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Ute Aurand und Lilli Kuschel

Donnerstag 23. November, 19 Uhr





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Donnerstag 23. November, 19 Uhr

Filmabend
mit Filmen von Ute Aurand und Lilli Kuschel

dj mfx (reboot fm) gestaltet dazu neue Tonspuren mit Vinyl aus dem Klangarchiv

Ute Aurand

„(…) Throughout the film, Aurand develops a beautiful rhythmic pattern with her in-camera edits and intuitive use of the variable shutter. There is a musical quality to the way brief clusters of shots, complete with flash frames, lead into gestural pans. The manual fades that she employs—often in the same shot—invoke a series of revelations, a feeling further amplified by her cuts to color footage. Aurand shares her process of discovery: as the building unfolds before her, the film is constantly re-energized by new explorations of the architectural space. The museum alone is a stunning example of design, but Aurand’s ability to find new visual surprises in the myriad details of the building—using holes in the walls as frames, considering the shadows of a slatted stairwell, compressing the perspective on a series of latticed walls—moves this well beyond a document of a building into a passionate call to look.(…)” (Chris Kennedy)

IN DIE ERDE GEBAUT (2008, 42 Minuten, 16mm,Idee, Kamera, Schnitt: Ute Aurand)

Vom Spatenstich im Mai 2004 bis zur Eröffnung im Februar 2007 verfolgt der Film den Erweiterungsbau des Museums Rietberg, einer Sammlung außereuropäischer Kunst in Zürich. Im Laufe der Bauarbeiten verändert sich die Art der Arbeit von der schweren körperlichen Arbeit wie Erde ausheben, Beton gießen, Stahlverbindungen verlegen, über Wände glätten und Fußboden verlegen, bis zum Aufstellen der Exponate in den neuen Räumen. Die unterschiedlichen Tätigkeiten der Arbeiter bestimmen den Rhythmus des Films. IN DIE ERDE GEBAUT ist ohne Ton.

 

Lilli Kuschels Bilder städtischer Ensembles und gezeichneter Landschaften, von Verkehrsanlagen, menschlichen Konstellationen und kommunikativen Akten sprechen eine eigenwillig genaue Sprache. Das Entrückte, wie auch das Verrückte der Normalität werden in der Komposition der Dinge und Personen auf ihren Bildflächen sofort sichtbar. Kaum ein Wort wird gesagt, aber der gestaltende Blick hat begriffen, erzählt ohne Worte.

ATLAS CINEMA | Marokko  | 22 min

SONNENALLEE | Deutschland  | 37 min

STYK |Tschechische Republik | 18 min
Atlas Cinema – Auf den weiten Flächen einer marokkanischen Wüste konkurrieren die imposanten Kulissenbauten eines Filmsets mit den spektakulären Landschaften des Atlas Gebirges. Was anfängt wie eine exzellent fotografierte Reportage über Tourismus an ungewöhnlichen Orten vermengt sich fast unmerklich mit dem diffusen Widerhall vergangener medialer Anstrengungen. Die Soundtracks hier gedrehter Sequenzen einer Bibelverfilmung oder Großfilme wie Lawrence of Arabia setzen ein, und Kuschels Film geht in seiner Schnittfolge über in den exakten Nachvollzug der Einstellungen dieser Filme. Die heilige Kaaba ist ein Bretterverschlag, durchs Bild laufende Touristen übernehmen unfreiwillig Rollen, und muslimische Extras verharren in Wartepositionen, bevor sie Christen spielen müssen.
Sonnenallee – Die Kamera fährt eine Straße in Berlin-Neukölln ab und richtet den Blick auf Fassaden, Läden und Schaufenster. Manchmal hält sie inne, der Filmschnitt durchsticht die Fassaden, und wir befinden uns im Inneren der Häuser: in einem arabischen Reisebüro, einer Schneiderei, einem  Nagelstudio, einem Restaurant, einer Arztpraxis, einem Kosmetiksalon, einem Friseurgeschäft und einem Hundesalon. Was dort an Kultur zu sehen ist, ist mehr als sensationell.
Styk – Prag 2009, Nahverkehr und öffentliche Räume, die Komik des Alltäglichen und der Anblicke, die es gewährt. Mitten im angeblichen Chaos wird die Kameraarbeit zu einer bewahrenden Kraft, die die Dinge ebenso auseinanderhält, wie sie sie zusammenbringt.“ (Text: Heinz Emigholz)

