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Seraphina Lenz, Sonya Schönberger

7. November 2017 bis 17. Januar 2018





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Seraphina Lenz, Sonya Schönberger

Vollkomfort

 

Die Ausstellung zeig die Ergebnisse der Recherche von Sonya Schönberger, die in diesem Jahr die Bewohnerinnen der Zingster Straße 25 befragt hat und einen Überblick über die partizipativen Arbeiten von Seraphina Lenz. Die Ausstellung „Vollkomfort“ liefert so einen Einblick in die parizipative Kunst.

Seraphina Lenz

Seit 1999 ist die Stadt Ort und Thema der Arbeit von Seraphina Lenz. In jenem Jahr schnitt sie das Wort „Wollnashörner“ aus einer Rasenfläche im Berliner Körnerpark aus. Gras und Gänseblümchen, die einige Wochen nicht gemäht worden waren, blieben als monumentaler Schriftzug stehen, während sie die Negativform minutiös mit einem Kantenschneider wegrasierte. Diese erste öffentliche Arbeit dauerte viele Tage und führte zu der Entdeckung, dass öffentliches Arbeiten Passanten zu Kommentaren herausfordert. Mehr noch: man konnte überraschende Gespräche zu ortsbezogenen Themen beginnen.

Die performativen Interventionen, die Seraphina Lenz seither für den Stadtraum entwickelt sind Vorschläge für Veränderung. Sie machen die Formbarkeit des städtischen Raums sichtbar und stellen eine Öffentlichkeit her, in der die Gestaltung des gemeinsam genutzten Raums thematisiert werden kann. Die Arbeiten haben den Charakter von Produktionen, an denen ein Team von eingeladenen Künstlern und eine Gruppe von Anwohnern mitarbeiten.

Für die grüne Nacht (Areale Neukölln 2001) bat die Künstlerin in einer mehrwöchigen Informationskampagne die Bewohnerinnen und Bewohner eines 23-stöckigen Hochhauses, für eine Nacht in den Lampen ihrer Wohnungen grüne Glühlampen zu installieren. Am Ende entstand aus den Privaträumen heraus durch die gleichzeitige minimale Handlung ein signalartiges öffentliches Bild.

Mit der Werkstatt für Veränderung realisierte sie ihr, vom Bezirksamt Neukölln durch einen Wettbewerb beauftragtes, Gestaltungskonzept für den Carl-Weder-Park. Es beschreibt die Benutzung der Fläche als einen plastisch-gestalterischen Vorgang. Die künstlerische Intervention bestand darin, über ein ganzes Jahrzehnt jeden Sommer eine Verwandlung der Parkanlage zu gestalten. Jenseits einer vordergründigen Nützlichkeit wurden verschiedene Nutzungsmöglichkeiten ausprobiert. So wurde der Park unter anderem zur Pferdekoppel, zum Gemüsegarten, zum nächtlichen Lesesaal und zum Filmset. Im Laufe der Jahre zeigte sich in diesen Arbeiten verstärkt die Bedeutung des Stadtraums als Aufführungsort.

Im jüngsten Projekt Anspiel interessierte sich Seraphina Lenz für die Perspektive der Anwohner auf die Internationale Gartenausstellung 2017 in Marzahn Hellersdorf. Auf Einladung zum kuratierten Kunstverfahren der IGA recherchierte sie von 2013 bis 2016 im Bezirk. Daraus entstand das Anspiel-Ensemble mit 16 ortsansässigen Protagonisten. Ein knappes Jahr wurde wöchentlich geprobt und diskutiert. Mit der Schauspielerin und Regisseurin Anja Scheffer und dem Ensemble realisierte die Künstlerin eine Performance, die das städtische Umfeld mit historischen und aktuellen Aspekten in der Gartenausstellung aufführte. Das Ensemble bewegte sich über das Gelände, nahm Raum ein, stand im Weg, bildete Soundduschen und dialogische Chöre. Ein DDR-Museum auf Rollen begleitete das Stück.

