen Popp und einem Konzert von Thomas Ankersmit weiter.

Immer sonntagnachmittags bringt die Reihe poetry\\\sound zeitgenössische Lyrik und Elektronische Musik in der Neu-Hohenschönhausener Galerie studio im HOCHHAUS zusammen.

In jeder Ausgabe hören wir zuerst den*die Autor*in aus seinen*ihren Gedichten lesen, nach einer kleinen Pause folgt das solo-Konzert des*der eingeladenen Musikers*in. Wort und Klang stehen für sich und gehen zugleich eine subtile Verbindung im kompakten Verlauf des Programms ein.

Zuvor und im Anschluss können die Gäste die wechselnden Ausstellungen in der Galerie ansehen, die benachbarte Gaststätte Barnim-Quell lädt zum Einkehren ein.

Weitere Temine:

So, 7.11. 16 Uhr / poetry\\\sound Lesung: Caca Savic\\\Konzert: Eric Wong

So, 21.11. 16 Uhr / poetry\\\sound Lesung: Michael Donhauser\\\Konzert: Jasmine Guffond

hochhaus_home





Hochhaus_logo

9. Juni bis 18. August 2021

Matias Bechtold und Maike Sander

Andere Welten

Matias Bechtold und Maike Sander zeigen im studio im HOCHHAUS eine Welt aus Pappe. Während Maike Sander sich für diese Ausstellung auf Vogelskulpturen konzentriert, erschafft Matias Bechtold Stadtlandschaften.

Die Ausstellung „Andere Welten“ gibt einen Einblick in die künstlerischen Möglichkeiten, die in dem profanen Material stecken.

Matias Bechtolds Arbeiten faszinieren, da sie sowohl durch Mega-Strukturen als auch als Modelle von ganzen Stadtlandschaften oder von riesenhaften Bauten die Imagination beflügeln. Zugleich sind sie so reich an Details, dass man sich bei ihrer Betrachtung regelrecht in ihnen verlieren und dabei vergessen kann, dass es sich um ein Modell handelt. Für diese besondere Erfahrung zwischen Vision, Illusion und Realismus spielt aber nicht nur die Einheitlichkeit des Materials, aus denen sie gefertigt sind, eine wichtige Rolle. Vor allem die konsistente Faktur seiner Bearbeitung, in der das Material fast zum Verschwinden gebracht wird, ist wesentlich. In ihrer konzeptionellen und künstlerischen Geschlossenheit bringen Bechtolds Werke in der Tat ganz eigene Welten zur Anschauung, die die Welt, in der wir leben, kritisch-ironisch kommentieren oder gezielt übersteigen.“ (Laura Mars, 2015)

Mathias Bechtold, 1955 auf Ibiza geboren, baut Modelle von Häusern und ganzen Stadtlandschaften aus Verpackungen im weitesten Sinn. Aus Kuchenverpackungen oder Sushiboxen schichtet er Wolkenkratzer mit kuriosem Innenleben, aus Pappe Städte und Inseln. Teils fiktiv oder von der Literatur angeregt, etwa von Alfred Kubin, oder ausgehend von Vorhandenem als Projektion in eine Zukunft. So sind Städte wie Köln oder Berlin mit Hochhäusern und futuristischen Verkehrswegen entstanden und ist Ibiza zu einem einzigen urbanen Geflecht zusammengewachsen.

Maike Sander setzt die Dinge in Beziehung zu den Menschen. Und siehe da – die Dinge sind belebter, als wir dachten. Der Staubsauger, asthmatisch, verdient sich sein Gnadenbrot, egal, ob er noch saugt oder nicht. Der Fisch: ein Lebewesen, nicht nur eine leckere Auslage im Fischgeschäft. Der Affe: dito – und? Sieht er nicht ein bisschen aus wie Onkel Herbert? So werden eben auch Stühle zu etwas wie Verwandten, Bruder und Schwester. Man muss sich nicht unbedingt lieben um miteinander verwandt zu sein, das kommt in den besten Familien vor. Diese Stühle werden nur noch selten gerückt, sie bewegen sich in sich selbst und ächzen unter der Last des Menschen.

(…) Das von Sander verwendete Material Papier, Karton und Algen ist per se ephemer. Man kann die Stühle und Sessel nicht besitzen, sie sind deutlich charakterisiert als künstlerische Artefakte ohne Gebrauchswert. Dafür vermitteln sie eine Idee des vergänglichen Seins, des jeweiligen Individuums, das einmalig und unwiederholbar ist.