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Ursula Blickle Video Archiv im HOCHHAUS

13. bis 15. September 2017





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Ursula Blickle Video zu Gast im studio im HOCHHAUS

13. September ab 19 Uhr

15. September ab 18 Uhr mit dj mfx (reboot fm)

Eine Stadt ist ein Geflecht: bebautes und unbebautes Gebiet, Verkehrsadern, Transportlinien, belebt durch soziale Interaktion. Die Geschichte des bewegten Bildes ist mit jener des modernen wie auch post-modernen Stadtraumes aufs engste verbunden: Keine Raumerfahrung ohne Bewegung ohne Blick ohne „Kino“ im weitesten Sinne.

Die Arbeiten aus dem Ursula Blickle Video Archiv – einem virtuellen Videokunst-Archiv, das im Belvedere und 21er Haus in Wien beheimatet ist – widmen sich besonders dem Aspekt der Beschreibung und Repräsentation von urbanem Raum. Durch die unterschiedlichen künstlerischen Strategien changiert dieser zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, wird zum formbaren Material, öffnet sich Ein- wie Überschreibungen und trägt letztendlich Geschichte(n) weiter. (Claudia Slanar, Kuratorin UBVA)

Programm

Gesamtlänge ca. 60 min

Claudia Larcher, INTER, 2014

Axel Stockburger, Brilliant City, 2004

Devis Venturelli, Loop, 2008

Maia Gusberti, Fragments of a city without a map, 2012

Siegmund Skalar, Gün ve Gece, 2013

Karl-Heinz Klopf, Tesvikiye, 2004

Carlos Vasconcelos, Asphalt, 2013

Konzert mit Videos, neu vertont von Gerhard Schultz (Care Of Editions)

Felix Malnig, D (Detroit), 2007

Marianne Maderna, Negacity, 2004

http://ursulablicklevideoarchiv.com/

 

Claudia Larcher, INTER, 2014, 14 min 10 sek

Die Idee zur Installation INTER entstand während eines zweimonatigen Auslandsaufenthaltes in Tokio, der der Analyse der urbanen Struktur Tokios und der Erforschung des japanischen Begriffs des „MA“ diente. Der Begriff des „MA“ kann ungefähr als „Intervall“ oder „Pause“ übersetzt werden, beschreibt aber eher das nicht fassbare Erleben eines physischen oder psychischen Zwischenraums. (…) INTER bietet am Beispiel T okios einen Blick in eine dystopische Zukunft möglicher Städteplanung und Energiewirtschaft, wobei die Natur sich immer mehr der Architektur unterordnen muss. (Claudia Larcher)

Axel Stockburger, Brilliant City, 2004, 19 min 2 sek

Der Titel bezieht sich auf den Namen des Drehorts, einen Wohnkomplex im Norden von Shanghai. Gänzlich vom 34. Stockwerk des Gebäudes gefilmt, liefert das Video einen voyeuristischen Blick auf die umliegende Stadt und fängt dabei alltägliche Aktivitäten, die von diesem Aussichtspunkt aus zu sehen sind. Der Film agiert im Rahmen eines bestimmten visuellen Bezugssystems, welches von Strategie- und Simulationsspielen (Sim City, The Sims) bekannt ist. Diesen distanzierten Blick nehmen gewöhnlich Städteplaner, Spieler von Videospielen oder Politiker ein. (Axel Stockburger)

Devis Venturelli, Loop, 2008, 3 min 6 sek

Der italienische Architekt und Künstler widmet sich der Erforschung urbaner Zonen. Er interveniert mit Hilfe von Skulpturen und Performances, die die Materialität und Formbarkeit des Stadtraumes wiederspiegeln. (Claudia Slanar)

Stoffe und Isoliermaterialien mit ihrer unterschiedlichen Textur und ihrer Tragbarkeit stehen meist zu Beginn eines künstlerischen Experimentierprozesses: Devis Venturelli hinterfragt das Verhältnis zwischen rigider, permanenter Architektur und deren Nachhaltigkeit und den nomadischen, ephemeren und biegsamen Formen, die gerade durch ihre Leichtigkeit denselben Effekt erzielen. (Fabio Carnaghi)