Sonya Schönberger

Auf dem VIII. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) 1971 verkündete der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Staatsratsvorsitzende der DDR Erich Honecker das Vorhaben, durch die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik das materielle und kulturelle Lebensniveau der Menschen zu erhöhen. Dazu gehörte auch ein Wohnungsbauprogramm, das bis 1990 angemessenen Wohnraum für alle DDR-Bürger*innen schaffen sollte. Mittels industrieller Technologien wie der Plattenbauweise wurden bessere materielle Voraussetzungen für eine höhere Bauleistung geschaffen und die benötigte soziale Infrastruktur für die neu entstehenden Bezirke von Anfang an mitgeplant. In der Folge dieser Planung entstand auch Neu-Hohenschönhausen. Am 9. Februar 1984 legte Honecker in der Barther Straße 3 den Grundstein zu der neuen Großraumsiedlung. Damals war das Gebiet zwischen den nördlich gelegenen Dörfern Falkenberg, Malchow und Wartenberg und dem südlichen Alt-Hohenschönhausen eine Gegend mit Rieselfeldern und bot viel Raum für den versprochenen Einsatz gegen die Wohnungsnot. Rund 30.000 Wohnungen für 90.000 Menschen entstanden in den fünf Folgejahren.

Die Künstlerin Sonya Schönberger, selber in Berlin-Kreuzberg wohnend, begab sich im Sommer 2017 in diese vermeintliche Fremde, einem Teil von Berlin, den sie zuvor nicht bewusst betrachtet hatte. Sie wollte wissen, wie man dort lebt, wie man sich fühlt in Bezug auf den Rest der Stadt, wie sich dort die Generationen und verschiedenen Kulturen begegnen, wie man sich an die DDR erinnert und die Wende erlebt hat.

25 Interviews hat sie mit Bewohner*innen des Hauses Zingster Straße 25 geführt, in dem sich auch die kommunale Galerie studio im HOCHHAUS befindet. Zingster Straße 25 ist auch der Titel des Interviewbuches, das in Kooperation mit der Galerie und dem Verlag „Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt“ entstand.

Fotos: Thomas Bruns

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Seraphina Lenz





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Filmpark, 2008, 34 min

Filmpark wurde im Sommer 2008 mit Anwohnern und Besuchern des Carl-Weder-Parks in Berlin-Neukölln gedreht. Verschiedene Kameras lagen bereit um eigene Sequenzen aufzunehmen. Man konnte zum Casting kommen und im Film eine Rolle spielen. Es gab ein Separee für konzentrierte Meinungsäußerungen vor der Kamera und Drehbuchbesprechungen.

Der Film ist mehr als eine Ortsbeschreibung. Er handelt von verborgenen Potenzialen des Parks, von der Möglichkeit ihn zu verwandeln, ihm neue Bedeutung zu geben.

Filmpark ist ein Projekt der Werkstatt für Veränderung.

Regie: Seraphina Lenz

Kamera und Schnitt: Daniel Kunle

Künstlerische Mitarbeit: Michael Bause

Musik: Jan Tilmann Schade

Finanziert durch das Bezirksamt Neukölln FB, Stadtplanung

 

Die Werkstatt weckt den weißen Riesen, 2011, 5:35 min

Zwischen 2011 und 2014 entwickelte Seraphina Lenz im Auftrag des Bezirksamts Neukölln ein Konzept für die Nutzung des umgebauten Bunkergeländes an der Rungiusstraße. Im Flächennutzungsplan ist er als Standort für Kinder und Jugendliche ausgewiesen. Der Name „weißer Riese“ ist die Erfindung einer Teilnehmerin und geht auf die weiße Zeltarchitektur zurück, die die Fläche beschirmt. Der Film zeigt, wie die Nachbarskinder im ersten Jahr den Ort entdecken und verwandeln.

