hochhaus_home





Hochhaus_logo

Annette Kisling, Jens Franke
Leonard Wertgen

Ausstellung vom 19. Januar bis 24. März 2021

Doshi Doshi Doshi

Der 1927 geborene Architekt Balkrishna Doshi hat die indische Stadt Ahmedabad mit seinem baulichen Werk und seinem gesellschaftlichen Engagement entscheidend geprägt. Neben seiner Tätigkeit als Architekt ist er Städteplaner, Professor, Theoretiker und Gründer der Architekturfakultät der CEPT Universität in Ahmedabad.

Seit 2009 untersuchen Leonard Wertgen und Jens Franke (in Zusammenarbeit mit Niklas Fanelsa, Marius Helten und Björn Martenson) mit ihrer sich fortsetzenden Recherche die Stadt Ahmedabad. Ihr Interesse ist es, die gebaute Umwelt der Stadt in ihrer Vielfalt und ihren Widersprüchen zu verstehen und die Parallelität räumlicher Konzepte, die immer auch soziale, politische und historische Momente einbeziehen, wahrnehmbar zu machen. 2016 hatten sie die Möglichkeit mit Balkrishna Doshi über seine Arbeit und die Stadt Ahmedabad zu sprechen. Dieses Gespräch bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung „Doshi Doshi Doshi“. Zusätzlich werden als weiterer Teil des Forschungsprojektes Filmaufnahmen und Fotografien folgender Gebäude aus Ahmedabad von Balkrishna Doshi gezeigt: Institute of Indology (1962), Central Bank of India (1967), Premabhai Hall (1972), LIC Housing (1976) und Sangath (1981).

Die fotografische Arbeit von Annette Kisling widmet sich einem sehr bekannten Bauwerk von Balkrishna Doshi, dem Indian Institute of Management in Bangalore (1963 bis 1983). Im Winter 2014 hatte sie die Gelegenheit, den Campus des Institute of Management über den Zeitraum von zwei Wochen bei Tag und bei Nacht zu durchqueren und zu fotografieren. Der Ort ist so konzipiert, dass Innen- und Außenräume miteinander korrespondieren, ineinander übergehen. Für die Ausstellung wurden vor allem Fotografien ausgewählt, die Einblicke genau in diese Zwischenbereiche gewähren, zusätzlich in einige Innenräume, beispielsweise die Bibliothek des Institutes.

hochhaus_home





Hochhaus_logo

Heike Baranowsky,

Veronika Kellndorfer

und Mirjam Thomann

Wand an Wand an Wand

Ausstellung vom 1. September verlängert bis bis 13. Januar 2021

In der Ausstellung „Wand an Wand an Wand“ beschäftigen sich die Künstlerinnen Heike Baranowsky, Veronika Kellndorfer und Mirjam Thomann mit der Ausstellungssituation im Studio im Hochhaus, das sich in den ehemaligen Geschäftsräumen der Volkssolidarität befindet. Die historischen, architektonischen und soziopolitischen Besonderheiten des Ortes, einer ebenerdigen Ladengalerie inmitten eines in den späten 1980er Jahren errichteten Hochhauskomplexes, in dem bis heute 50 000 Menschen wohnen, sind Ausgangspunkt für die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten. Diese werden durch einen gemeinsam vorgenommenen räumlichen Eingriff – die herausgenommene Deckenpaneele – mit dem Ort verbunden und in Beziehung zueinander gesetzt. Das Alugitter und die jetzt sichtbaren Installationsrohre, Kabel und das Betonskelett der Decke, muten wie eine archäologische Ausgrabung an. Nur werden hier nicht Bodenschichten durchgraben, sondern der Blick in eine unerwartete Höhe freigelegt.

Diese Umkehrung der Richtungsverläufe thematisiert Veronika Kellndorfer in ihren eigens für die Ausstellung konzipierten Arbeiten. Sie projiziert eine Aufnahme des 20-geschossigen Hochhauses als Kleinbild-Dia, stark verkleinert, knapp über die Fußleiste. Ein Zwei-Wege-Spiegel reflektiert die gerasterte Fassade der Architektur als mehrfach gebrochene Projektion, durch die Gitterstruktur bis an die Deckenkonstruktion. Die Blickrichtung des Dias, die es ermöglichte die Höhe des Hauses aufzunehmen, wird durch den Blick auf die Decke repetiert, das Außen verbindet sich mit dem Raum im Erdgeschoss – eine Projektion des Ortes auf sich selbst.