Maia Gusberti, Fragments of a city without a map, 2012, 8 min 45 sek

Das während eines Künstler_innen-Residency in Amman/Jordanien gesammelte, fragmentarische Material, das im Video zu sehen ist, wurde von mir noch mehr fragmentiert und dekonstruiert. Als nächsten Schritt versuchte ich, mich zu erinnern, die Teile neu zusammenzusetzen, und durch das Material zu einem neuen Ergebnis zu kommen, das auch mich nur überraschen konnte. Schließlich entstand daraus eine imaginäre Landschaft; im Video mit einer Stimme hinterlegt, die von Stadterfahrungen und persönlichen Erinnerungen berichtet. (Maia Gusberti, Claudia Slanar)

Siegmund Skalar, Gün ve Gece, 2013, 8 min

Farb- und leidenschaftslos hängt der Himmel über Istanbul. Zum inneren Monolog einer türkischen Frau weiten sich Aufnahmen aus dem privaten in den öffentlichen Raum. Der Blick aus dem Fenster eines fahrenden Autos lässt eine Stadt im Transit erkennen. Während die Metropole jedoch den Alltag abspult, vermittelt sich im Off ein Begehren, das darin keinen Platz findet; Die Arbeit basiert auf dem gleichnamigen Text der türkischen Autorin Helin Celik. (Siegmund Skalar)

Karl-Heinz Klopf, Tesvikiye, 2004, 5 min 23 sek

Das Video wurde im Istanbuler Stadtteil Tesvikiye gedreht, der auf sieben Hügeln erbaut wurde und damit eine ziemlich extreme Topographie. Dadurch war es in vielen Gegenden schwer, ein öffentliches Verkehrssystem zu implementieren. Die zwischen privat und öffentlich situierten Treppen vor den Häusern wurden somit zum Marker der individuellen Möglichkeiten von Design, in das urbane Gewebe einzugreifen. Im Kontrast zu europäischen Städten etwa, gab es in Istanbul nie einen Masterplan für das Design des Straßenpflasters. (Karl-Heinz Klopf, Sigrid Kurz)

Carlos Vasconcelos, Asphalt, 2013 2 min 21 sek

Das Video Asphalt ist eine Vignette, die beispielhaft einen Arbeitsprozess im Stadtraum zeigt, der zwar zur Erhaltung der Infrastruktur notwendig ist, aber meist als lästiges Übel wahrgenommen wird. Vasconcelos ist dabei fasziniert vom Material und seiner Erscheinungsform, dem Wechsel zwischen flüssig und dampfend-heiß zu kalt und erstarrt, wie auch von den Arbeitsschritten, Gesten und Werkzeugen, die zur Asphaltierung notwendig sind. Auf Ton-ebene werden diese Elemente durch experimentelle, elektronische Musik verstärkt, die den Rhythmus dieses kurzen Stückes Stadtbeobachtung vorgibt. (Claudia Slanar)

 

Neu vertont von Gerhard Schultz (Care Of Editions):

Felix Malnig, D (Detroit), 2007, 16 min (loop)

Felix Malnigs 2007 entstandenes Video zeigt uns einen vielgestaltigen Blick auf die Stadt Detroit von der einspurigen Hochbahn, dem „People Mover“, aus gesehen. Dabei handelt es sich um ein Transportsystem, das einen Kreis um die Innenstadt beschreibt. So gewährt die Zugfahrt den Passagieren – und damit den Betrachter_innen – die Möglichkeit, die vorbeiziehende Stadt, geprägt vom ökonomischen und sozialen Niedergang historischen Ausmaßes sowie dem Scheitern utopischer Projekte, im langsamen Prozess der Erneuerung mitzuerleben. … (Dan Devening)

Marianne Maderna, Negacity, 2004, 5 min 38 sek

Stadt / Negativ-Filter / Verbrannt, Verschneit; – erinnerte mich an Dresden 1945. (Marianne Maderna). Negacity ist die Annäherung an eine als Negativ, also in ihrer Umkehrung, gezeigte Stadt. Vorerst ist jedoch nicht klar, was tatsächlich zu sehen ist: Linien und dreidimensionale Gebilde auf einer weißen Fläche könnten ein Modell wie auch animierte Fotografien oder im Auflösungsprozess doch noch konservierte Filmbilder von etwas längst Vergangenem zeigen. Die Fragilität der Abbildung bleibt, selbst als der Originalton schließlich Aufschluss über das Dargestellte gibt. (Claudia Slanar)

Gerhard Schultz

Studierte Experimentellen Klang am California Institute of the Arts und Komposition an der University of Michigan, Ann Arbor. 2013 gründete er das Label »Care Of Editions« als experimentelle Vertriebsplattform. In seinen neuesten Arbeiten beschreibt er einen Zugang zum Akt des Hörens, der weniger direkt und sogar ein wenig lauter ist als bisher. Schultz vereint darin detaillierte skulpturale Untersuchungen von Ton und Zeit, die, obwohl formal stringent, mehrere Deutungen zulassen. Dabei vermischen sich Erfahrungen zwischen Zuhören und Erzählen, inklusive möglicher Unterbrechungen. Er lebt und arbeitet derzeit in Berlin.