Regie: Seraphina Lenz

Kamera und Schnitt: Anett Vietzke

Künstlerische Mitarbeit: Michael Bause

Musik: Willy Daum

Finanziert durch das Bezirksamt Neukölln, FB Stadtplanung

 

Glamourriese, 2014, 3:48 Minuten

Das Video ist die letzte von vier Produktionen, die zwischen 2011 und 2014 auf dem neu gestalteten Bunkergelände an der Neuköllner Rungiusstraße stattfanden. Der Ort erwies sich als ausgeprägter Hybrid zum Beispiel zwischen drinnen und draußen, Werkstatt und Theater, Varieté und Spielplatz. Diese Unbestimmtheit zeigte sich als perfekte Voraussetzung für immer neue Experimente und offene Prozesse, die in konkrete Vorhaben umschlagen: 2014 war das eine Varietéshow und die Produktion eines Musikklips.

Regie: Seraphina Lenz

Kamera und Schnitt: Daniel Kunle

Künstlerische Mitarbeit: Michael Bause

Musik: Westbam

Finanziert durch das Bezirksamt Neukölln, FB Stadtplanung

 

Anspiel – der Trailer, 2017, 4:16 min

Auf Einladung zum kuratierten Kunstverfahren der IGA recherchierte Seraphina Lenz von 2013 bis 2016 in Marzahn Hellersdorf zu der Frage wie das stadträumliche Großereignis sich für die Anwohner_innen darstellt. 2016 gründete sie das Anspiel-Ensemble mit 16 ortsansässigen Protagonisten. Ein knappes Jahr wurde wöchentlich geprobt und diskutiert. Mit der Schauspielerin und Regisseurin Anja Scheffer und dem Ensemble realisierte die Künstlerin eine Performance, die das städtische Umfeld mit historischen und aktuellen Aspekten in der Gartenausstellung aufführte. Das Ensemble bewegte sich über das Gelände, nahm Raum ein, stand im Weg, bildete Soundduschen und dialogische Chöre. Ein DDR-Museum auf Rollen begleitete das Stück.

Anspiel – der Trailer verweist auf die Performance, die in der Vergangenheit liegt und so nie wieder zu sehen ist.

Idee und Realisierung: Seraphina Lenz

Schauspielarbeit und Dramaturgie: Anja Scheffer

Kamera und Schnitt: Daniel Kunle

Musik: Ekki Maas

Finanziert durch die IGA Berlin 2017

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India Roper-Evans





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India Roper-Evans

„Dancing to the Sounds of Lichtenberg” ist ein Projekt, das in diesem Jahr während eines Aufenthaltes in den Lichtenberg Studios mit jeweils zur Hälfte professionellen und untrainierten Tänzern konzipiert wurde, die zu den sie umgebenden Klängen verschiedener Standorte im Berliner Bezirk Lichtenberg tanzen. Die ausgebildeten und nicht ausgebildeten Tänzer und Sich-Bewegenden reagieren auf alltägliche Klänge und interpretieren diese auf unterschiedliche Weise – in industriellen, städtischen Landschaften, an historischen Sehenswürdigkeiten, vor verlassenen Gebäuden, an touristischen Stätten und auf leeren Parkplätzen. Lärm wird zum Rhythmus, Verkehrsgeräusche werden zum Beat, Vogelgesang wird eine Melodie, Wind wird eine Bewegung. Eine rein körperliche Reaktion auf Lichtenberg.