(…) Vielleicht ist das das Wesen der Dinge wie der Menschen: das Altern, das stetige Verändern. Maike Sanders Plastiken schärfen aufs Neue den Blick für Ding und Mensch, vermitteln auf subtile Art und Weise einen Respekt, der uns aufmerksam macht für eine mögliche neue Nachhaltigkeit, die nicht nur unsere Beziehung zu den Dingen sondern auch zu den anderen Menschen betrifft.“ (Martin Stather)

Maike Sander, 1965 in Lüneburg geboren, beschäftigt sich schon lange mit diesem Material in ihrer bildhauerischen Arbeit. Neben Tieren, die sie meist in Originalgrößen erschafft und zum Teil mit anderen Materialien, wie etwa Algen, zum Leben erweckt, sind es auch Alltagsgegenstände, die als Vorlagen dienen. So hat sie gesamte Einrichtungen, vom Stuhl übers Bett bis hin zum Bademantel, aus Pappe geschaffen. Die offensichtliche Fragilität schafft eine spezielle Atmosphäre, die einer Musealität vergleichbar wäre, diese aber auch gleich wieder bricht.

hochhaus_home





Hochhaus_logo

9. Juni bis 18. August 2021

GOLDT: Ready to Ride the Tiger

Videos 2005-2021 / 18 Minuten

portrait of a young woman AT/DE/NZ 2005, Farbe, Musik: pumice, 3 min.

Was sich nun im Gleichklang einer akustischen Gitarre vollzieht, ist eine Art Affektenlehre des weiblichen Körpers, vermittelt über Farbe und ihre vital changierenden Werte im Aufbau einer organischen Form. Irgendwann bricht plötzlich ein Rot aus dem Raster und droht alles zu überwältigen. Gleichbleiben und doch Anderswerden. (Marc Ries)

i deeply regret DE/AT 2008, Farbe, Stimme: Maria Garcia Rojo, 2 min.

Es geht um verpasste Rache und um versäumte Genugtuung. Mein Video zeigt einen Versuch, sich nachträglich mittels einer Machtphantasie aus der Opferrolle zu befreien: Nach langer, langer Zeit lebt hier jemand die Gegenwehr zur gesummten Melodie von Rocky tatsächlich aus.

spot on – spot off: UGANDA DE/A T 2009, Farbe, Stimme: Maria Garcia Rojo, 5 min.

Die Welt im Wohnzimmer. Projektiert wird das Standbild eines bequemen Lederfauteuils nebst Beistelltisch und Zeitungen, während eine Frauenstimme über die politischen Verhältnisse in Zentralafrika spricht. Auch von Coltan ist die Rede, jenem begehrten Rohstoff, der zur Herstellung von Mobiltelefonen abgebaut wird und in der Region für kriegerische Konflikte sorgt. „We cannot watch it anymore“, spricht die Frauenstimme. Karø Goldts außergewöhnliche Arbeit zeichnet sich durch diese Abwesenheit von (Kriegs-) Bildern aus. (Katalogtext Diagonale 2011)

FEMICIDE DE/USA 2020, Farbe, Musik: Timothy Shearer, 6 min.

Hier geht es um die Tötung von Frauen durch Männer, die eine enge Beziehung zu ihren Opfern haben. Es ist schwierig, einen experimentellen Film zu diesem Thema zu machen, aber die Situation der steigenden Zahl an Femiziden in Deutschland muß angesprochen und diskutiert werden.

Ready to Ride the Tiger DE/USA 2021, Farbe, Musik: Timothy Shearer, 1 ½ min.

Dieses kurze Video war ursptünglich ein Trailer für eine Veranstaltung. Diese ist vorbei. Ich mochte den Trailer, also habe ich ein kleines und ironisches Gedicht geschrieben und das Video „Riding the Tiger“ genannt, was bedeutet, die „Angst“ zu verlieren.

Karø Goldt (*1967, lebt in Berlin) arbeitet seit 1993 mit dem Medium der künstlerischen Fotografie und seit 2001 mit dem Medium des experimentellen Kinos. Goldts Videoarbeiten werden aus digitalen und analogen Fotografien animiert. In den Videos arbeitet sie in engem Austausch mit verschiedenen Musikern. Karø Goldts Arbeiten wurden weltweit in zahlreichen Ausstellungen und auf Festivals gezeigt.

Goldts grafisch bemerkenswerte Videos basieren auf experimentellen und digital manipulierten fotografischen Abzügen, die durch die Animation zu verstörend schönen Bildkompositionen werden: formal minimalistisch, sinnlich intensiv. Indem sie einerseits reale Objekte akribisch beobachten und verfremden, andererseits virtuelle Bildwelten schaffen, die an Realitäten erinnern, erreichen Goldts Filme einen Zustand des Dazwischen. Goldts künstlerische Methodik nähert sich der Frage nach dem Bildhaften und der Zeit mit den Mitteln der Fotografie und des Films. Goldt greift aktuelle Themen auf und hinterfragt in ihrer Arbeit u.a. gesellschaftspolitische und ethische Dynamiken der Gesellschaft.

hochhaus_home





Hochhaus_logo

Doshi Doshi Doshi

Auch der Architekturraum wird von der aktuellen Ausstellung von Annette Kisling, Jens Franke und Leonard Wertgen bespielt.

hochhaus_home





Hochhaus_logo

Doshi Doshi Doshi

Auch der Videoraum wird von der aktuellen Ausstellung von Annette Kisling, Jens Franke und Leonard Wertgen bespielt.

Zu sehen ist ein Interview mit Balkrishna V. Doshi das 2016 in seinem Architekturbüro in Ahmedabad stattfand, mit einer Länge von 10 Minuten.