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India Roper-Evans





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India Roper-Evans

„Dancing to the Sounds of Lichtenberg” ist ein Projekt, das in diesem Jahr während eines Aufenthaltes in den Lichtenberg Studios mit jeweils zur Hälfte professionellen und untrainierten Tänzern konzipiert wurde, die zu den sie umgebenden Klängen verschiedener Standorte im Berliner Bezirk Lichtenberg tanzen. Die ausgebildeten und nicht ausgebildeten Tänzer und Sich-Bewegenden reagieren auf alltägliche Klänge und interpretieren diese auf unterschiedliche Weise – in industriellen, städtischen Landschaften, an historischen Sehenswürdigkeiten, vor verlassenen Gebäuden, an touristischen Stätten und auf leeren Parkplätzen. Lärm wird zum Rhythmus, Verkehrsgeräusche werden zum Beat, Vogelgesang wird eine Melodie, Wind wird eine Bewegung. Eine rein körperliche Reaktion auf Lichtenberg.

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Thorsten Goldberg / Martin Kaltwasser

29. August - 1. November 2017





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Shelter
oder: Jeder Anfang ist ein Tisch

Martin Kaltwasser zeigt ein Originalexemplar und Fotos seiner selbstgebastelten Baubuden, die ihm als fundamental wichtigste Infrastruktur seiner Kunstprojekte im öffentlichen Raum dienen. Sie stellen eine Extremform temporärer No-Budget-Architektur dar, die höchste Funktionalität, geringsten baulichen Aufwand und höchste Wiederverwendbarkeit vereinen und als Werkbank, Lagerraum, Regenschutz, Pausenraum, Garderobe, Bauleitungsbüro,  Informationspavillon, Treffpunkt und Besprechungsraum etc. dienen. Sie sind minutenschnell ohne jegliche Vorplanung mit dem gerade zur Verfügung stehenden Material gebaut und lassen sich sekundenschnell an- und umbauen. Diese Baubuden sind Zentrum und Heimat. Einen ebensolchen Ort bilden die To-Do-Listen, die täglich neu verfasst werden. Sie sind inmitten von prekärem Leben, stets beruflich benötigter Extremflexibilität, kreativem Schaffen, Ideenflut und Privatleben eine zweite Heimat.

Träume von Räumen

Der Fußboden in Lichtenberg“ ist eine genaue textliche Beschreibung des Fußboden-Fliesenmusters im Bad einer Wohnung in Lichtenberg, in der Thorsten Goldberg einige Tage gewohnt hat.
Zimmerreisen dienen der Erkundung und Affirmation von Ordnungen. Wie alle Reisen von Gullivers bis Jules Vernes mathematisch genauer Umrundung der Erde sind sie Erkundungen von Ordnungen und dienen letztlich ihrer Stabilisierung. Die akribische Bestandsaufnahme lässt keine Fliese und keine Ecke aus – der Leser folgt der Beschreibung, als würde er selber im Bad auf und ab gehend, die Fliesen Zeile für Zeile lesen. Die Darstellung des Textes an der Wand, macht es notwendig, beim Lesen ebenso auf und ab zu gehen und den Text Zeile für Zeile zu lesen.

Das Hörstück „As the Crow flies“, das über Kopfhörer zu hören ist, erzählt in ähnlich zurückhaltender Art, wie eine Anleitung von einer ebenso linearen Reise durch einen ganz anderen Raum:

Es ist eine Reisebeschreibung möglichst genau entlang des 54. Breitengrades 4 Minuten.