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Thorsten Goldberg / Martin Kaltwasser

29. August - 1. November 2017





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Shelter
oder: Jeder Anfang ist ein Tisch

Martin Kaltwasser zeigt ein Originalexemplar und Fotos seiner selbstgebastelten Baubuden, die ihm als fundamental wichtigste Infrastruktur seiner Kunstprojekte im öffentlichen Raum dienen. Sie stellen eine Extremform temporärer No-Budget-Architektur dar, die höchste Funktionalität, geringsten baulichen Aufwand und höchste Wiederverwendbarkeit vereinen und als Werkbank, Lagerraum, Regenschutz, Pausenraum, Garderobe, Bauleitungsbüro,  Informationspavillon, Treffpunkt und Besprechungsraum etc. dienen. Sie sind minutenschnell ohne jegliche Vorplanung mit dem gerade zur Verfügung stehenden Material gebaut und lassen sich sekundenschnell an- und umbauen. Diese Baubuden sind Zentrum und Heimat. Einen ebensolchen Ort bilden die To-Do-Listen, die täglich neu verfasst werden. Sie sind inmitten von prekärem Leben, stets beruflich benötigter Extremflexibilität, kreativem Schaffen, Ideenflut und Privatleben eine zweite Heimat.

Träume von Räumen

Der Fußboden in Lichtenberg“ ist eine genaue textliche Beschreibung des Fußboden-Fliesenmusters im Bad einer Wohnung in Lichtenberg, in der Thorsten Goldberg einige Tage gewohnt hat.
Zimmerreisen dienen der Erkundung und Affirmation von Ordnungen. Wie alle Reisen von Gullivers bis Jules Vernes mathematisch genauer Umrundung der Erde sind sie Erkundungen von Ordnungen und dienen letztlich ihrer Stabilisierung. Die akribische Bestandsaufnahme lässt keine Fliese und keine Ecke aus – der Leser folgt der Beschreibung, als würde er selber im Bad auf und ab gehend, die Fliesen Zeile für Zeile lesen. Die Darstellung des Textes an der Wand, macht es notwendig, beim Lesen ebenso auf und ab zu gehen und den Text Zeile für Zeile zu lesen.

Das Hörstück „As the Crow flies“, das über Kopfhörer zu hören ist, erzählt in ähnlich zurückhaltender Art, wie eine Anleitung von einer ebenso linearen Reise durch einen ganz anderen Raum:

Es ist eine Reisebeschreibung möglichst genau entlang des 54. Breitengrades 4 Minuten.

Sie beginnt mit: „View over the beach and bay – turn around and Head northwest …“  an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein und endet nach fast 10.000 km an der kanadischen Pazifikküste mit: „Turn left and follow 14.4 km Unknown road along the north beach of Charlotte Island: Agate Beach, Yakoun Point. Continue to Tow Hill: oceanview north over Rose Spit.“

In beiden Geschichten wird Raum durch das Aneinanderreihen von Punkten beschrieben. Wie eine Anleitung zum Nachmachen werden die Punkte detailliert beschrieben aber durch keine Bilder belegt, außer denen, die im Kopf des Lesers oder Hörers entstehen.

Die fotografierten Hotelbetten und Matratzen und Sofas bei Freunden und Bekannten sind – obwohl eigentlich Orte zum Ausruhen und Träumen, an denen die Reise zum Stillstand kommt – Teil einer eigenen langen Reise. Hotelzimmer wollen so etwas wie ein provisorisches Zuhause auf Reisen bieten. Stereotype Gemütlichkeit hier, ein schnell bezogenes Sofa dort – sie sind über Jahre, in denen Hotel- und Gästezimmer zumindest zeitlich mehr Zuhause als die eigene Wohnung war, gesammelt.

Fotos: Thomas Bruns

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bankleer / Dellbrügge & de Moll

13. Juni bis 23. August





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bankleer

Dekompostition (Dung Dung)

