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Bild: Co-op City

Was ist möglich?

„Seit Jahren steigen die Mieten und Kaufpreise für Wohnungen (und Gewerberäume) in immer schwindelerregendere Höhen. Das Angebot an (noch) bezahlbaren Unterkünften wird immer knapper und für einige zum Teil unerreichbar. Auch für diejenigen, die eine Wohnung haben, wird es immer schwieriger die steigenden Mieten zu bezahlen und mit der Angst umzugehen, die eigene Wohnung zu verlieren – aus welchen Gründen auch immer. Wir wollen angesichts dieses Problems nach Möglichkeiten suchen, die bereits irgendwo auf der Welt realisiert wurden und uns beispielhaft einen Weg für eine Lösung weisen könnten, oder vielleicht auch nur utopische bis theoretische Überlegungen in dieser Sache anstellen.“

Dieser bereits 2021 geschriebene Text wirkt bis auf das Theoretisch/Utopische, fast schon unwirklich. In Berlin, drum herum und (fast) überall, ist Wohnen teuer und wird immer teurer. Möglichkeiten aber neue Wege zu beschreiten, zum Beispiel durch Baugruppen, Genossenschaften, Kleinstwohnungen bzw. -häuser oder klassische Sozialbauten ist faktisch nicht mehr vorhanden, da die Preise für Boden und Bau ins unermessliche steigen. Alle die nicht das Glück hatten über genügend Mittel zu verfügen, um Eigentum zu erwerben oder dies schlicht nicht wollten, werden zunehmend mit der Frage konfrontiert, wie sie weiterhin die Kosten für ihre (Miet-)Wohnung aufbringen können. Die Menschen, denen das nicht mehr gelingt, finden sich schnell am äußersten Rand der Gesellschaft wieder. Das sind diejenigen, die uns nach Geld in der U-Bahn fragen, auf der Straße kampieren oder mit Einkaufswagen ihre Habseligkeiten transportieren. Eine Ausstellung in München fragt folgerichtig: „Wer ist der Nächste?“ (Architekturmuseum der TUM, bis 6. Februar 2022) Darüber hinaus fragen wir: „Was dann?“.

Zwar gibt es Lösungswege, wie Gesellschaften mit der Obdachlosigkeit umgehen können, in dem sie alternative Wohnmöglichkeiten schaffen, sogenannte inklusive Projekte, die Überschneidungen der „normalen“ mit den „gescheiterten“ Lebenswelten erlauben. Ein Beispiel dafür ist das Wiener „VinziRast-mittendrin“ von gaupenraub+, die Obdachlose und Studierende gemeinsam unterbringen und darüber hinaus ein öffentliches Café im Gebäude etablieren, was in die richtige Richtung weist. Doch dies sind Einzelmaßnahmen.
Ein Augenmerk muss daher auf die individuellen Lösungswegen gelegt werden, d.h. informelle Wohnstätten an den Rändern von verwertbaren Flächen, die gerade in Berlin auch immer weniger werden. In der Ballung als „Slum“ bezeichnet, können diese irregulären Bauten durchaus ansprechende Siedlungen bilden – und vorübergehend lebenswert, ja sogar idyllisch sein.

Eine Lösungssuche für obdachlos gewordene Menschen, die den vielfältigen Härten dieser Situation ausgesetzt sind, steht an. Es gilt neu zu denken und neu zu bauen: Wie wäre es mit der Bebauung des Tempelhofer Feldes? Wie viele Menschen könnten dort unterkommen? Und wie kann auch im Hinblick auf die „Klimawende“ in Zukunft sinnvoll gebaut werden? Hier ist sicher das Projekt auf dem ehemaligen Flughafen Tegel, das Schumacher Quartier, wegweisend. Es bleiben mehr Fragen als Antworten, aber wir wollen und müssen weiter überlegen, wie die Zukunft des Wohnens in Berlin aussehen kann, damit es sich alle leisten können.