Sie beginnt mit: „View over the beach and bay – turn around and Head northwest …“  an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein und endet nach fast 10.000 km an der kanadischen Pazifikküste mit: „Turn left and follow 14.4 km Unknown road along the north beach of Charlotte Island: Agate Beach, Yakoun Point. Continue to Tow Hill: oceanview north over Rose Spit.“

In beiden Geschichten wird Raum durch das Aneinanderreihen von Punkten beschrieben. Wie eine Anleitung zum Nachmachen werden die Punkte detailliert beschrieben aber durch keine Bilder belegt, außer denen, die im Kopf des Lesers oder Hörers entstehen.

Die fotografierten Hotelbetten und Matratzen und Sofas bei Freunden und Bekannten sind – obwohl eigentlich Orte zum Ausruhen und Träumen, an denen die Reise zum Stillstand kommt – Teil einer eigenen langen Reise. Hotelzimmer wollen so etwas wie ein provisorisches Zuhause auf Reisen bieten. Stereotype Gemütlichkeit hier, ein schnell bezogenes Sofa dort – sie sind über Jahre, in denen Hotel- und Gästezimmer zumindest zeitlich mehr Zuhause als die eigene Wohnung war, gesammelt.

Fotos: Thomas Bruns

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bankleer / Dellbrügge & de Moll

13. Juni bis 23. August





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bankleer

Dekompostition (Dung Dung)

Mit unserer Arbeit Dekompostition (Dung Dung), reflektieren wir die gesellschaftliche Strömung aus Utopisten, Sonderlingen und Sektierer_innen, die am Ende des 19. Jhd. begonnen haben Siedlungen, Landkommunen und Kolonien zu gründen. Motiviert durch Ablehnung des Kapitalismus und das Sehnen nach einer neuen Welt entstand eine Vielzahl unterschiedlicher Ansiedlungen auch um Berlin wie Gildenhall, Wolterdorf, Marienhöhe, Eden, Motzener See, Tiefensee, oder Bornim. Allen gemeinsam ist der Versuch, existentielle, genossenschaftliche und ideelle Werte zu verbinden, was meist an der harten Realität scheiterte. Uns interessieren die Substanzen/Abfälle, die von diesen gescheiterten Daseinsmodellen übrig geblieben, dem formlosen preisgegeben und ohne Bedürfnis nach Autorität – im Halbdunkel verfallen. In den Lücken zwischen Vergangenheit und Zukunft dieser Bewegungen suchen wir nach schlummernden Resten, die es zu erhellen lohnt.

Dellbrügge & de Moll

Es ist nicht wahr

Das Staatsatelier Arno Breker in Berlin-Grunewald ist ein Tatort. Noch ehe der Umbau Berlins zur Reichshauptstadt begonnen hatte, übersetzte hier der Dekorateur der Macht Arno Breker die nationalsozialistische Ideologie in ein monumentales Bildprogramm für Germania.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs überließ der Berliner Magistrat 1949 Brekers Meisterschüler und Protegé Bernhard Heiliger den Ostflügel des Staatsateliers auf Lebenszeit. Dieser distanzierte sich nach dem Krieg von seinem Förderer und verdrängte zeitlebens die Nähe zu Breker, unter dem er während des

NS-Regimes acht Jahre lang gearbeitet hatte. Auch das verhinderte eine kritische Auseinandersetzung mit dem Entstehungskontext des Staatsateliers.

Im mittlerweile sogenannten „Atelierhaus Käuzchensteig“, mieteten Dellbrügge & de Moll im Rahmen des Berliner Atelierprogramms 2001 eines der acht Einzelateliers, zu denen der Berliner Senat in den 1970er Jahren den monumentalen Haupttrakt umfunktioniert hatte.

2011 erwirkte die Bernhard-Heiliger-Stiftung mit Oberbürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit die Beendigung des Atelierprogramms. Gegen den Widerstand der Künstler erfolgte der Rückbau des Staatsateliers und Berlin überließ der Stiftung mit der Immobilie auch die Nutzungshoheit für ein Privatmuseum, das im Juni 2015 als „Kunsthaus Dahlem“ eröffnete.

Im gleichen Jahr nahmen Dellbrügge & de Moll eine Einladung des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark zum Anlass, um zu den nationalsozialistischen Wurzeln des Staatsateliers zurückzugehen und den Kontinuitäten in die Gegenwart zu folgen. Als Ergebnis ihrer Recherchen veröffentlichten sie das Buch

Das Monumentale ist meine Krankheit.*“ mit Quellentexten von Protagonisten des NS-Regimes zur Kunst, sowie Architekturzeichnungen des Staatsateliers Arno Breker nach Originalplänen von Hans Freese, ISBN 978-3-902-09572-5

Im studio im Hochhaus zeigen Dellbrügge & de Moll unter anderem das Architekturmodell des Staatsateliers Arno Breker.