Mit unserer Arbeit Dekompostition (Dung Dung), reflektieren wir die gesellschaftliche Strömung aus Utopisten, Sonderlingen und Sektierer_innen, die am Ende des 19. Jhd. begonnen haben Siedlungen, Landkommunen und Kolonien zu gründen. Motiviert durch Ablehnung des Kapitalismus und das Sehnen nach einer neuen Welt entstand eine Vielzahl unterschiedlicher Ansiedlungen auch um Berlin wie Gildenhall, Wolterdorf, Marienhöhe, Eden, Motzener See, Tiefensee, oder Bornim. Allen gemeinsam ist der Versuch, existentielle, genossenschaftliche und ideelle Werte zu verbinden, was meist an der harten Realität scheiterte. Uns interessieren die Substanzen/Abfälle, die von diesen gescheiterten Daseinsmodellen übrig geblieben, dem formlosen preisgegeben und ohne Bedürfnis nach Autorität – im Halbdunkel verfallen. In den Lücken zwischen Vergangenheit und Zukunft dieser Bewegungen suchen wir nach schlummernden Resten, die es zu erhellen lohnt.

Dellbrügge & de Moll

Es ist nicht wahr

Das Staatsatelier Arno Breker in Berlin-Grunewald ist ein Tatort. Noch ehe der Umbau Berlins zur Reichshauptstadt begonnen hatte, übersetzte hier der Dekorateur der Macht Arno Breker die nationalsozialistische Ideologie in ein monumentales Bildprogramm für Germania.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs überließ der Berliner Magistrat 1949 Brekers Meisterschüler und Protegé Bernhard Heiliger den Ostflügel des Staatsateliers auf Lebenszeit. Dieser distanzierte sich nach dem Krieg von seinem Förderer und verdrängte zeitlebens die Nähe zu Breker, unter dem er während des

NS-Regimes acht Jahre lang gearbeitet hatte. Auch das verhinderte eine kritische Auseinandersetzung mit dem Entstehungskontext des Staatsateliers.

Im mittlerweile sogenannten „Atelierhaus Käuzchensteig“, mieteten Dellbrügge & de Moll im Rahmen des Berliner Atelierprogramms 2001 eines der acht Einzelateliers, zu denen der Berliner Senat in den 1970er Jahren den monumentalen Haupttrakt umfunktioniert hatte.

2011 erwirkte die Bernhard-Heiliger-Stiftung mit Oberbürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit die Beendigung des Atelierprogramms. Gegen den Widerstand der Künstler erfolgte der Rückbau des Staatsateliers und Berlin überließ der Stiftung mit der Immobilie auch die Nutzungshoheit für ein Privatmuseum, das im Juni 2015 als „Kunsthaus Dahlem“ eröffnete.

Im gleichen Jahr nahmen Dellbrügge & de Moll eine Einladung des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark zum Anlass, um zu den nationalsozialistischen Wurzeln des Staatsateliers zurückzugehen und den Kontinuitäten in die Gegenwart zu folgen. Als Ergebnis ihrer Recherchen veröffentlichten sie das Buch

Das Monumentale ist meine Krankheit.*“ mit Quellentexten von Protagonisten des NS-Regimes zur Kunst, sowie Architekturzeichnungen des Staatsateliers Arno Breker nach Originalplänen von Hans Freese, ISBN 978-3-902-09572-5

Im studio im Hochhaus zeigen Dellbrügge & de Moll unter anderem das Architekturmodell des Staatsateliers Arno Breker.

Fotos: Thomas Bruns

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Karin Kasböck und Christoph Maria Leitner arbeiten seit 1999 unter dem Namen bankleer als Künstlerduo in Berlin. Ausgehend von Performances und Happenings im öffentlichen Raum wie in Kunstinstitutionen produzieren sie dokufiktionale Videos, Objekte und raumgreifende Installationen zu gesellschaftlichen Verwerfungen und Transformationsprozessen. Ausstellungen und Aufführungen gehen ineinander über.

Dellbrügge & de Moll arbeiten seit 1984 zusammen. Bauen und Abreißen, Rekonstruieren und Versetzen, Öffnen und Begrenzen, Tilgen und Benennen sind eine Frage von Aushandlung. Unsere urbane Umwelt ist ein vorläufiges Ergebnis von Kommunikation. Dellbrügge & de Moll verhandeln die Konstitution von Räumen und die Auseinandersetzung um Definitionshoheit.