In Kellndorfers zweiten Arbeit in der Ausstellung, Interior, Corner beleuchtet ein Diaprojektor mehrere Gegenstände. Die Skulptur besteht aus einer konstruktivistischen Anordnung einfacher, geometrischer Figuren, gebaut aus dichroitischen und siebbedruckten Gläsern, sowie einem hölzernen Podest. Daneben gibt es einen Stein, der einen Scheinwerfer stützt und eine Pflanze, die Kellndorfer von Heike Baranowsky für die Dauer der Ausstellung geliehen hat. Die Lichtquelle erzeugt im Aufprall mit den Gläsern und der Pflanze ein geheimnisvolles Geflecht aus komplementären Farbspielen, Schattenwürfen und Projektionen. Monstera deliciosa, eine Pflanze, die an bürgerliche Interieurs denken lässt, verbindet sich hier mit dem Siebdruck des Atriums von Lina Bo Bardis Wohnhaus, der Casa de Vidro, in São Paulo – das DDR-Wohnungsbauprojekt in Hohenschönhausen wird mit dem Tropical Modernism Bo Bardis kurzgeschlossen.

182 ½ sind camera obsura Aufnahmen des Sonnenverlaufs über 6 Monate vom Höchst- bis zum Tiefststand, die Heike Baranowsky im hinteren Ausstellungsraum zeigt. Die Kameras hingen an verschiedenen Orten, die für die Künstlerin eine persönliche Bedeutung haben, wie ihr Zuhause, ihr Arbeitsplatz oder ihr Atelier. In den Kameras befand sich ein großformatiger s/w-Negativplanfilm auf den die Sonnenstrahlen direkt ihren Weg von Osten nach Westen als eine Lichtspur in Parabelform einschrieben. Der obere Scheitelpunkt markiert den Sommerhöchststand, der untere den Wintertiefstand. Aus den architektonisch anmutenden Formen kann man neben dem Sonnenstand auch die Wetterverhältnisse herauslesen. Langzeitbelichtungen komprimieren einen zeitlichen Ablauf auf einen Moment ähnlich einem Film, der auf ein einziges Bild reduziert wird. Trotz allem ist der zeitliche Aspekt und gerade ihre Dauer noch abzulesen.

Der Bogenhanf (Sansevieria cylindrica), Snake Plant oder African Spear genannt, nutzt die von den drei Künstlerinnen rausgenommenen Deckenpaneelen als Sockel und kann dadurch erst seine volle Bogenspannung entfalten. Dabei wird der Stapel Paneele ebenso wie die Pflanzen zu einer (lebendigen) Skulptur. Der konzeptionelle Ansatz von Baranowskys Arbeit liegt im Perspektivwechsel: Die Haltung des stillen Beobachtens von Phänomenen schließt die Handlung des Bauens von Bildwirklichkeiten nicht aus.

Mirjam Thomann zeigt in der Ausstellung zwei Arbeiten, die sie an den Rändern des Ausstellungsraums platziert, an den Eingängen, Übergängen und Ausgängen der Architektur. Der Schriftzug auf einer Glasscheibe, von innen spiegelverkehrt angebracht, von außen als Klartext lesbar, wurde durch die Plakatarbeit „I AM THE DOOR“ der Künstlerin Milena Muzquiz inspiriert, die Thomann 2019 während eines Besuchs in Los Angeles im Wohnzimmer einer gemeinsamen Freundin gesehen hat. Während der von Muzquiz verwendete Satz eine Rede Jesus zitiert, adressiert die leicht abgewandelte Form „I AM A DOOR“ unmittelbar die architektonische Beschaffenheit des Ausstellungsraums: Die transparente Schwelle zwischen Innen und Außen, die sich in dem Satz spiegelnden Besucher*innen bzw. Passant*innen, das Paradox des Aus- bzw. Einschluss bei gleichzeitiger Durchsicht und das transformative Potential von Türen.

Die drei im ersten Ausstellungsraum gezeigten Zeichnungen sind Teil einer Serie, die unter Verwendung der Farbstifte „Light Flesh“, „Medium Flesh“ und „Dark Flesh“ von Faber Castell entstanden ist. So genannte Flesh Colors oder Fleischfarben, die auf das Korporale und Lebendige verweisen, kommen in verschiedenen Materialitäten und Formen in Thomanns Arbeiten vor und spiegeln hier die Bewegung des Körpers im Raum.

Alle Bilder: Thomas Bruns