Fotos: Thomas Bruns

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Karin Kasböck und Christoph Maria Leitner arbeiten seit 1999 unter dem Namen bankleer als Künstlerduo in Berlin. Ausgehend von Performances und Happenings im öffentlichen Raum wie in Kunstinstitutionen produzieren sie dokufiktionale Videos, Objekte und raumgreifende Installationen zu gesellschaftlichen Verwerfungen und Transformationsprozessen. Ausstellungen und Aufführungen gehen ineinander über.

Dellbrügge & de Moll arbeiten seit 1984 zusammen. Bauen und Abreißen, Rekonstruieren und Versetzen, Öffnen und Begrenzen, Tilgen und Benennen sind eine Frage von Aushandlung. Unsere urbane Umwelt ist ein vorläufiges Ergebnis von Kommunikation. Dellbrügge & de Moll verhandeln die Konstitution von Räumen und die Auseinandersetzung um Definitionshoheit.

 

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Folke Köbberling / Martin Kaltwassser und David Moises





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Die performative Skulptur von Folke Köbberling / Martin Kaltwassser und David Moises ist ein Aufeinanderprallen eines lustvollen Spiels mit der Technik auf eine emphemere Struktur. Ein temporäres Parkhaus aus Gipskartonplatten wird zwischen Schaustelle und der Pinakothek der Moderne errichtet. In dem »Kulissenparkhaus« befinden sich Autos, die mit einer Fernsteuerung ausgestattet sind und über einen gewissen Zeitraum täglich fahren. Die Pfosten des Parkhauses werden bei der Fahrt von den Autos berührt, gestoßen und schließlich zerstört, sodass die Architektur allmählich in sich zusammenstürzt, Platten schieben sich unvorhersehbar ineinander und ein skulpturaler Prozess beginnt täglich neu.
Die Autos zerstören damit ein Bauwerk, das – rein typologisch – nur zur Unterbringung von Autos geschaffen wurde. Die nach wie vor praktizierte individuelle Mobilität und der vorherrschende Kultstatus des Autos werden in Frage gestellt. Köbberling / Kaltwasser und David Moises drehen die Verhältnisse um: Sobald die Automobile ihr individuelles Eigenleben entwickeln, beginnen sie, sich selbst und ihr Umfeld zu zerstören.

 

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Matthias Beckmann

April - Juni





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„Atlas der Anatomie“

Das Thema des Skeletts und der Puppe als Stellvertreter für den menschlichen Körper beschäftigt den Zeichner Matthias Beckmann schon seit langer Zeit. Die Bleistiftzeichnungen für diesen Film, der mit Vanitasmotiven spielt, entstanden ohne Korrekturen oder fotografische Hilfsmittel vor dem Motiv.

Die Modelle bewegen sich, drehen sich und werden dabei zuweilen durch mehrere Spiegel vervielfacht. Es sind: das lebensgroße Skelett „Stan“, mal als Ganzes und mal in seine Teile zerlegt, ein kleineres Skelettmodell, eine Puppe, ein Puppenkopf, Ärmchen, Beinchen, Plastiktiere, Messer, Gabeln, eine Gesamtausgabe Edgar Allen Poe sowie Bildzitate nach Dürers „Ritter, Tod und Teufel“, Bellinis Dogenbildnis, Franz Xaver Messerschmidts grotesken Grimassenköpfen und Holzschnitten aus dem legendären Anatomiebuch von Andreas Vesalius aus dem Jahre 1543.

Matthias Beckmann flüsternde Stimme, mit der er die Namen der Muskeln, Sehnen und Knochen aus einem Atlas der Anatomie vorträgt, bildet die Grundlage für eine Klangcollage, in der sich mehrere Tonspuren überlagern. Die Begriffslitanei wird zu konkreter Poesie.

 

Animationsfilm 2013

4:02 Minuten

Idee, Zeichnungen, Sprecher: Matthias Beckmann

Ton: Dirk Schaefer

Filmtechnik: Matthias Daenschel

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Sonja Alhäuser, Heike Kati Barath

11. April - 7. Juni 2017





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Ein Rest bleibt immer

Sonja Alhäuser und Heike Kati Barath, zwei in Berlin lebende Künstlerinnen, sind mit ihrer Ausstellung „Ein Rest bleibt immer“ zu Gast im Hochaus.