 

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Folke Köbberling / Martin Kaltwassser und David Moises





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Die performative Skulptur von Folke Köbberling / Martin Kaltwassser und David Moises ist ein Aufeinanderprallen eines lustvollen Spiels mit der Technik auf eine emphemere Struktur. Ein temporäres Parkhaus aus Gipskartonplatten wird zwischen Schaustelle und der Pinakothek der Moderne errichtet. In dem »Kulissenparkhaus« befinden sich Autos, die mit einer Fernsteuerung ausgestattet sind und über einen gewissen Zeitraum täglich fahren. Die Pfosten des Parkhauses werden bei der Fahrt von den Autos berührt, gestoßen und schließlich zerstört, sodass die Architektur allmählich in sich zusammenstürzt, Platten schieben sich unvorhersehbar ineinander und ein skulpturaler Prozess beginnt täglich neu.
Die Autos zerstören damit ein Bauwerk, das – rein typologisch – nur zur Unterbringung von Autos geschaffen wurde. Die nach wie vor praktizierte individuelle Mobilität und der vorherrschende Kultstatus des Autos werden in Frage gestellt. Köbberling / Kaltwasser und David Moises drehen die Verhältnisse um: Sobald die Automobile ihr individuelles Eigenleben entwickeln, beginnen sie, sich selbst und ihr Umfeld zu zerstören.

 

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Matthias Beckmann

April - Juni





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„Atlas der Anatomie“

Das Thema des Skeletts und der Puppe als Stellvertreter für den menschlichen Körper beschäftigt den Zeichner Matthias Beckmann schon seit langer Zeit. Die Bleistiftzeichnungen für diesen Film, der mit Vanitasmotiven spielt, entstanden ohne Korrekturen oder fotografische Hilfsmittel vor dem Motiv.

Die Modelle bewegen sich, drehen sich und werden dabei zuweilen durch mehrere Spiegel vervielfacht. Es sind: das lebensgroße Skelett „Stan“, mal als Ganzes und mal in seine Teile zerlegt, ein kleineres Skelettmodell, eine Puppe, ein Puppenkopf, Ärmchen, Beinchen, Plastiktiere, Messer, Gabeln, eine Gesamtausgabe Edgar Allen Poe sowie Bildzitate nach Dürers „Ritter, Tod und Teufel“, Bellinis Dogenbildnis, Franz Xaver Messerschmidts grotesken Grimassenköpfen und Holzschnitten aus dem legendären Anatomiebuch von Andreas Vesalius aus dem Jahre 1543.

Matthias Beckmann flüsternde Stimme, mit der er die Namen der Muskeln, Sehnen und Knochen aus einem Atlas der Anatomie vorträgt, bildet die Grundlage für eine Klangcollage, in der sich mehrere Tonspuren überlagern. Die Begriffslitanei wird zu konkreter Poesie.

 

Animationsfilm 2013

4:02 Minuten

Idee, Zeichnungen, Sprecher: Matthias Beckmann

Ton: Dirk Schaefer

Filmtechnik: Matthias Daenschel

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Sonja Alhäuser, Heike Kati Barath

11. April - 7. Juni 2017





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Ein Rest bleibt immer

Sonja Alhäuser und Heike Kati Barath, zwei in Berlin lebende Künstlerinnen, sind mit ihrer Ausstellung „Ein Rest bleibt immer“ zu Gast im Hochaus.

Seit ca. 20 Jahren verbindet sie eine Freundschaft, die immer wieder zu einem intensiven Dialog in Form von künstlerischen Gemeinschaftsarbeiten geführt hat.

Im Hochhaus werden Skulpturen aus Margarine und Schokolade und eine Malerei-Installation zu sehen sein.

Zentrum der Ausstellung ist ein Tisch. Hier kommen sowohl Objekte als auch Papierarbeiten der Künstlerinnen zusammen, die den Prozess der Kommunikation fortsetzen, eine ganz eigene Sammlung von Ideenfetzen, Denkmustern, Aufzeichnungen zum Tagesgeschehen und Persönlichem.

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Kai Richter, Tommy Støckel

31. Januar bis 5. April 2017





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“Construction Time Again” bearbeitet, vorgefundene und genormte Hilfsmaterialien.

Kai Richter baute für die Ausstellung eine für die vorgefundenen Räumlichkeiten entwickelte begehbare Skulptur. Als Materialien dienten, ähnlich wie bei  Tommy Støckel, allerdings noch aus der “alten” analogen Welt bekannte normierte, vorgefertigte Hilfsmittel, die überall im städtischen Raum auf Baustellen zu finden sind. Als eine Referenz und im Kontext der Kunstgeschichte ist die (fast) zweidimensionale Arbeit im ersten Raum, “schwarzes Dreieck”, zu verstehen, die mit den
gleichen Materialien ein Bild erschafft.

Bei Tommy Støckel handelt es sich um 3-D Objekte, die im Internet der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Die Konstruktionsdaten können leicht mittels eines 3 D-Druckers ausgedruckt und verwendet werden. Bei den ausgestellten Objekten handelt es sich um (vergrößerte) Ersatzteile für 3D-Drucker. Theoretisch kann sich so ein 3D-Drucker selbst duplizieren. Tommy Støckel wählt die Objekte nach ihrer skulpturalen Brauchbarkeit aus und untersucht sie gleichzeitig auf die Möglichkeit, sie als Buchstaben und Ziffern einsetzen zu können.

Kai Richter, geboren 1969 in München, lebt in Düsseldorf. Er studierte Freie Kunst an den Kunstakademien Münster und Düsseldorf.
Seine ortsspezifischen Skulpturen wurden unter anderem im Museum Bochum, der Bundeskunsthalle Bonn, dem Museum ikob in Belgien, den Kunsthallen Nürnberg und Mannheim, den Kunstvereinen Leverkusen und Mönchengladbach und dem Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt gezeigt.

Tommy Støckel, 1972 in Kopenhagen geboren, studierte an der Königlichen Dänischen Kunstakademie. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Einzelausstellungen u. a. im Frankfurter Kunstverein (2006), im Arnolfini, Bristol (2009), im SMART Project Space, Amsterdam (2010) und in der Kunsthalle São Paulo (2013). 2016 nahm er an der Gwangju Biennale in Südkorea teil. Sein Buch STUDIO FONT erschien bei infinite greyscale Verlag.

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Doris Schmid / Jürgen Palmtag

Februar bis April 2017





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Es gibt kein Geheimnis
Wo beginnt Narration und wo endet sie? Ein umgearbeiteter Horrorfilm, mit Überlagerungen und Cut-
Outs – ausgeschnittene Bilder, auf die projiziert wurde, eine gleichzeitige Aneignung und
Verfremdung von Bildmaterial.
Wie übermalte Bilder, mit Resten vom vorhergehenden Bild und Resten der Zeit, der linearen Zeit
widersprechend. Innerhalb derselben Einstellung sind mehrere Zeitabläufe kombiniert.
Im Zentrum steht das Verfolgt-Werden: Eine Frau und ihre Doppelgängerin, die Performerin.
Sie imitiert und wiederholt die Handlungen der Protagonistin, es beginnt ein Wechselspiel zwischen
Filmbild und Performance. Schauplätze sind nächtliche Szenerien: einsame Strassen und
Landschaften, ein Hotelzimmer und eine Kirche samt Orgel.

Video, DE 2015 / 20 min / PAL 4:3 / Stereo
Doris Schmid / Jürgen Palmtag
Bild: Doris Schmid / Musik: Jürgen Palmtag
2. Kamera: Markus Otto / Performance: Fabienne Gallina-Baron