Seit ca. 20 Jahren verbindet sie eine Freundschaft, die immer wieder zu einem intensiven Dialog in Form von künstlerischen Gemeinschaftsarbeiten geführt hat.

Im Hochhaus werden Skulpturen aus Margarine und Schokolade und eine Malerei-Installation zu sehen sein.

Zentrum der Ausstellung ist ein Tisch. Hier kommen sowohl Objekte als auch Papierarbeiten der Künstlerinnen zusammen, die den Prozess der Kommunikation fortsetzen, eine ganz eigene Sammlung von Ideenfetzen, Denkmustern, Aufzeichnungen zum Tagesgeschehen und Persönlichem.

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Kai Richter, Tommy Støckel

31. Januar bis 5. April 2017





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“Construction Time Again” bearbeitet, vorgefundene und genormte Hilfsmaterialien.

Kai Richter baute für die Ausstellung eine für die vorgefundenen Räumlichkeiten entwickelte begehbare Skulptur. Als Materialien dienten, ähnlich wie bei  Tommy Støckel, allerdings noch aus der “alten” analogen Welt bekannte normierte, vorgefertigte Hilfsmittel, die überall im städtischen Raum auf Baustellen zu finden sind. Als eine Referenz und im Kontext der Kunstgeschichte ist die (fast) zweidimensionale Arbeit im ersten Raum, “schwarzes Dreieck”, zu verstehen, die mit den
gleichen Materialien ein Bild erschafft.

Bei Tommy Støckel handelt es sich um 3-D Objekte, die im Internet der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Die Konstruktionsdaten können leicht mittels eines 3 D-Druckers ausgedruckt und verwendet werden. Bei den ausgestellten Objekten handelt es sich um (vergrößerte) Ersatzteile für 3D-Drucker. Theoretisch kann sich so ein 3D-Drucker selbst duplizieren. Tommy Støckel wählt die Objekte nach ihrer skulpturalen Brauchbarkeit aus und untersucht sie gleichzeitig auf die Möglichkeit, sie als Buchstaben und Ziffern einsetzen zu können.

Kai Richter, geboren 1969 in München, lebt in Düsseldorf. Er studierte Freie Kunst an den Kunstakademien Münster und Düsseldorf.
Seine ortsspezifischen Skulpturen wurden unter anderem im Museum Bochum, der Bundeskunsthalle Bonn, dem Museum ikob in Belgien, den Kunsthallen Nürnberg und Mannheim, den Kunstvereinen Leverkusen und Mönchengladbach und dem Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt gezeigt.

Tommy Støckel, 1972 in Kopenhagen geboren, studierte an der Königlichen Dänischen Kunstakademie. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Einzelausstellungen u. a. im Frankfurter Kunstverein (2006), im Arnolfini, Bristol (2009), im SMART Project Space, Amsterdam (2010) und in der Kunsthalle São Paulo (2013). 2016 nahm er an der Gwangju Biennale in Südkorea teil. Sein Buch STUDIO FONT erschien bei infinite greyscale Verlag.

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Doris Schmid / Jürgen Palmtag

Februar bis April 2017





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Es gibt kein Geheimnis
Wo beginnt Narration und wo endet sie? Ein umgearbeiteter Horrorfilm, mit Überlagerungen und Cut-
Outs – ausgeschnittene Bilder, auf die projiziert wurde, eine gleichzeitige Aneignung und
Verfremdung von Bildmaterial.
Wie übermalte Bilder, mit Resten vom vorhergehenden Bild und Resten der Zeit, der linearen Zeit
widersprechend. Innerhalb derselben Einstellung sind mehrere Zeitabläufe kombiniert.
Im Zentrum steht das Verfolgt-Werden: Eine Frau und ihre Doppelgängerin, die Performerin.
Sie imitiert und wiederholt die Handlungen der Protagonistin, es beginnt ein Wechselspiel zwischen
Filmbild und Performance. Schauplätze sind nächtliche Szenerien: einsame Strassen und
Landschaften, ein Hotelzimmer und eine Kirche samt Orgel.

Video, DE 2015 / 20 min / PAL 4:3 / Stereo
Doris Schmid / Jürgen Palmtag
Bild: Doris Schmid / Musik: Jürgen Palmtag
2. Kamera: Markus Otto / Performance: Fabienne Gallina-Baron